Jeannine Rösler
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Zunächst möchte ich mich auch bedanken bei den Bündnisgrünen für dieses Thema der Aussprache. Das ist ohne Zweifel ein wichtiges und, wie wir jetzt hier auch sehen konnten, ein sehr komplexes Thema. Und uns als LINKE liegen Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit, Teilhabe von Kindern und Jugendlichen sehr, sehr am Herzen. Die Herausforderungen, vor denen die multiprofessionellen Teams stehen – und das ist ja nur ein Aspekt –, die verdienen tatsächlich eine genauere, eine differenzierte Betrachtung. Und das wäre, glaube ich, zielfördernder als über die ganze Breite des Themas hier zu philosophieren, was wir im Grunde genommen auch getan haben. Meine Damen und Herren, viele Aufgaben im Schulalltag können nicht von den Lehrkräften allein bewältigt werden. Das ist hier angesprochen worden. Das ist ganz klar. Es ist wichtig, sich Verantwortung zu teilen, gut abgestimmt und eben professionell miteinander zusammenzuarbeiten. Es nützt ja nichts, wenn zum Beispiel eine Schulsozialarbeiterin sich wie ein Fremdkörper an der Schule empfindet. Auch das gibt es. Es ist ganz entscheidend, dass in diesem Team ganz eng und auch mit dem nötigen Verständnis füreinander gearbeitet wird. Ansonsten funktioniert es auch nicht, egal, wie viele Professionen ich an der Schule habe. Und so, wie die Gesellschaft eben vielfältiger wird, so werden es auch die Herausforderungen im Bildungsbereich, das ist völlig klar, denn wir wollen den Schülerinnen und Schülern besser gerecht werden. Und deshalb wurden ja auch schon multiprofessionelle Teams bereits in der zurückliegenden Legislatur auf den Weg gebracht. Komplexe Anforderungen erfordern neues Denken und Handeln bei der Arbeit, in der Klasse oder auch in den Lerngruppen. Sie erfordern vor allem mehr und auch eine intensivere Kooperation und einen stärker ganzheitlichen pädagogischen Ansatz. Schulen mit besonderen Herausforderungen erhalten im Zusammenhang mit der sonderpädagogischen und pädagogischen Förderung auch eine besondere Unterstützung. In diesem Zusammenhang – und da muss ich Ihnen widersprechen, Frau Enseleit –, in diesem Zusammenhang wurde mehr Personal eingestellt, wurde zusätzliches pädagogisches Personal eingestellt in vielen Schulen dieses Landes. Und diese Einstellungen werden immer noch vorgenommen, und wir stärken diesen Bereich auch. Es gelingt eben auch, nicht nur für Lehrkräfte eine schnellere Einstellung zu ermöglichen, sondern eben auch für unterstützendes pädagogisches Personal. Und das ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig, und das kann man hier nicht einfach unter den Tisch kehren. Hinzu kommt die Unterstützung durch Alltagshelferinnen und Alltagshelfer bei allen nicht pädagogischen Aufgaben und eben die hier auch schon angesprochenen Verwaltungsfachkräfte, die eben insbesondere die Schulleitung entlasten. Und wenn wir über Multiprofessionalität reden, dann gehören ganz klar, so, wie der Kollege Butzki es angesprochen hat, die Ganztagsangebote dazu. Sie werden verstärkt jetzt durch außerschulische Kooperationspartner durchgeführt – das ist ganz wichtig – und sind in mehrfacher Hinsicht auch eine Bereicherung und nicht zuletzt auch eine Entlastung der Lehrkräfte, die sich so eben auch besser auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Hier passiert sehr, sehr viel, und als Mitglied eines Schulfördervereins begleite ich das selber, wie das an der Schule umgesetzt wird. Das kann sich wirklich sehen lassen. Die Schulen arbeiten unheimlich gern mit außerschulischen Kooperationspartnern zusammen. Das ist eine Bereicherung für alle, alle Seiten. Meine Damen und Herren, mit dem letzten Schuljahr hat das Bildungsministerium dieses Angebot in allen Schulbereichen noch erweitert und das hier schon mehrfach angesprochene Kooperations- und Beratungssystem KuBES geschaffen. In den KuBES-Teams sind Sonder-, Sozial- und Erwachsenpädagogen organisiert, die ganz eng mit den Eltern zusammenarbeiten und auf die optimale Förderung eines jeden Kindes abzielen. Die KuBES-Teams sind involviert in die Fallarbeit von Schulen, unter anderem in den Bereichen Schulabsentismus, Gewalt und Mobbing, Mobbingprävention, Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs, Diversität und der Elternberatung. Unterstützt und flankiert wird die multiprofessionelle Arbeit von KuBES, von der örtlichen Kinder- und Jugendhilfe, den Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern, dem Institut für Qualitätsentwicklung, dem Zentralen Fachbereich für Diagnostik und Schulpsychologie, den wir auch verstärkt haben, und den Servicestellen Inklusion. Und, Frau Wegner, weil Sie darauf sehr zu Recht eingegangen sind: Es beginnt schon im frühkindlichen Bereich. Daher bin ich sehr, sehr froh, dass es gelungen ist, dass wir die Sprach-Kitas weiterführen können und jetzt die dafür notwendigen Mittel eben aus dem Landeshaushalt nehmen und die dafür auch aufbringen, weil wir eben vom Bund diese Mittel nicht mehr bekommen. Das ist, glaube ich, ein ganz, ganz wichtiger Punkt. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Kurz und gut, es passiert bereits viel, vor allem geschieht es unter Einbeziehung aller Beteiligten und mit Augenmaß. Ich glaube, das ist ganz entscheidend, denn mehr geht immer, darüber sind wir uns im Klaren. Jeder Euro, der in Bildung und Prävention und Integration investiert wird, ist ein guter und nachhaltig investierter Euro. Die Frage aber ist, inwiefern und an welcher Stelle ein Mehr erforderlich, sinn- und wirkungsvoll ist, um für Schülerinnen und Schüler die Lern- und Entwicklungsbedingungen weiter zu verbessern, aber auch Lehrkräfte und Eltern eben noch stärker zu unterstützen. Wie komplex die Frage von gerechteren Bildungschancen für alle ist, das hat eingangs auch die Ministerin sehr eindrucksvoll dargelegt. Dafür bedarf es in jedem Fall weit, weit mehr, als die multiprofessionellen Teams an den Start zu bringen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
