Daniel Seiffert
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die AfD greift offenbar nach jedem Strohhalm, um die erneuerbaren Energien auszubremsen und schlechtzureden. (Enrico Schult, AfD: Haben Sie dem Minister eben zugehört?) Es gibt Studien, Untersuchungen und Äußerungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Länder, die sich mit Auswirkungen von Windkraft und Sonnenenergie auf das lokale, regionale oder globale Klima befassen. Allein die Tatsache, dass Sie nicht einmal die Quelle und die Autoren der für den Antrag herangezogenen, kürzlich veröffentlichten Studie im Antrag benannt haben, (Petra Federau, AfD: Hab ich!) im Antrag nicht benannt haben … (Petra Federau, AfD: Hab ich!) Sie haben es ganz kurz in der Einbringung gebracht, ja, (Enrico Schult, AfD: Also hat sie es doch gemacht, gut!) In Ihrem Antrag stand es nicht. (Enrico Schult, AfD: Steht aber auf dem Zettel. – Zuruf von Horst Förster, AfD) Sie haben es ganz kurz, (Enrico Schult, AfD: Steht aber bei Ihnen auf dem Zettel, ne, Herr Seiffert?! Müssen Sie nur vorlesen.) Sie haben es ganz kurz genannt. Das war übrigens, das habe ich auch erwähnt, aber ich sage mal so, schnell mal so genannt, man konnte sich nichts aufschreiben. (Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD) Ich verweise in diesem Zusammenhang auf zwei Dokumentationen der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages. Für beide wurde die Arbeit im Dezember 2020 abgeschlossen. Die erste trägt den Titel „Wissenschaftliche Literatur zu mikroklimatischen Auswirkungen von Windkrafträdern“ und ist unter der Nummer WD 8 - 3000 - 076/20 zu finden. Darin heißt es, dass im Sprachgebrauch als Mikroklima das „Klima der bodennahen Luftschicht“ bezeichnet wird. Verwiesen wird auf wissenschaftliche Studien, die belegen, „dass im Umfeld von Windkraftanlagen ein gewisser Anstieg lokaler bodennaher Temperaturen gemessen wird“. Deshalb gewinnt die Untersuchung mikroklimatischer Veränderungen in der Umgebung von Windkraftanlagen und ihre Auswirkungen auf die Umwelt an Bedeutung. Die zweite Dokumentation unter dem Titel „Lokale mikroklimatische Effekte durch Windkrafträder“ ist unter WD 8 - 3000 - 083/20 zu finden. Sie befasst sich ebenso mit der Kritik, dass sich infolge des Betriebs von Windkraftanlagen das sogenannte Mikroklima ändere. Beide Dokumentationen stellen den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand anhand einer Auswahl von Publikationen dar. Die Autoren kommen darin zu dem Ergebnis, dass sich zwar ein leichter klimatischer Effekt aus dem Betrieb der Windräder ergebe, vor allem nachts würde sich Luft in Bodennähe etwas erwärmen, schwerwiegendere Auswirkungen können sie jedoch nicht festmachen. So gebe die Studienlage beispielsweise keine kausale Beziehung von Dürren und Windkraft her. Nun ist Wetter nicht gleich Klima. Aber auch hinsichtlich der im Antrag geforderten Erforschung meteorologischer Auswirkungen von Windkraftanlagen dürften vorgenannte Schlussfolgerungen übertragbar sein. Beide Dokumentationen setzen sich unter anderem mit einer von Lee M. Miller und David W. Keith in der Zeitschrift „Joule“ im Dezember 2018 unter dem Titel „Climatic Impacts of Wind Power“ veröffentlichten wissenschaftlichen Publikation auseinander, auf die Kritiker der Windkraft gern verweisen. Ich empfehle der AfD-Fraktion, sich mit beiden vorgenannten Dokumentationen zu befassen. Eine gesonderte Untersuchung auf das lokale Wetter in Mecklenburg-Vorpommern halte ich nicht für notwendig. Belegt ist, dass Windkraft im Gegensatz zu Treibhausgasen der Atmosphäre nicht mehr Wärme hinzufügt. Windkraftanlagen verteilen lediglich die Wärme durch das Mischen und veränderte Strömungsverhältnisse. Abschließend zitiere ich Physiker Thomas Birner, Professor für Theoretische Meteorologie an der Fakultät für Physik der Universität München: „Dass der Mensch durch seine Energieproduktion zum Teil in das Klimasystem eingreift, ist sicherlich unvermeidbar. Die Frage ist, bei welcher Art von Energieproduktion dieser Einfluss am geringsten ist.“ Zitatende. Sein Fazit lautet daher, ein etwaiger Einfluss von Solar- und Windenergieerzeugung auf das lokale – oder eventuell auch regionale – Klima sollte immer in Relation zum Klimaeinfluss von konventionellen oder alternativen Methoden der Energiegewinnung stehen. Und alles deutet darauf hin, dass die beiden Techniken wesentlich klimaschonender sind als das Verfeuern fossiler Brennstoffe wie Kohle und Gas. Meine Fraktion lehnt den Antrag ab. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
