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Jeannine Rösler

Die Linke 09.11.2023 Sitzungen 8/67

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Einem Großteil von uns allen liegen bessere Bildung und mehr Ressourcen für gute, einschließlich inklusive Bildung sehr am Herzen. Und wir wissen um die Herausforderungen. Wir wissen um die Defizite, Defizite, die auch wichtige Fragen zu Kompetenzen und Bildungsgerechtigkeit aufwerfen. Sie unterstreichen, wie notwendig alle Maßnahmen sind, um Grundkompetenzen und Bildungsgerechtigkeit nach vorn zu bringen, so, wie wir es hier auch in Mecklenburg-Vorpommern ganz aktiv angehen, etwa mit der Stärkung der basalen Kompetenzen und dem ganztägigen Lernen. Wir sind sehr dafür, dass alle Beteiligten, die Kommunen, die Träger der Jugendhilfe, außerschulische Lernpartnerinnen und Partner an einen Runden Tisch kommen, in den Austausch kommen. Und wir meinen, auch Eltern und Lehrkräfte sind in diesen Prozess einzubeziehen, einen Prozess, der längst nicht bei null anfängt. Liebe Kollegin Enseleit, was Sie hier suggerieren, ist, dass wir hier noch gar nichts haben. Aber das ist ja genau nicht der Fall, sondern es gibt zahlreiche Beispiele, die sind hier auch schon genannt worden. Und ich will noch eines hinzufügen: Die „Kooperationsinitiative für ganztägiges Lernen“ in Mecklenburg-Vorpommern ist ein ganz hervorragendes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Partnern zur Bereicherung des Ganztagsangebots. Durch einfachere Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit können Schulen und außerschulische Partner ganz effektiv zusammenarbeiten, um eben sehr gute Ganztagsangebote zu entwickeln und umzusetzen. Als Beispiel sei hier genannt die Serviceagentur „Ganztägig lernen“. Diese spielt hier eine ganz besondere Rolle. Sie initiiert beispielsweise und koordiniert und begleitet regionale und thematische Netzwerke ganztägig arbeitender Schulen. Sie berät bei der qualitativen Entwicklung des ganztägigen Lernens vor Ort und unterstützt bei der Kooperation mit außerschulischen Partnerinnen und Partnern. Im Juni 2023, also im Juni dieses Jahres organisierte die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ ein Austauschforum an der Volkshochschule Rostock. Dieses Forum bot viel Raum für Gespräche und Kennenlernen zwischen Schulen, außerschulischen Kooperationspartnern sowie etwa 60 Lehrkräften und Vertreterinnen und Vertretern ganz verschiedener Organisationen. Die Teilnehmer des Austauschforums betonten dabei, wie wichtig Kooperationen auf Augenhöhe sind und dass noch durchaus die eine oder andere Hürde etwa beim Verwaltungsaufwand abzubauen ist. Sie wiesen auch darauf hin, dass die Mobilität im ländlichen Raum eine große Herausforderung ist. Und, liebe Kollegin Enseleit, auch hier finde ich Ihr Beispiel Hamburg völlig unangebracht, weil Hamburg ist ein Stadtstaat und wir befinden uns hier im ländlichen Raum. Also hier kann man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Es wurde von diesem Forum auch darauf hingewiesen, dass es bereits gute digitale Instrumente zur Verwaltung von Kooperationsverträgen und zur Einwahl in Ganztagsangebote gibt. Also es gibt schon eine ganze Menge. Das ist natürlich auch noch weiter auszubauen. Meine Damen und Herren, in Bezug auf einen gelingenden Ganztag will ich durchaus sagen, dass sich das Modell der Zusammenarbeit von Schule und Hort im Land bewährt hat. Mecklenburg-Vorpommern besitzt ein dichtes Netz an Horten und an ganztägig arbeitenden Grundschulen, das stetig weiter ausgebaut wird. Ganztägig arbeitende Schulen sind Lern- und Lebensorte für Schülerinnen und Schüler, an denen sich über den Unterricht hinaus ein ganz vielseitiges Schulleben etabliert hat. Zusätzliche Bildungsfreizeit und Betreuungsangebote ergänzen den Unterricht bereits bisher an mindestens drei Tagen in der Woche. Im Rahmen dessen findet auch eine Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern aus den verschiedensten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens statt. Kollege Butzki ist darauf schon eingegangen. Ich meine, Kooperationsvereinbarungen sollten nicht durch eine Zusammenführung der Bereiche der Schule und der Kinder- und Jugendhilfe ersetzt werden, sondern zukünftig auch den Hort mit einbeziehen. Bei einer möglichen Zusammenführung von Hort und Schule nach dem Thüringer Modell sehen wir die Trägervielfalt schon auch irgendwie in Gefahr oder zumindest würde sie darunter leiden. Aus pädagogischer Sicht wird von den Horterzieherinnen und -erziehern im Übrigen auch vor einer Verschulung des Hortes beziehungsweise der Nachmittagsbetreuung gewarnt. Auch das sollten wir nicht so ganz beiseiteschieben. Die Horterzieherinnen und -erzieher leisten wirklich eine ganz hervorragende Arbeit und ihnen gilt auch unser Dank. Sie sollten wir unbedingt auch hier mit einbeziehen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Wir haben im Übrigen durchaus erfolgreiche Fachkräfteoffensiven im Bereich der Schule und im Bereich der Kindertagesförderung und des Hortes. Auch das gilt es zu berücksichtigen. Wir sind da, glaube ich, auf einem guten Weg. Der Adressat des Ganztagsrechtsanspruchs sind die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Sie sind verantwortlich für den Ausbau von Ganztagsplätzen. Und auf die Förderung, die seitens der EU, des Bundes und des Landes bereitgestellt wird, ist die Ministerin schon eingegangen. Dazu brauche ich nichts mehr zu sagen, zu den Zahlen, die sind hier alle genannt worden. Die sehr hohe Betreuungsquote, ich habe eine andere Zahl als Sie, Frau Wegner, glaube ich, (Zuruf von Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) also fast 80 Prozent mittlerweile der Grundschulkinder im Hort, die kann sich wirklich auch schon sehen lassen. Wie gesagt, wir fangen nicht bei null an. Das Ganztagsförderungsgesetz ermöglicht es den Eltern, zwischen Tageseinrichtungen und Ganztagsschulen zu wählen. Die Wahlmöglichkeit besteht allerdings nur außerhalb der Unterrichtszeit und der verpflichtenden Angebote der Ganztagsschulen. Der Ausbau qualitativ hochwertiger Ganztagsbetreuung ist und bleibt absolut unabdingbar, um sicherzustellen, dass alle Kinder unabhängig von ihrem sozialen oder wirtschaftlichen Hintergrund die gleichen Bildungschancen haben. Dafür müssen wir alle, Eltern, Lehrkräfte, Schulen und die Gesellschaft, insgesamt bestmöglich zusammenarbeiten. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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