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Reinhard Meyer

12.07.2023 Sitzungen 8/59

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zweifelsohne ein guter Antrag, weil er beim Handwerk, wir haben ja schon viele Einzelanträge hier in der letzten Zeit zur Behandlung gehabt, weil er doch den Gesamtblick wagt und verschiedene Dinge sozusagen anspricht, die für die weitere Entwicklung im Handwerk, glaube ich, sehr, sehr wichtig sind. Meine Damen und Herren, ich war vor Kurzem bei einer Meisterfeier der Handwerkskammer Schwerin und es ist immer wieder beeindruckend, wenn man sieht, mit welchem Stolz junge Menschen auf die Bühne, in dem Fall des Mecklenburgischen Staatstheaters, kommen und ihren Meisterbrief empfangen, eindeutig zu wenig Frauen in dem Jahrgang, das hat Herr Foerster ja auch schon angesprochen, dass das ein Problem ist. Aber der Stolz, der dahintersteht, auf das eigene Handwerk, auf das eigene Tun und auch das Werben dafür, wirklich eine Karriere im Handwerk zu machen, das sind, glaube ich, Dinge, die wir immer wieder betonen müssen, weil wir es zu wenig tun, nicht nur für die duale Ausbildung zu werben, meine Damen und Herren, sondern auch für das, was das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern als Basis wirtschaftlichen Tuns wirklich darstellt. 19.000 Betriebe, 93.000 Beschäftigte, circa 6.000 Lehrlinge, das sind beeindruckende Zahlen, und deswegen danke ich auch meinem Vorgänger Harry Glawe, dass er zusammen mit den Kammern die Handwerksstudie 2030 in Auftrag gegeben hat, weil wir da noch mal wirklich faktenbasiert beleuchtet haben, wie die Situation ist, nicht nur die Bedeutung des Handwerks, sondern dass wir auch eine Struktur haben, wo wir gucken müssen, wie wir das in Zukunft weiter zukunftsfähig machen können. Wir haben einen hohen Anteil von Ein-Personen-Unternehmen. Wir merken aber auch, dass Handwerksunternehmen sehr resilient sind gegen das Thema Arbeitslosigkeit. Wir haben hohe Überlebensraten, wenn Unternehmen gegründet werden. Aber wir haben auch eine Überalterung der heutigen Betriebsinhaber und Betriebsinhaberinnen. Das ganze Thema Nachfolgezentrale ist deswegen ganz, ganz wichtig und ist auch Bestandteil unserer Gespräche zur Fachkräftestrategie. Wir haben natürlich geringe Betriebsgrößen, aber eben sehr leistungsfähige Unternehmen. Und ich sage noch mal ganz bewusst an der Stelle, ganz, ganz wichtig, weil es ja immer wieder Angriffe, hätte ich beinahe gesagt, in Anführungsstrichen, aus Europa gibt, was das Qualitätsmerkmal des Meisters, der Meisterin angeht, das zu verteidigen, immer wieder hochzuhalten, auch zu erläutern, dass das ja auch für die Kunden ein besonderes Qualitätssignal ist. Deswegen unterstützen wir als Landesregierung die Imagekampagne „Besser ein Meister“ im Bereich des Handwerks. Damit werden auch die ganzen Karrieremöglichkeiten noch mal dargestellt. Wir sind aber auch im Bereich der Ausbildung immer wieder dabei, die überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen zu finanzieren, weil es ja ganz wichtig ist, dass viele Kleinstunternehmen gar nicht in der Lage sind, die gesamte Ausbildung abzubilden. Das muss dann sozusagen überbetrieblich gelöst werden. Wir verbinden das dann auch immer mit Handwerks- und Meisterkampagnen. Aber wenn ich von Werbung spreche, meine Damen und Herren, dann müssen wir früh anfangen, schon in der Schule, eigentlich in der Kita dafür zu werben, was Handwerk bedeutet. Und es gibt ja vielseitige Aktionen, die insbesondere in Verbindung mit Schule heute gemacht werden. Nehmen Sie allein das Projekt „Handwerk macht Schule“. Ganz, ganz wichtig, dass wir in der Schule zeigen, was eine praktische Ausbildung für die Zukunft junger Menschen darstellen kann. Dass man sie dafür interessiert, dass man sie anregt, das sind die entscheidenden Punkte, um für Handwerk zu werben. Und deswegen haben wir im Zukunftsbündnis am 17. Februar auch gemeinsam beschlossen, dass wir das diesjährige Jahr zum Jahr des Praktikums ausrufen, dass die Unternehmen Praktikumsplätze zur Verfügung stellen. Und ich beobachte, dass insbesondere auch im Handwerksbereich das gerne angenommen wird, weil nur durch die Praktika Schülerinnen und Schüler dann auch entsprechend vor Ort sehen können, wie das Ganze funktioniert und ist das was für uns. Zum Schluss, meine Damen und Herren, wir unterstützen natürlich die Meisterfortbildung. Am besten wäre, wenn das Ganze kostenfrei wäre. Wir haben im Bundesrat entsprechenden Anträgen ja zugestimmt – ich hatte das an dieser Stelle schon mal erwähnt –, und wir werden auch die Programme „Meister-Extra“ fortsetzen. Dafür haben wir jetzt mit dem Doppelhaushalt wieder die Voraussetzungen geschaffen, 2.000 Euro pro Absolvent plus 3.000 Euro für die 50 besten Absolventinnen und Absolventen eines Jahrgangs. Und das Gleiche gilt auch für die Meisterprämie. Allerdings wollen wir hier ein bisschen nachlegen, nicht nur die Basisförderung von 7.500 Euro, sondern auch die Möglichkeit geben für weitere 2.500 Euro, wenn mindestens ein Arbeitsplatz oder ein Ausbildungsplatz bei Unternehmensneugründung geführt wird. Letzte Bemerkung, meine Damen und Herren: Bürokratieabbau wird uns an anderen Stellen noch sehr viel interessieren. Und entscheidend ist nicht „One in, One out“, „Double in“, „Three out“ oder was auch immer wir an schönen markigen Sätzen sagen können, sondern wir brauchen Vorschläge, konkrete Vorschläge, und zwar, die auf die Möglichkeiten des Landes bezogen sind, weil das allermeiste ist auf EU-Ebene und Bundesebene. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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