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Dr. Sylva Rahm-Präger

SPD 16.06.2023 Sitzungen 8/57

Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich möchte hier einsteigen in das Thema mit einem Erlebnis. Frau van Baal hat die Situation in den asiatischen oder in Teilen der asiatischen Länder geschildert, und ich hatte 2012 die Gelegenheit, nach China zu reisen mit Doktoranden von der Humboldt-Universität. Und wir sind in dem Radius 50 Kilometer um Peking herum unterwegs gewesen, haben uns dort Landwirtschaft angeschaut, die Ernte und Rinderhaltung oder Milchproduktion. Und mir ist das am Anfang gar nicht so bewusst gewesen, was ich dort eigentlich vermisse. Erst als dann ein Lkw – der sah aus wie ein W50, mit so einer riesen, ich sage jetzt mal, Spritzkanone drauf – durch die Allee gefahren ist und wirklich die Bäume mit einem richtigen Pulver bestäubt hat, habe ich dann mal die Frage gestellt, was sie da überhaupt machen. Und da wurde gesagt, ja, das ist wegen der Insektennester, in der Übersetzung. Und dann fängt man an, mal munter zu werden, und geht dort rum und denkt, hier bewegt sich gar nichts. Man hat nichts gehört, nichts gesehen, kein Insekt, gar nichts, keine Singvögel. Es ist tot 50 Kilometer um diese Stadt herum. Es ist wirklich tot, auch in dieser Stadt. Nicht einer auf diesen großen Teichen, die dort sind. Bei uns würden da Enten sein oder Schwäne oder was auch immer. Dort bewegt sich nichts. Es gibt keine lebenden freilaufenden Tiere dort, zumindest jetzt mehr. Und das ist erschreckend. Und wenn dann eine ganze Gruppe von jungen Chinesinnen und Chinesen aufspringt, nur, weil eine einzige Schnake irgendwo mal zu sehen ist, weil sie dann alle schreiend weglaufen, weil sie das gar nicht mehr einordnen können, dann ist das eigentlich ein Spiegelbild der Gesellschaft, wie sie sich schon entwickelt hat, in Teilen, wo eben nicht gegengesteuert wird. Das ist jetzt gerade mal elf Jahre her. Ich weiß nicht, ob sich schon so viel getan hat dort in eine andere Richtung, aber ich kann mir das eigentlich nicht vorstellen. Vielleicht dann noch ein Wort zum Honig. Das ist ja das Produkt unserer Bienen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ein Produkt!) Der Honig aus China ist ja ein bisschen in der Kritik, und ich würde mal sagen, er ist auch nicht zu Unrecht in der Kritik. Wenn wir unsere Imker unterstützen wollen und wenn wir unsere eigenen Produkte unterstützen wollen, dann sollten wir Honig aus der Region essen, Honig von unserem eigenen Imker um die Ecke beziehen oder wenigstens dann Honig aus Deutschland kaufen, wenn es denn möglich ist, oder europäischen Honig. Der ist wirklich geprüft, und dort sind auch keine Beimischungen drin, während bei dem Honig aus China tatsächlich Bienen nur noch als Produktionsobjekte genutzt werden. Sie bekommen Sirup als Nahrung, und was dann dahinten rauskommt, wird Honig genannt. Es ist aber nicht das, was eine Biene produzieren kann, wenn sie denn Pollen selber sammelt oder wenn sie unterwegs ist. Also wenn alle darauf achten, dann findet diese unsägliche Praxis, hat die dann auch keinen Erfolg. Es fehlen dann auch diesem Honig oder dem, was man Honig nennt – das müsste man eigentlich honigähnlichen Brotaufstrich nennen. Wenn man mal in unserer Kennzeichnungsverordnung bleiben würde, dann dürfte es gar nicht Honig heißen, weil wesentliche Enzyme diesem Produkt fehlen. Also das noch mal kurz zu diesen asiatischen Ländern, weil das lag mir auf der Seele, weil das ist etwas, wo man ja öfter hinguckt und sagt, Mensch, die sind so weit in allem und die sind in der Entwicklung so weit, aber sie sind halt in anderen Bereichen wirklich viel zu weit und haben schon viel zu viel zerstört. Und der Weg zurück ist sehr mühselig, wenn er denn überhaupt geht. Und was wir noch gesehen haben dort, wir wurden dann mit viel Stolz in eine Plantage gebracht, wo Birnen produziert werden. Diese Birnen werden jede Birne einzeln eingehüllt, damit sie dann das Gesicht einer Gottheit bekommen. Also wenn die Birne wächst, drückt sich diese dort rein. Und uns wurde dann der Film gezeigt, weil wir waren zur Erntezeit dort, wie die Bestäubung passiert. Und das ist genau das, was Sie gesagt haben, Frau van Baal. Die Leute sind in Vollanzügen. Die jungen Chinesinnen und Chinesen sind dort in Vollanzügen, voll weiß gekleidet. Also wie unter extremen Bedingungen (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Corona-Bedingungen.) sind die dort mit ihren Pinseln wirklich von Blüte zu Blüte und haben diese Blüten bestäubt. Also ich muss noch mal ganz kurz auf den Beitrag von Herrn Dr. Terpe eingehen, weil Sie haben das beschrieben, in Amerika, und das ist, finde ich, auch sehr gut beschrieben gewesen. Ich muss mal sagen, ich lese gern Romane, den Roman von Maja Lunde, den haben vielleicht auch einige gelesen. Er war sehr beeindruckend, weil er hat eigentlich genau das, was passiert, wenn wir es übertreiben, wenn wir von allem zu viel haben wollen, wenn wir nicht genug kriegen können, wenn wir unsere eigenen Grenzen nicht erkennen, was dann eben passiert. Ich habe gesagt, wenn es unseren Wildbienen gut geht, dann geht es auch den Honigbienen gut. Das wäre eigentlich mein Petitum zu diesem wunderbaren, ich sage mal, Antrag für eine Aussprache oder zu diesem wunderbaren Thema für eine Aussprache, weil ganz vieles hier schon gesagt wurde an dieser Stelle. Ich will das gar nicht alles wiederholen, aber Wildbienen sind halt die gefährdeteren Arten. Also wir haben viele Lebensräume, die sie normalerweise hätten, die nehmen wir ihnen. Die Bautätigkeit wurde hier schon genannt, mit modernen Baustoffen, die Wildbienen überhaupt keine Möglichkeit mehr geben, dort zu nisten. Aber was wir noch haben, sind zum Beispiel die Schilfdächer. Und es ist wirklich schön, wenn wir bei uns im Norden das schaffen, diese Schilfdächer, sie sind wirklich Insektenhotels. Also ich brauche bei mir im Garten kein Insektenhotel aufzustellen, weil ich habe ein Schilfdach, und ich sehe, was da alles reingeht und rausgeht. Das ist enorm. Aber man muss auch Aufklärungsarbeit leisten, weil viele Gästehäuser haben Schilfdächer, und die Gäste aus den Großstädten sind es nicht gewöhnt, dass aus dem Dach auf einmal Bienen oder Hornissen oder was auch immer kommen, (Thore Stein, AfD: Aber GRÜNE wählen wahrscheinlich.) und sind völlig konsterniert darüber und möchten, dass das beseitigt wird. Und das sind auch unsere Aufgaben, dass wir dort Aufklärungsarbeit leisten und sagen Nein, das ist genau deswegen. Deswegen haben wir dieses Schilfdach, weil es sozusagen ein Insektenhotel ist, ein natürliches, und wir doppelte Funktion haben. Aber gut, okay, wir können keine Solaranlage draufbringen. Das ist vielleicht der einzige Nachteil jetzt. Weiterhin muss ich sagen, für die Wildbienen sind unsere Kliffkanten wichtig. Also Wildbienen sind so, wenn man sich ein bisschen beliest über die – das habe ich natürlich jetzt getan, wo es um dieses Thema ging, ich habe weniger über die Honigbiene gelesen, weil das ist nicht ganz so kompliziert –, aber die Wildbienen sind so speziell in ihren Arten. (Thore Stein, AfD: Wie viele Arten gibt es denn?) Bei uns in Deutschland gibt es 560 Arten, (Thore Stein, AfD: Und weltweit?) weltweit ungefähr 30.000 Arten, wird zumindest geschrieben. (Thore Stein, AfD: Das sagt der Minister aber anders. – Zuruf von Marcel Falk, SPD) Ob das stimmt, das weiß ich nicht. (Thore Stein, AfD: Der Minister schüttelt mit dem Kopf. – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Der hat eine sehr eingeschränkte Sicht.) Das kann ich jetzt auch nicht unbedingt nachschauen, (Thore Stein, AfD: Das hat der Referent nicht reingeschrieben.) aber das sind, wie gesagt, 560 Wildbienenarten bei uns in Deutschland. (Zuruf von Marcel Falk, SPD) Das ist auch schon viel und die sind sehr spezialisiert. Sie haben auch nur einen Radius von einem Kilometer. Das muss man auch wissen. Unsere Honigbiene ist größer, die ist flugtauglicher, das würde ich jetzt mal so sagen. Die kann zehn Kilometer anfliegen und hat deswegen einen ganz anderen Radius, um sich zu bewegen und auch dann nach Nahrungsquellen zu suchen. Und im Prinzip, einige Arten oder einige Gemüsearten brauchen die Wildbiene. Die kommen nicht mit der Honigbiene klar. Also wir haben auch wirklich Gemüsearten und Bienenarten, die sich so in Symbiose zusammengefunden haben, dass es zum Beispiel keinen Brokkoli oder keinen Blumenkohl geben würde, wenn wir keine Wildbienen hätten, weil das gar nicht funktioniert. Oder wir müssten mit der Hand bestäuben, weil das die Honigbiene eben nicht leisten kann. Also auch das muss man im Blick behalten, dass sozusagen die Honigbiene den großen Teil der Bestäubung leistet, aber auch nicht alles leisten kann. Vielleicht noch ein ganz kleines Wort zur Baumwolle: Ich möchte das hier nur sagen, weil natürlich viele die Kleidung aus Baumwolle tragen. Ich möchte hier nicht alles wiederholen, was schon gesagt wurde. Es ist sehr viel gesagt worden, aber die Baumwolle liegt mir noch am Herzen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Über Baumwolle haben wir noch nicht geredet.) Baumwolle wird auch durch Bienen bestäubt, und man kann da tatsächlich helfen, wenn man die Baumwolle aus Biobaumwolle kauft. Weil Baumwolle ist tatsächlich wirklich eine ganz schwierige Monokultur. Und den Bienen wird kein Gefallen getan dort, (Beifall Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) wenn sie in diese, ich sage mal, schwierige Monokultur reingestellt werden, wie es hier teilweise ja auch schon genannt wurde. Die Wildbiene hat auch noch ein Problem. Von ihr bleiben, von einer Biene bleiben vielleicht nur zehn weibliche Nachkommen. Also sie legt vielleicht 80 Eier, aber es bleibt nicht sehr viel übrig davon, weil andere Insekten natürlich das als Nahrungsquelle nutzen, die Vögel auch. Unsere Honigbiene ist da wesentlich geschützter, und wir haben einen großen Einfluss darauf, dass es ihr gut gehen kann, und wir können sie gut ernähren. Also wenn wir die Wildbienen schützen, schützen wir auch unsere Honigbienen. Es gibt dazu sehr viel, was man hier noch vortragen könnte. Ich möchte das gar nicht alles machen, was ich mir da aufgeschrieben habe hier auf diesen Zettel. Vielleicht noch ganz kurz nur ein Wort: In der 6. Legislatur, das fand ich ganz interessant, wurde die Initiative für den Bienenweidekatalog hier gestartet, auf Initiative von Thomas Krüger und unserem Minister. Das hat sich wirklich gut etabliert, dieser Bienenweidekatalog, und letztendlich kann jeder etwas dafür tun. Für unsere Bienen möchte ich das nur nennen, das sind die Kleingärtner, die etwas dafür tun können. Wir könnten bei Zwischenfrüchten, Blühstreifen, Hecken die Fruchtfolge einhalten, Leguminosen einbauen, Erbsenkleegemische. Der Biotopverbund ist genannt worden, ist ganz wichtig. Manchmal lohnt es sich nicht, eine Bienenweide anzulegen mitten in einer Agrarstruktur, wo ich links und rechts Weizen und Gerste habe. Dann brauche ich die Bienenweide dazwischen gar nicht anzulegen, weil ich werde feststellen, dass die fast von keiner einzigen Biene angeflogen wird. Also ich muss das im Verbund organisieren, und das ist auch unsere Aufgabe, darauf zu achten, dass wir diese Gelder, die dann für Bienenweiden ausgegeben werden, nur dort ausgeben, wo wirklich der Verbund hergestellt ist und es wirklich den Tieren nützt. Auf der Zuchtstation der Greifswalder Oie, muss ich mal sagen, würde ich gerne mal arbeiten. Ich habe mir die mal angeguckt, dort zehn Kilometer vor Rügens Küste. Man hat einen wunderbaren Blick auf die Insel und kann was Nützliches leisten. Also das wäre mal ganz toll. – Danke für das Thema! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und Sandy van Baal, FDP)

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