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Horst Förster

AfD 20.09.2023 Sitzungen 8/63

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sie erinnern sich an das in Kleinmachnow herumstreunende Wildschwein, das als vermeintlicher Löwe für viel Aufregung sorgte. „NDR Info“ berichtete darüber, und zwar in geschlechtergerechter Sprache, indem der Moderator erklärte, dass bei Kleinmachnow normalerweise ja keine „Löwen und Löwinnen“ herumlaufen. Mit unserem Gesetzentwurf wollen wir erreichen, dass das Gendergebot in Paragraf 4 des Gleichstellungsgesetzes gestrichen und dem Genderirrsinn, der inzwischen sogar auf die Tierwelt übertragen wird, ein Ende gesetzt wird. Unsere Sprache ist das, was uns als Deutsche über alle Kleinstaaterei und Teilungen hinweg am meisten zusammengehalten hat. Schon deshalb und weil unsere Muttersprache eines unserer kostbarsten Kulturgüter ist, sollten wir sie achten und pflegen, mit ihr sorgsam umgehen und sie niemals zur Spaltung unseres Volkes benutzen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Wie jede lebende Sprache unterliegt auch die unsrige einem Sprachwandel. Der Sprachwandel ist ein natürlicher Prozess, den niemand infrage stellt. Er ist das Gegenteil eines Sprachdiktats von oben, also einer staatlichen Steuerung, wie wir zu reden haben. Mit der Regelung in Paragraf 4 Absatz 2 des Gleichstellungsgesetzes, wonach in Rechts- und Verwaltungsvorschriften die Gleichstellung von Frauen und Männern auch sprachlich zum Ausdruck kommen soll, wird aber genau dieser Versuch unternommen, denn diese Vorschrift wird als Gebot zum Gendern verstanden. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass unsere Sprache nicht geschlechtergerecht sei und deshalb geändert werden müsse. Als Quelle allen Übels wird das generische Maskulinum gesehen, das immer dann zur Anwendung kommt, wenn es nicht auf das biologische Geschlecht ankommt, wenn beispielsweise von „Einwohnern“, „Radfahrern“, „Zuhörern“, „Antragstellern“ und so weiter die Rede ist. Vertreter einer feministischen Linguistik meinen, das generische Maskulinum wie „Radfahrer“ sei diskriminierend, weil es sich nur auf Männer bezöge und Frauen nur mitgemeint sind. Tatsächlich ist ein „Radfahrer“ jemand, der Rad fährt, mehr nicht. Das generische Maskulinum ist eine geschlechtsneutrale, mehr als tausend Jahre alte, in der Sprache tief verankerte Form der Sprachanwendung, die in Bezug auf das Geschlecht gerade nicht diskriminiert, da alle Angehörigen einer Gruppe völlig unabhängig von ihrem Geschlecht angesprochen werden. Es ist eine geradezu wahnhafte Vorstellung, wenn uns weisgemacht werden soll, dass bei der Benennung von „Arbeitnehmern“, „Lohnempfängern“, „Verkehrsteilnehmern“ oder ähnlichen Gruppenbezeichnungen eine Diskriminierung von Frauen vorliegen soll. Deutschlands Genderideologen sehen das anders und propagieren als Erstes die Paarbezeichnung. Statt „Radfahrer“ soll es also heißen „Radfahrerin und Radfahrer“. Damit wird völlig überflüssig eine Sprachsexualisierung vorgenommen, die es vorher nicht gab. Zudem werden dabei nicht nur Kinder, sondern alle Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig empfinden, also alle Diversen, ausgegrenzt. Wie das die Genderideologen und Träumer von sexueller Vielfalt rechtfertigen wollen, ist mir völlig schleierhaft. Gleichwohl kann die Paarbezeichnung sinnvoll sein, wenn eine Gruppe personifiziert gezielt nach Geschlecht angesprochen werden soll, wie beispielsweise die „Kolleginnen und Kollegen“. Absurd wird es aber, wenn die Paarformel generell angewandt wird, auch dann, wenn der Begriff an sich schon völlig geschlechtsneutral ist, wie beispielsweise „Paketempfänger“, „Verkehrsteilnehmer“ und Ähnliches. Dabei wird im Gesetz selbst nicht konsequent gegendert, denn im ersten Absatz der in Rede stehenden Vorschrift heißt es doch tatsächlich „Zuwendungsempfänger“ statt gendergerecht „Zuwendungsempfängerinnen und Zuwendungsempfänger“. Meine Damen und Herren, spätestens an dieser Stelle müsste doch jedem klar sein, wie irrsinnig verkrampft und unpraktikabel diese totale Durchgenderung ist, wenn sie nicht einmal an der konkreten Regelungsstelle im Gesetz eingehalten wird. Meine Damen und Herren, der Streit ums Gendern offenbart ein Grundübel dieser Republik: Wir schleppen einen Sack voller ungelöster, schwerwiegender Probleme mit uns herum. Und worüber streiten wir? (Zuruf von Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Nicht über Gleichberechtigung, denn hier herrschen nicht die Mullahs des Iran und nicht die Taliban von Afghanistan. Gleichberechtigung von Frau und Mann ist in Deutschland völlig unbestritten, ja, völlig unbestritten eine Selbstverständlichkeit, jedenfalls bei denen, die von der deutschen oder besser europäischen Kultur geprägt sind. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Torsten Koplin, DIE LINKE: Aha! Die Einschränkung ist dann doch gemacht.) Kein Mädchen wird bei der Bildung benachteiligt. Mädchen sind sogar die besseren Schüler. Wir streiten über ein aus reiner Ideologie produziertes, absolut gekünsteltes Sprachproblem, und das gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung. Eine Minderheit hat sich diesem Kreuzzug verschrieben und nimmt in Kauf, dass damit die Gesellschaft gespalten wird. (Daniel Seiffert, DIE LINKE: Den Kreuzzug führen Sie!) Zudem lassen die Genderideologen jeglichen Respekt vor unserer Sprache und ihrem Regelwerk vermissen. (Julian Barlen, SPD: Also „Schülerinnen und Schüler“ hat nichts mit Gendern zu tun.) Das wird deutlich bei dem Missbrauch des Partizips, (Julian Barlen, SPD: Ja, da brauchen Sie nicht abzuwinken.) um die offensichtlich unpraktischen Paarbezeichnungen zu vermeiden. (Julian Barlen, SPD: Sie erzählen einfach am Thema vorbei.) Nur hat das substantivierte Partizip eine andere Bedeutung. Es bringt nämlich nur ein momentanes Handeln zum Ausdruck. Der „Studierende“ ist etwas anderes als der „Student“, genau wie der „Lkw-Fahrende“ etwas anderes ist als der „Lkw-Fahrer“, und der „Pöbelnde“ ist etwas anderes als ein „Pöbler“, Herr Barlen, (Beifall und Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD – Julian Barlen, SPD: Und der „Irrende“ ist etwas anderes als der, der sich irrt.) ein „Denker“ etwas anderes als ein „Denkender“. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Julian Barlen, SPD: Was wollen Sie denn jetzt? – Heiterkeit bei Nadine Julitz, SPD) Tagtäglich kommen neue Partizipien wie „Forschende“, „Mitarbeitende“, „Zuhörende“, „Teilnehmende“, „Zusehende“ und viele mehr als Geschlechtsneutralisierer dazu. Den „demonstrierenden Studierenden“ kann es indessen sprachkorrekt überhaupt nicht geben. (Thore Stein, AfD: Genau.) Meine Damen und Herren, wir befinden uns mitten in einem Kulturkampf. (Julian Barlen, SPD: Ja, den Sie führen.) Auf der einen Seite (Torsten Koplin, DIE LINKE: Den Sie führen.) unsere in über tausend Jahren gewachsene Sprache, (Zuruf von Jan-Phillip Tadsen, AfD) deren Normierung mit der von Luther bei seiner Bibelübersetzung benutzten sächsischen Kultursprache begann. (Julian Barlen, SPD: Sie waren dabei. Oh Mann!) Auf der anderen Seite eine verordnete gekünstelte Amtssprache, (Thore Stein, AfD: Altersdiskriminierung, Herr Barlen!) dieser wird aber auf Dauer kein Erfolg beschieden sein, (Zuruf von Enrico Schult, AfD) dessen bin ich mir sicher. (Enrico Schult, AfD: Meine Güte! – Glocke der Vizepräsidentin) Die von der Landesregierung (Julian Barlen, SPD: Gucken Sie mal Ihren Redner an! Der freut sich.) im Februar beschlossenen Handlungsempfehlungen für eine geschlechtergerechte Sprache zeigen, mit welcher Intensität die Transformation unserer Sprache betrieben wird. Ganze 357 Gesetze und 766 vor dem Inkrafttreten des Gleichstellungsgesetzes in Kraft getretene Verordnungen sollen durchgegendert werden. Dabei wird empfohlen, geschlechtsneutralen Formulierungen den Vorzug vor den Paarformen zu geben. Mit solchen fantasievoll kreierten, teils umständlich formulierten Geschlechtsneutralisierern entsteht so eine neue gekünstelte Amtssprache, die sich von unserer Alltagssprache, von dem, wie die Menschen ganz normal miteinander reden, entfernt. (Zuruf von Daniel Seiffert, DIE LINKE) Der Genderwahn macht auch vor den mit dem generischen Maskulinum zusammengesetzten Wörtern wie „Arbeitervertretung“, „Bürgersteig“ und so weiter keinen Halt. Und so wurde aus einem „Dolmetschergesetz“ gegen alle Vernunft und alle Sprachregeln ein „Dolmetschendengesetz“. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ja, grausam.) Zum Werkzeug der Genderideologen gehören ferner das Gendersternchen, (Zuruf von Stephan J. Reuken, AfD) das Binnen-I und der zweckentfremdete Doppelpunkt und Unterstrich sowie für deren Sprachanwendung die Sprechpause. Das ist weder praktikabel noch akzeptabel, das ist Ideologie und Irrsinn in einem. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf vonseiten der Fraktion der AfD: Genau.) Dieser Umgang mit der eigenen Sprache ist kulturelle Selbstzerstörung und Sprengsatz für eine uns allen gemeine und verbindende Muttersprache, von der ich eingangs sprach. Zudem hat der seit 2004 für den deutschsprachigen Raum für die Rechtschreibung zuständige Rat für deutsche Rechtschreibung die Aufnahme dieser Wortbinnenzeichen in das Regelwerk wiederholt abgelehnt, zuletzt im Juli dieses Jahres. Zudem ist unübersehbar, dass das Gendern in der Praxis schnell an seine Grenzen stößt und oft einfach nicht funktioniert. Denken Sie an den vorgeschriebenen Warnhinweis: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!“ Gendern Sie das mal! Nach einem Referentenentwurf im Gesundheitsministerium soll es künftig heißen: „Fragen Sie Ihre Ärztin oder Arzt oder in der Apotheke!“ Was für ein Irrsinn! (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Julian Barlen, SPD) Meine Damen und Herren, ich bin sicher, dass die meisten, die sich hier für das Gendern einsetzen, zu Hause ganz anders reden und wie die große Mehrheit der Deutschen die Brötchen weiterhin beim „Bäcker“ und nicht beim „Backenden“ kaufen. Das macht Hoffnung. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Werte Abgeordnete, (Julian Barlen, SPD: Und was ist mit der Frau Bäckerin? Gibt es die?) setzen Sie ein Zeichen für die Freiheit, (Zuruf von Enrico Schult, AfD) für den Erhalt unserer Sprache und gegen deren unsägliche Verhunzung durch ideologisch motivierte Sprachdiktate! (Thore Stein, AfD: Ich gehe trotzdem zum Bäcker.) Und liebe sich hinter einer Brandmauer verbiegende CDU-Abgeordnete, wenn Sie uns nicht zustimmen dürfen, folgen Sie einfach Macron, der kurz nach seinem Amtsantritt die in der Verwaltung erzwungene Gendersprache abschaffte, mit der Begründung, Verständlichkeit und Klarheit der Sprache müssen Vorrang haben vor ideologisch gesteuerten Entgleisungen. Nochmals: Verständlichkeit und Klarheit der Sprache müssen Vorrang haben vor ideologisch gesteuerten Entgleisungen! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD und Dr. Eva Maria Schneider-Gärtner, fraktionslos – Enrico Schult, AfD: Jawoll!) Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD und Dr. Eva Maria Schneider-Gärtner, fraktionslos)

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