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Horst Förster

AfD 08.11.2023 Sitzungen 8/66

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es ist zu einem Markenzeichen unserer Republik geworden, dass, egal wohin man blickt, die Ideologie und nicht die Vernunft regiert, (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das sieht man ja an Ihrer Fraktion.) sei es in der Energiepolitik, sei es in der Migrationspolitik, sei es in der Gesellschaftspolitik, wo Jugendliche demnächst jedes Jahr ihr Geschlecht neu bestimmen können oder – und damit bin ich beim Thema – wo Regelwerke erfunden werden, um eine in Jahrhunderten gewachsene Sprache gendergerecht zu verhunzen. Eine Quelle dieses Unfugs ist das Gendergebot in Paragraf 4 des Gleichstellungsgesetzes, das wir mit unserem Gesetzentwurf streichen wollen, (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) denn genau darauf beruft sich die Landesregierung immer wieder bei ihren Gendereskapaden. (Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD: Oh!) Wir lehnen das Gendern entschieden ab, nicht, weil wir gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau wären, (Julian Barlen, SPD: Setzen Sie mal eine neue Brille auf!) nein, die Gleichberechtigung ist eine Errungenschaft, die von niemandem infrage gestellt wird. Und gegen die Gleichstellung ist auch nichts einzuwenden, soweit sie echte Benachteiligung von Frauen ausräumen will. (Julian Barlen, SPD: Darüber entscheiden Sie?!) Bei dem Gender-Mainstreaming und der sich daraus entwickelten feministischen Linguistik geht es aber um mehr. Deren Vertreter meinen, das generische Maskulinum sei diskriminierend, weil es sich nur auf Männer bezöge und Frauen bestenfalls mitgedacht würden. (Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Dazu werde ich gleich noch ausführen.) Das ist eine auf eine Benachteiligung abzielende gekünstelte Unterstellung, denn das generische Maskulinum ist eine geschlechtsneutrale, mehr als 1.000 Jahre alte, in der Sprache tief verankerte Form der Sprachanwendung, die in Bezug auf das Geschlecht gerade nicht diskriminiert, (Zuruf von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) da alle Angehörige einer Gruppe völlig unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht angesprochen werden. Es ist eine geradezu wahnhafte Vorstellung, wenn uns eingetrichtert werden soll, dass bei der Benennung von Einwohnern, Zuschauern, Lohnempfängern, Verkehrsteilnehmern oder ähnlichen Gruppenbezeichnungen eine Diskriminierung von Frauen vorliegen soll, denn das biologische Geschlecht spielt hierbei erkennbar überhaupt keine Rolle. Die Genderideologen sehen das anders und setzen für eine gendergerechte Sprache vor allem die Paarbezeichnung ein. Das heißt, anstelle des oben neutral benutzten Maskulinums findet überflüssigerweise eine Sprachsexualisierung statt, in dem stets beide biologischen Geschlechter genannt werden, zum Beispiel statt Radfahrer nunmehr Radfahrerinnen und Radfahrer, Zuschauerinnen und Zuschauer. Da das aber offensichtlich umständlich ist, weicht man immer mehr auf das substantivierte Partizip aus und so gibt es in angepassten Medien und im politisch korrekten Lager statt Zuschauer nur noch Zuschauende, Teilnehmende, Mitarbeitende und so weiter. Forscher sind im bildungskranken Deutschland ausgestorben, man hört nur noch von Forschenden. Mit diesen neuartigen Geschlechtsneutralisierern findet allerdings ein regelwidriger und verstörender Missbrauch des Partizips statt, denn das substantivierte Partizip hat eine andere Bedeutung. Es bringt nämlich nur ein momentanes Handeln zum Ausdruck. Der Studierende ist etwas anderes als der Student, (Zuruf von Dirk Stamer, SPD) genau wie der Lkw-Fahrende etwas anderes ist das der Lkw-Fahrer. Und ich wiederhole dieses Beispiel gern: Ein Pöbelnder ist etwas anderes als ein Pöbler. (Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE: Das ist die gleiche Rede wie beim letzten Mal, kein Zugewinn.) Und um es nochmals ganz klar zu machen, den Demonstrierenden, Studierenden kann es sprachlogisch überhaupt nicht geben. Der ganze Irrsinn des Genderns erschließt sich, wenn man sich die Handlungsempfehlungen beziehungsweise Leitfäden zum Gendern ansieht. Es ist so, als ob man seine eigene Sprache einer kleinkarierten Säuberung unterziehen müsste. (Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD: Ja, genau.) Wir lernen, „keiner hat das Recht“ geht nicht, stattdessen „keine oder keiner“ oder besser und geschlechtsneutral, „niemand hat das Recht“, dasselbe bei „jeder kann kommen“, stattdessen „jede oder jeder“ oder besser geschlechtsneutral, „alle können kommen“. (Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE: Ist doch gut, ist doch wunderbarer Ausdruck.) Dieses Ausweichen, eine gekünstelte Geschlechtsneutralität, ist ein mühsames Geschäft. Der Beauftragte wird zur beauftragten Person, der Kläger zur Klagepartei und der Jagdscheininhaber (Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE: Lasst sie doch alle kommen, die Kinder.) in dem neuen Jagdgesetz zu einer einen Jagdschein innehabenden Person. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Man hat einen Jagdschein und einen Führerschein, man hat ihn aber nicht inne. Dem Gendern sind allerdings häufig Grenzen gesetzt. Das merkt auch Gesundheitsminister Lauterbach, dessen Ministerium sich mit einem gendergerechten Warnhinweis bei der Arzneimittelwerbung, (Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD: Das wiederholen Sie immer. – Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Jetzt kommt das schon wieder!) man hat ja sonst nichts Wichtigeres zu tun, herumquält. (Zuruf von Michael Noetzel, DIE LINKE) Vorschlag in seinem Referentenentwurf: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder in der Apotheke.“ Wen Sie da fragen sollen, bleibt offen. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Ich halte Ihnen nochmals den Satz von Tucholsky vor: „Soldaten sind Mörder“, korrekt gegendert: Soldatinnen und Soldaten sind Mörderinnen und Mörder. Hier gendern Sie natürlich nicht, denn beim Gendern selektieren Sie bewusst oder unbewusst und gendern nicht im Negativbereich, bei Verbrechern, Vergewaltigern, Schleppern, Faschisten und so weiter. Das verträgt sich allerdings, (Michael Noetzel, DIE LINKE: Das ist ein Zitat, ein wörtliches Zitat! – Zuruf von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) das verträgt sich allerdings nicht mit Ihrer Genderideologie, denn Sie diskriminieren damit nach Ihrer Logik und Sprachideologie die Männer, die im Bereich des Bösen regelmäßig allein genannt werden, als ob es dort keine Frauen gäbe. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sehr richtig! – Zuruf von Michael Noetzel, DIE LINKE) Jetzt hören Sie bitte zu! Im aktuellen Israel-Antrag, den man ja nun sehr ernst und nicht spaßig nehmen sollte, offenbart sich ebenfalls das Dilemma des Genderns, denn bei Benutzung der Paarform geht es um die sprachliche Gleichstellung von Frauen und Männern, nicht von Kindern. Kinder sind keine Frauen und keine Männer, sie sind etwas Besonderes, nämlich Kinder. Diese werden also bei der Paarform Jüdinnen und Juden ausgeblendet, vielleicht mitgedacht. Aber genau das reicht nach ihrer Gendersprachlogik doch gerade nicht aus. Sie sollten die vielen ermordeten jüdischen Kinder in Ihrem Antrag nicht vergessen! Niemand hat etwas gegen einen natürlichen Sprachwandel vorzubringen. Das Gendern ist jedoch das genaue Gegenteil, nämlich ein von oben diktiertes und systematisch durchgesetztes Sprachdiktat. Das hat weitreichende Auswirkungen in der Praxis. So werden Zuwendungen und Förderungen von gendergerecht formulierten Anträgen abhängig gemacht. An der Universität müssen Studenten, die nicht gendern, mit einem Punktabzug rechnen, oder, was noch viel schlimmer ist, man gendert, weil man sonst Nachteile befürchtet. Meine Damen und Herren, der Streit ums Gendern ist kein Spaß. Wir befinden uns in einem Kulturkampf: auf der einen Seite unsere in über tausend Jahren gewachsene Sprache, auf der anderen Seite eine Obrigkeit, die in geradezu ideologischer Besessenheit eine gekünstelte Amtssprache gegen den Willen einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung durchsetzen will. Es ist ein Thema von grundsätzlicher Bedeutung, das viele Bürger bewegt und das die Gesellschaft spaltet. Spalter sind dabei zweifelsfrei diejenigen, die respektlos Hand an unsere Muttersprache legen und diese mit absurden Wortschöpfungen und Regelverstößen verhunzen. Wir werden dieses Thema nicht loslassen. Zum Schluss wende ich mich erneut an die CDU, die das Gendern angeblich ebenfalls ablehnt, (Zuruf von Enrico Schult, AfD) aber hier im Plenum kein Rückgrat zeigt und sich hinter einer brüchigen Brandmauer duckt, um sich keinen Rüffel von Merz einzuhandeln. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Anträge der AfD kann man einfach nur ablehnen!) Wie bei der Ersten Lesung werbe ich nochmals mit einem Zitat des französischen Präsidenten Macron für Zustimmung, der kurz nach seinem Amtsantritt die in der Verwaltung erzwungene Gendersprache abschaffte mit der Begründung: „Verständlichkeit und Klarheit der Sprache müssen … Vorrang haben vor ideologisch gesteuerten Entgleisungen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)

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