Dr. Sylva Rahm-Präger
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Am 12.05. habe ich hier gestanden und für unseren Antrag „Bioökonomiestrategie für das Land M-V entwickeln – Ernährungssicherung und Ressourceneffizienz in den Fokus rücken“ geworben. In der Einbringung bin ich ausführlich auf den Nutzungsdruck eingegangen, der auf unseren Landesflächen liegt und vor allem auf unseren landwirtschaftlichen Nutzflächen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Böden sind nicht vermehrbar, auch deshalb ein hoher Investorendruck auf jede noch so kleine Splitterfläche. Es werden im Moment Pachtpreise geboten den Gemeinden und den Landwirten, die weit über dem Ertrag liegen, den sie mit landwirtschaftlicher Produktion realisieren könnten. Aber konkret zu Ihnen: Konkret beschreiben Sie, was Sie unter zunehmender Renaturierung verstehen. Sie haben damit die Aufforstung und die Wiedervernässung von Niedermooren im Blick. Vielleicht eine Erläuterung dazu: Wenn Moore ackerbaulich genutzt werden, dann schwindet die Bodenmasse. Der gebundene Kohlenstoff entweicht und verbindet sich mit dem Sauerstoff zu CO . 2 Das führt zu einem Verlust des Bodens bis hin zum völligen Nutzungsverlust. Es ist bedauerlich, dass Sie den Teil unserer Exkursion auf der Insel Rügen nicht mit genutzt haben. Am Polder Drammendorf wurde uns der Bodenverlust in den letzten 70 Jahren auf einer ackerbaulichen Fläche genau nachgemessen. Wir haben sozusagen in den 60 Jahren 70 Zentimeter Boden verloren – eine Absackung des Bodens. Es ist also höchste Zeit, die Reißleine zu ziehen. Wenn wir jetzt nichts unternehmen, dann hinterlassen wir unseren Kindern und Enkeln in diesen Bereichen eine Wüste. Zu diesen Maßnahmen gibt es keine Alternativen, aber wir können die Maßnahmen klug verbinden. Wir können Moore wiedervernässen und nasse Ackerkulturen anbauen. Hier ist schon einiges dazu gesagt worden. Es gibt Nutzungsinteressenten dafür. Wir müssen Verpackungsmaterial herstellen. Wir haben irgendwann auch die fossilen Energieträger nicht mehr. Das ist auch gebundener CO , der da unten – gebundener Kohlenstoff –, der Milli-2 onen Jahre da unten liegt, aber ich sag jetzt mal so, irgendwann ist auch diese Ressource verbraucht und dann ist es für uns sowieso notwendig, dass wir uns auf das beschränken, was uns unser Planet zur Verfügung stellt, und zwar in dieser Lebenszeit. Und wie gesagt, in Leuna wird gearbeitet an pflanzlichem Ersatz für erdölbasierte Produkte. Also auch ganz wichtig, dass wir dort vorankommen. Und wir können so eine Bewirtschaftung von Ackerkulturen auch verbinden mit Solarenergie. Also wir sollen im Prinzip auch Naturschutz und Energiegewinnung zusammendenken. Das sollte bei vielen Flächen auch möglich sein. Wald umbauen, Aufforstung, Agroforsthecken, Alleen sind ebenfalls alternativlos, denn die Wälder sind die Lungen unserer Erde, ganz zu schweigen von ihrer Funktion für die Artenvielfalt. Am 16.06. hatten wir eine Aussprache zu den Bienen. Da haben sich alle positiv geäußert. Alle waren sich hier einig, dass wir etwas für die Artenvielfalt, für den Insektenschutz tun müssen, weil ohne Insekten wird es auch kein Leben auf diesem Planeten mehr geben, auch für uns Menschen nicht. Und dazu gehört natürlich, dass wir etwas für die Renaturierung tun müssen. Das können wir doch nicht ausblenden. Das ist auch alternativlos. Zu dem Selbstversorgungsgrad – das möchte ich hier nicht noch mal wiederholen – ist eigentlich alles gesagt worden. Es darf hier nicht darum gehen, den Naturschutz und den Klimaschutz gegen die Landwirtschaft zu stellen und beides gegeneinander auszuspielen. Wir müssen bessere Wege finden, beides klug zu verbinden. Und da ist für mich der ökologische Landbau auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Es muss darum gehen, dass wir mit Technik und Innovationen und unseren jungen und klugen und gut ausgebildeten Landwirtinnen und Landwirten diese Probleme bewältigen, ohne den Graben zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft zu vergrößern, im Gegenteil, ich hoffe, dass dieser irgendwann nicht mehr sichtbar ist. Vielleicht ein letztes Wort zu einer Strategie, die auch Folgenabschätzungen wissenschaftlich fundiert erfasst: In unserem Antrag vom Mai ging es nämlich genau um dieses Thema, welches Sie uns jetzt hier noch einmal vorgesetzt haben. Es ging um eine Bioökonomiestrategie für unser Land, eine bestmögliche Abwägung und Verknüpfung aller Maßnahmen mit Folgenabschätzung. Ich möchte meine Rede hier nicht noch einmal vortragen, aber wir haben Lösungsansätze formuliert. Dazu gehört auch die höchstmögliche Veredelung landwirtschaftlicher Produkte und die Unterstützung der Ernährungswirtschaft in unserem Land. Herr Schulze-Wiehenbrauk, ich kann mich erinnern, dass Sie die Exportzahlen – nein, das war Herr Stein –, die Exportzahlen der Ernährungswirtschaft angezweifelt haben und meinten, wir sprechen vom Rohgetreideexport. Dem ist aber nicht so. 31,2 Prozent der zum Export bestimmten Waren der Ernährungswirtschaft aus unserem Land sind tatsächlich verarbeitete Produkte, und es ist noch so viel mehr möglich. Die Landesregierung wird alles dafür tun, um die Natur zu erhalten, wenn nötig zu renaturieren und die Land- und Ernährungswirtschaft wettbewerbsfähig zu halten und damit die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu sichern. Also dafür brauchen wir Ihren Antrag nicht. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
