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Katy Hoffmeister

CDU 09.11.2023 Sitzungen 8/67

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Dass Fritz Reuter eine bedeutende Persönlichkeit unseres Landes war, dazu haben wir jetzt einiges gehört. Dem kann ich nur zustimmen. Und ich habe mich im Zuge des Landtagsantrages natürlich auch noch mal ein bisschen belesen und mit dem Leben beschäftigt, und ich glaube, man kann sagen, er war ein echter Lebemensch. Man dürfte vielleicht sagen, Wein, Weib und Gesang schienen ihm nicht ganz fern gewesen zu sein. Insbesondere, wenn Sie mal in Rittermannshagen sind und dort auf den Förderverein treffen, dann werden Sie sehr viele Geschichten über die Begebenheiten in dem Gemeindehaus und an dieser Kirche von ihm hören. Er war jedenfalls dicht bei den Menschen in ihrer Sprache, nämlich dem Plattdeutschen, unterwegs, nicht zurückhaltend, sondern geradeheraus, und damit hat er auch unser Land geprägt. Und er hat uns mit seinen Werken einen Einblick in seine Zeit und das Denken der Menschen in der Zeit hinterlassen. Insbesondere hat er uns den Zugang zu dieser besonderen Sprache hinterlassen, in der er schrieb und in der er sprach und die er für so wichtig hielt, dass er eben absichtlich nicht ins Hochdeutsche, sondern ins Plattdeutsche gewechselt hat und dies als Ausdrucksform wählte. Heute wird das Plattdeutsche immer weniger im alltäglichen Leben tatsächlich aktiv gesprochen. Persönlichkeiten wie Fritz Reuter geben uns aber immer wieder Anlässe, um das Plattdeutsche einfach auch zu feiern und uns auch ins Bewusstsein zu rufen. Ja, reines Plattdeutsch wird selten gesprochen, aber einzelne Worte, liebe Kolleginnen und Kollegen, haben es in unseren alltäglichen Sprachgebrauch geschafft. Worte wie schnacken, hibbelig, Feudel, figelinsch, Flunsch oder Tüdelkram kennen und nutzen wir alle. Und wer kann schon richtig böse werden, wenn er mit „Dösbaddel“ tituliert wird? Und „Moin!“ hört man auch rauf und runter, nicht so häufig wie in Schleswig-Holstein, aber eben auch. Und das Plattdeutsche wird weniger, aber es ist schon ein Teil unseres Sprachgebrauchs. Und dies zu hegen und zu pflegen, ja, auch das ist unsere Aufgabe. Eigen, geradeheraus und dennoch liebenswürdig, das ist Plattdeutsch und das ist Fritz Reuter, so, wie ich über ihn gelesen habe. Und das sind auch die Mecklenburger und Vorpommern, also irgendwie wir. Meine Fraktion stimmt dem hier Gesagten unumwunden zu, dennoch finden wir, dass der Antrag mehr kann, mehr enthalten könnte. Stavenhagen, die Fritz-Reuter-Stadt, wir haben es gehört, die Stadt, die sich dem Andenken und dem Wirken verschrieben hat, wird mir in dem vorliegenden Antrag noch zu wenig in ihrem Engagement gewürdigt und unterstützt. Wenn das Land Fritz Reuter würdigt, dann muss es das doch zusammen mit Stavenhagen tun und etwas gemeinsam auf den Weg bringen. Natürlich ist gerade Stavenhagen sich des Jubiläums bewusst und es gibt Beschlüsse in der Stadtvertretung, die dieses Jubiläumsjahr angemessen angehen wollen. Und hier sollte sich das Land einbringen, denn nach unserer Kenntnis hat die Stadt längst beschlossen, dass sie davon ausgeht und ausgehen darf, dass 25.000 Euro als Drittmittel vom Land zur Verfügung gestellt werden. Und deshalb frage ich mich, meine Damen und Herren, wozu wir jetzt diesen Antrag brauchen und was der denn bedeuten soll. Oder soll er nur das, was schon bekannt ist, möglicherweise in seiner Bedeutung noch mal hervorheben? Und wir als Landtag können und sollten dieses Jubiläumsjahr auch würdigen. Fritz Reuter als Stellvertreter für eine Sprache, die norddeutscher nicht sein könnte, der für einen Typus von Mensch steht, den Mecklenburger und Vorpommern verkörpern, und dies kann Anlass sein, auch uns als Mecklenburg-Vorpommern in dem Rahmen zu feiern. Fritz Reuter – norddeutsch, eigensinnig, liebenswürdig, direkt, Demokrat. Und meine Fraktion findet, es böte sich an, auch als Landtag ein Zeichen für unsere Heimat und für diese wichtige Persönlichkeit unserer Heimat zu setzen. Wir haben unsere Landesverfassung, die nächstes Jahr ebenfalls ein Jubiläum feiert. 30 Jahre wird sie alt und wir haben sie auf Plattdeutsch veröffentlicht. Das Plattdeutsche hat Verfassungsrang. Lassen Sie uns doch dieses Jubiläum, 30 Jahre Landesverfassung, mit dem Niederdeutschen als Verfassungsrang und dem 150. Todestag Fritz Reuters als bedeutendem niederdeutschen Schriftsteller, zum Anlass nehmen und eine Sitzung genau zu diesem Tagesordnungspunkt vielleicht zusätzlich in Plattdeutsch halten. Ich würde mich darüber freuen. Und, liebe Kollegen von der AfD, ehrlich gesagt, Belehrungen zur Geschichte bitte echt nicht von Ihnen! (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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