Dirk Bruhn
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es war ja schön zu erfahren vom Minister, dass er auch Imker ist und sanfte Bienen hat. Meine Eltern waren früher auch Imker, aber die hatten Bienen, wenn man die gehört hat, war es schon zu spät. Die FDP gibt uns heute die Gelegenheit, über das Thema „Bienen und ihre Züchter“ zu reden, unter dem Sachverhalt noch der Umwelt und Bienen. Ich möchte mit dem Thema „Bienen und ihre Züchter“ beginnen. Aktuell halten wir in M-V 25.000 bis 30.000 Bienenvölker von 2.500 Imkern. In den 90er-Jahren gab es einen dramatischen Rückgang der Völker, begründet damit, dass der bis dato sehr begehrte Honig – da war man froh, dass man das bekommen hat – durch billige Produkte aus der EU ersetzt worden ist. Daher freut es mich, dass die Zahl der Imker und Bienenvölker wieder steigt. Hierzulande sind die Hauptsorten Raps und Linde, qualitativ meist sehr hochwertig. Honigbienen sind ebenso wie die Wildbienen und andere Wildinsekten als Blütenbestäuber ein unverzichtbarer Teil des funktionierenden Ökosystems. Mehr als drei Viertel unserer Pflanzenwelt, darunter Nutzpflanzen wie Obst, Gemüse oder Raps, sind auf die Insektenbestäubung angewiesen. Insekten und eben auch die Honigbiene unterstützen mit ihrer Bestäubung Wachstum und Fortbestand von Pflanzen, die Mensch und Tier als Nahrungsgrundlage dienen. In M-V haben wir mit dem Landesimkerverband einen Verein, der es sich in seiner Satzung zur Aufgabe gemacht hat, die Bienenhaltung und Bienenzucht zu fördern und zu verbreiten, damit durch die Bestäubung der Honigbiene eine artenreiche Natur erhalten bleibt und dadurch die Ziele des Umweltschutzes gefördert werden. Der Landesimkerverband besteht aus ungefähr 1.800 Mitgliedern, in 74 Ortsvereinen organisiert. Daneben gibt es aber auch einige Imker, die im Land nicht Vereinsmitglied sind. Die Imkerei hat sich zunehmend als Hobby für junge Menschen und Menschen im Ruhestand entwickelt. Und dann haben wir in M-V noch eine Perle der Imkerei, das Bienenzentrum Bantin, ein vom Land M-V institutionell geförderter Betrieb des Landesverbandes. Im Zentrum der Arbeit stehen dort die Honigbienenzucht, imkerliche Weiterbildung und eine aus meiner Sicht tolle Öffentlichkeitsarbeit. Das Bienenzentrum widmet sich der Bienenzucht, speziell auch der Varroatoleranzzucht und der Königinnenzucht, um dem Ausfall der Honigbienen durch den Befall mit der Varroamilbe effektiv entgegenzuwirken. Es werden dort aber auch echte Bildungsleistungen erbracht. Die Weiterentwicklung der Bienenkunde als Schwerpunkt der schulischen Bildung für Kitas, Schulen sowie unter Beteiligung der Hochschule Neubrandenburg, der Universität Rostock und der Fachschule Güstrow mit deren Studenten ist Inhalt der Arbeit. Es gibt dort aber auch für Nichtimker viel Interessantes über Honig und Wildbienen zu entdecken. Mit über 2.000 verkauften Bienenvölkern ist das Bienenzentrum über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Wer sich das einmal anschauen will, hat dazu unter anderem beim nächsten Treffen am nächsten Tag der offenen Tür am 5. August dieses Jahres die Gelegenheit. Die institutionelle Förderung des Landesbienenzuchtzentrums, das sich mit dem Ausbau und der Sanierung 2020 zum Apineum weiterentwickelt hat, steht für mich und meine Fraktion außer Frage, das unterstützen wir voll. Es ist vonseiten des Landes aber nicht bei der Förderung stehen geblieben. Nahezu alle aktuellen Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen in M-V leisten einen Beitrag für die Imkerei beziehungsweise für die Wildbienen und Insekten, indem der Anbau von grünen Haupt- und Zwischenfrüchten, die extensive Bewirtschaftung, späte Saatzeitpunkte unter Verzicht auf Pflanzenschutzmittel gefördert werden. Blühstreifen und Blühflächen als Bienenweiden tun ihr Übriges. Daneben gewährt das Land auch Mittel aus dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft und als Landeszuwendung für Maßnahmen zur Unterstützung der Bienenzucht und Bienenhaltung. Insbesondere betrifft das Investitionen zur Verbesserung der Bienenhaltung, Gesundheit und Zucht, der Gewinnung und Herstellung von Bienenzuchterzeugnissen, für die Verbesserung des Arbeits- und Mutterschutzes und die Beschaffung von technischen Hilfsmitteln für die Imkerinnen und Imker und Imkervereinigung. Die entsprechenden Förderrichtlinien finden Sie über die Webseite lallf@zuwendung-landesforschungsanstalt. Im Jahr 2018 hat das Land den Bienenweidekatalog M-V „Verbesserung der Bienenweide und des Artenreichtums“ veröffentlicht. Es gibt kaum etwas Besseres für Imker, Landwirte, Forstwirte, Jäger, Waldbesitzer, um sich schlauzumachen, was man für die Honigbienen, wildlebende Bestäuber und andere Insekten tun kann und wie es mit einer eventuellen Förderung aussieht. Ich will auch nicht die Streuobstwiesen vergessen, eine weitere Initiative des Landes M-V. Und jetzt noch mal zur Honigbiene: Insgesamt ist die Situation von Insekten in unserem Land prekär. In den letzten Jahren muss man einen dramatischen Rückgang der Biomasse von Insekten verzeichnen. Dafür gibt es viele Ursachen, vom Klimawandel über die Luftverschmutzung und Schadstoffemissionen bis zu Steingartenwüsten in Wohnsiedlungen. Hauptursache für mich ist aber aus meiner Sicht die Art und Weise, wie man heute in unserem Bundesland Landwirtschaft betreibt. Die Regierungsfraktionen von SPD und LINKE haben sich viel vorgenommen, hier entgegenzusteuern und ein insektenfreundliches Bundesland zu entwickeln. Einiges haben sie auf den Weg gebracht, anderes wird folgen. Ich betone aber zum wiederholten Mal: Ein Umbau der Landwirtschaft hin zu einem nachhaltigen und ökologischen Wirtschaften wird es nur gemeinsam mit den Landwirten geben, niemals gegen sie. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Sandy van Baal, FDP)
