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Horst Förster

AfD 09.11.2023 Sitzungen 8/67

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nach dem, was ich eben hörte, fühle ich mich wirklich herausgefordert, (Torsten Renz, CDU: Na, das ist klar!) auch hier noch was dazu zu sagen. Also ich finde es wirklich bewundernswert, wie Sie jetzt, gerade DIE LINKE, Fritz Reuter hier vereinnahmen. (Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE) Also Sie können sicher sein, wenn Reuter heute hier sich irgendwie zu entscheiden hätte, bei Ihnen würde er nie eintreten, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Torsten Koplin, DIE LINKE: Er war fortschrittlich.) denn er war alles, jedenfalls kein vaterlandsloser Gesell. (Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE) Und was Sie ihm jetzt heute andichten, ist geradezu abenteuerlich. Also die Burschenschaft, höre ich dann, Wein, Weib und Gesang, auf dieser Ebene, und das seien ja damals keine Organisationen gewesen, wo man richtig politisch und politisch aktiv sein konnte. Natürlich, damals gab es die Burschenschaften, die waren hochaktiv und revolutionär, und genau dort hatte er sich angesiedelt und dort war er auch aktiv. Und wenn Sie es genau wissen wollen, er schloss sich schließlich auch der jenaischen Burschenschaft Germania an, und zwar ihrer radikalen Richtung. So war das damals. (Zuruf von Michael Noetzel, DIE LINKE) Und was ich besonders bemerkenswert finde, ist, wie Sie mit zweierlei Maß messen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie Sie hier geschlossen mehr oder weniger Ernst Moritz Arndt ächteten, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Genau!) der Mann, der sich um vieles verdient gemacht hat, der aus unserem Land kommt, der sich für die Abschaffung der Leibeigenschaft eingesetzt hat, (Zuruf von Stephan J. Reuken, AfD) der Demokrat war von vorne bis hinten. Aber wir leben in einer anderen Zeit. Und Sie wollen jetzt auch dem Fritz Reuter sozusagen andichten, dass er heute auch die Migranten mit offenen Armen aufnehmen würde. Ja, wo leben Sie eigentlich?! (Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE: Das habe ich gar nicht gesagt.) Das ist der Kernfehler, dass Sie einfach nicht begreifen wollen, dass man die Geschehnisse, auch die Menschen auf dem Hintergrund ihrer Zeit begreifen muss und nicht mit den Maßstäben von heute. (Zuruf von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) Was den Antisemitismus anbelangt, dann hatten sie natürlich nicht den Holocaust erlebt. Und natürlich hat Herr Damm völlig recht. Das war nicht anders als für Ernst Moritz Arndt. Er war auch in gewisser Weise Antisemit und er war vor allem ein Franzosenhasser ohne Ende. Auch das war für die damalige Zeit völlig normal. (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Das war nicht normal.) Das reichte aber aus, den Ernst Moritz Arndt – der ja auch in der DDR völlig unbestritten war, (Zuruf von Rainer Albrecht, SPD) da gab es die große Ernst-Moritz-Arndt-Medaille –, der wurde ja geächtet, die Universität, diese beraubten Sie ihres dieses Namens. Und wenn ich dann noch so nebenbei höre, dass Herr Damm spricht vom „nationalsozialistischen Bevölkerungsaustausch“ und meint offensichtlich damit die Vertreibung der Deutschen aus Ostpreußen, dann muss ich schon sagen, das ist ein starkes Stück. Das ist also eine Entwürdigung dieser Menschen. Dass sie die Vertreibungsverbrechen ertragen mussten aufgrund des Krieges, ja, aber das als „nationalsozialistischen Bevölkerungstausch“ zu bezeichnen, ist schon ein starkes Stück. Und da fällt mir noch was auf. Er wurde ja dann bestraft wegen Majestätsbeleidigung. Ja, das findet man natürlich nicht gut, ist völlig richtig, aber wenn Sie jetzt mal hören, was ihm also konkret vorgeworfen wurde, dass die dann dieses Lied sangen, so ein revolutionäres Lied, „Fürsten zum Land hinaus, jetzt kommt der Völkerschmaus! Hinaus, Hinaus! Erst hängt den Kaiser Franz. Dann den im Siegerkranz!“, das ist schon krass, das ist ein Mordaufruf sozusagen. Und dazu hat er dann noch hinterher gesagt: „… was hatten wir denn getan? Nichts, gar nichts. Nur in unseren Versammlungen und unter vier Augen hatten wir von Dingen geredet, die jetzt auf offener Straße frei heraus geschrien werden …“ Da kommt mir auch so der Gedanke, wie es denn heute aussieht, wenn die entsprechenden Revolutionäre, ja, letztlich Mordaufrufe verkünden würden unter vier Augen, wie geht denn, der Verfassungsschutz und auch andere Institutionen heute springen von einem Chat in den anderen, das haben wir ja schon gehört. Da mag es ja Anlässe geben, aber dass wir in einer Zeit leben, wo Sie auch unter vier Augen unter Umständen nicht mehr sagen können, was Sie wollen, was Sie nur dort unterbringen und nicht weiter hinaus, auch das ist ein Thema, da könnte man drüber reden. Aber vor allem ist mir ein Gesichtspunkt, den hervorzuheben, dieses, wirklich mit zweierlei Maß zu messen. Sie vereinnahmen diesen Fritz Reuter – und wir stehen ja dahinter, dass wir den ehren und seiner gedenken –, den vereinnahmen Sie und kleiden ihn in ein Kleid, wie es Ihnen passt. Und ich sage noch mal, dieser Fritz Reuter würde vielleicht bei keinem von uns, aber mit Sicherheit nicht auf der linken Seite seine politische Heimat heute finden. Dessen können Sie sicher sein! – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE)

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