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Anne Shepley

GRÜNE 15.06.2023 Sitzungen 8/56

Ja, vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren, zunächst einmal vielen Dank für diese lebhafte Debatte! Ich hatte mir das erhofft. Ich finde, das wird diesem Thema gerecht, dass wir uns hier ausführlich damit auseinandersetzen. Und wenn ich ehrlich bin, weiß ich ob meiner vielen Notizen jetzt gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Ich möchte vielleicht mal mit einer Klarstellung anfangen. Frau Rösler, Sie haben davon gesprochen, dass man das Bildungsangebot sozusagen in Kindertagespflegestellen nicht gleichsetzen kann mit dem, was in der Krippe geboten wird, aufgrund der Tatsache, dass die Qualifikationen, die man braucht, (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Das habe ich nicht gesagt.) um eine Kindertagespflegestelle zu eröffnen oder sie zu führen, nicht so hoch sind, (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Ich habe über die Qualifizierung gesprochen.) weil man eben keine Erzieher/-innenausbildung braucht. Da haben Sie natürlich recht, und ich möchte aber, (Zuruf von Jeannine Rösler, DIE LINKE) ich möchte aber darauf hinweisen, dass dieser Antrag nichts damit zu tun hat, welche Voraussetzungen brauche ich, um Kindertagespflegeperson zu werden, und welche brauche ich nicht. Er wollte auch nicht vergleichen, er hat lediglich gefordert, dass, wenn ich eine Kindertagespflegeperson bin, ich so weit auskömmlich finanziert bin, dass ich nicht unter dem Mindestlohn verdiene. (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Das ist doch gar nicht die Frage!) Und das ist doch wohl ein Ziel, was wir uns alle hier setzen können. (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Ja, richtig!) Nein, aber Sie sagen ja, dass es im Grunde, Sie haben, Sie haben im Grunde den Respekt, den wir alle haben sollten vor diesem Berufsbild und vor der Arbeit, die dort geleistet wird … Sie stellen sich hier vorne hin, und Sie sagen, na ja, das sind ja nur 300 Praxisstunden, die anderen waren ja vier Jahre in der Schule. (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Das habe ich nicht gesagt.) Sie haben das so verglichen, und das ist nicht in Ordnung, (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Ich habe den Unterschied deutlich gemacht der Qualifizierung.) weil Sie ganz genau wissen, dass auch Kindertagespflegepersonen viele Qualifikationen, viele Weiterbildungen machen müssen. (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Ja.) Fragen Sie mal, wie schwierig es ist, neben den Stunden, die die alle arbeiten, überhaupt die Weiterbildung zu besuchen, (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Das habe ich nicht in Abrede gestellt.) geschweige denn, sie zu finanzieren! Aber in Ihrem Redebeitrag (Zuruf von Jeannine Rösler, DIE LINKE) ist wirklich rausgekommen, was Sie über diese Menschen denken, (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) und das finde ich nicht in Ordnung. (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Ich habe nichts bewertet.) Ich möchte weiter, ich möchte weitermachen. Mir ist nur wichtig, dass Sie den Antrag auch richtig verstanden haben. (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Den habe ich verstanden.) Es ging mir nicht ums Fachkräftegebot. Es ging mir nicht darum, dass die alle Erzieherinnen werden sollen. Sie sollten wirklich mal zu einem Verband hingehen und sich das mal anhören, und Sie sollten auch mal gucken … (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Ja, da war ich. Stellen Sie sich vor, ich bin auch im Kreistag und beschäftige mich damit auch, mit dem Thema.) Das könnten wir vielleicht auch mal abfragen. Die Zahlen haben Sie ja sicherlich nicht, wie viele Kindertagespflegepersonen eigentlich Erzieherinnen sind, die nämlich die Krippe und die Kita verlassen haben aufgrund der Arbeitsbedingungen dort. Da gibt es nämlich auch sehr viele. (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Es gibt ganz unterschiedliche Motivationen.) Da müssten Sie sich vielleicht mal informieren. So, jetzt möchte ich aber zu den Ausführungen unserer Ministerin Oldenburg kommen. Sie haben ja erwähnt, und das finde ich auch überhaupt gar nicht verkehrt, dass in der vierten Novelle KiföG es Veränderungen für die Kindertagespflegepersonen geben wird. Und ich habe auch überhaupt nichts dagegen, dass wir das jetzt flexibler gestalten, dass wir sagen, liebe Kindertagespflegepersonen, wenn ihr jetzt sechs Kinder nehmen wollt anstatt fünf, dann macht das doch bitte. Das ist alles super. Aber diese Schritte, die Sie hier aufgeschrieben haben – von fünf auf sechs Kinderbetreuung, bis zu drei Kindertagespflegepersonen können sich zusammenschließen –, dann haben wir wieder Gruppen, die größer sind. Dann habe ich quasi den gleichen Schlüssel wie in der Krippe. Ich habe dann größere Gruppen, und dann sagen Sie noch, he, und die können auch in der Kita arbeiten, das ist ja super. Dann brauche ich auch am Ende keine Kindertagespflege mehr, (Enrico Schult, AfD: Darauf läuft es doch hinaus.) weil die gesamten Alleinstellungsmerkmale, weswegen ich vielleicht mein Kind (Zuruf von Torsten Renz, CDU) in eine kleinere Gruppe in der Häuslichkeit bringe, die sind dann nämlich weg. (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Und das zeigt dann auch, und da kann ich mich nur dem Kollegen Renz anschließen, das zeigt dann genau auch, wo Sie hinwollen mit der Kindertagespflege, nämlich in die Krippe und in die Kita. (Enrico Schult, AfD: Sehr richtig!) Und genau da wollen wir nicht hin. Wir wollen nämlich die Vielfalt, und wir wollen, dass diese Wahlmöglichkeit weiterhin besteht. Und ich muss, (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP) und ich muss wirklich sagen, dass Sie dann hier mit so einem Satz schließen, wie, das Land wird dann da tätig, wo es auch tatsächlich zuständig ist, da muss ich sagen, wofür fühlen Sie sich denn zuständig?! Sie fühlen sich nicht zuständig für den Mindestlohn in dem Bereich, Sie fühlen sich nicht zuständig für gleichwertige Bezahlung im ganzen Bereich! (Torsten Renz, CDU: Herr Barlen dreht sich sogar schon weg, wenn er „Mindestlohn“ hört.) Es ist Ihnen total wumpe, ob in Demmin mehr bezahlt wird als in Güstrow. Das passiert dann auch alles nicht mehr. Sie sind nicht zuständig. Sie sagen dann, oh, dann machen wir einen Landesrahmenvertrag, (Unruhe bei Julian Barlen, SPD, und Torsten Renz, CDU) aber bitte nur mit dem Landesverband und den Kommunen. Da ist die Landesregierung dann wieder raus. Nee, da machen wir nicht mit! (Zuruf von Jeannine Rösler, DIE LINKE) Wo ist hier bitte, wo ist hier bitte die Verantwortungsübernahme für dieses Berufsbild?! Wie können Sie sich hier hinstellen und einfach sagen, ja, Mensch, die sind alle zu alt, da sind jetzt auch keine Kinder mehr, dann gibt es das wohl bald nicht mehr, das Berufsbild, das ist dann halt so, das ist, da können wir nichts machen?! Aber Sie haben nicht mit einem Wort, Frau Oldenburg, erwähnt, woran es liegt, (Torsten Renz, CDU: Richtig!) dass die alle alt sind, dann in Rente gehen und keine Neuen nachkommen. Woran liegt das denn?! (Zuruf von Tilo Gundlack, SPD) Das liegt doch nicht an den fehlenden Kindern. (Ministerin Simone Oldenburg: Na selbstverständlich!) Das ist doch Quatsch! Das tut mir leid. Nein, das ist nicht das, was passiert. Insofern, es tut mir leid, ich bin gerade sehr aufgeregt über dieses Ganze, (Ministerin Simone Oldenburg: Ja, und sehr durcheinander.) sozusagen über das Abwälzen der Verantwortung, was hier immer wieder passiert. Ich möchte Frau Enseleit danken, um mal auf eine positive Note zu kommen, dass Sie die Selbstständigkeit noch mal erwähnt haben. Das ist nämlich in der Tat ein ganz, ganz großes Problem, was auch den Beruf selber noch mal, mit dem entsprechenden Papierkrieg, und so weiter, noch mal sehr viel anstrengender und schwieriger macht. Ich möchte hier aber erwähnen, und das gehört vielleicht auch ein bisschen dazu – das haben zum Beispiel Sie, Frau Oldenburg, oder auch niemand von der Koalitionsfraktion erwähnt –, es gibt zum Beispiel auch Modelle, Tageseltern fest anzustellen bei den Kommunen. Das passiert gerade in Nordwestmecklenburg in Springertätigkeiten, damit eben auch Krankheit, Urlaub und so weiter abgedeckt werden können. Das sind alles keine unmachbaren Sachen in dem Berufsbereich. Sie tun so, als wäre das alles was, das es nur in der Krippe gibt. Das stimmt nicht, die Modelle sind da. Und ich bitte Sie, sich da einfach mal umzuschauen und ein bisschen den Horizont zu öffnen in die Richtung. Des Weiteren habe ich wahrgenommen, ja, dass die Kollegen Renz und Enseleit sich sehr wohl für Vielfalt und auch das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern hier starkmachen können. Ich möchte noch mal betonen, dass ich es wirklich sehr, sehr schätze, dass die Tagespflegepersonen, die wir im Moment noch haben in diesem Land und die ja weiter, ja, vor sehr, sehr schwierigen Herausforderungen stehen, dass ich den auch noch mal meinen Dank aussprechen möchte, dass ich weiß, wie schwer das jeden Tag sein kann. Und ich möchte schließen mit einem Zitat von einer Tagesmutter, was ich heute Morgen bekommen habe. Und die hat sich dafür bedankt, dass wir diesen Antrag heute stellen. Und sie hat geschrieben, das ist selbstverständlich, dass sie sich bedankt. „Es geht doch um unsere Arbeit. Ich bin Erzieherin und arbeite jetzt als Kindertagespflegeperson. Wir setzen unseren Bildungsauftrag auch um. In unseren kleinen Gruppen U3 kann es manchmal sogar intensiver umgesetzt werden. Deshalb ist Kindertagespflege nicht weniger wert als die Betreuung in einer großen Kinderkrippeneinrichtung.“ (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Sabine Enseleit, FDP) Das ist eine Stimme aus der Praxis. Das ist ihr Applaus! Insofern danke ich Ihnen für die Debatte, und ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Kolleg/-innen der Koalitionsfraktionen zumindest zu einer Überweisung in den Ausschuss hinreißen lassen können, (Sebastian Ehlers, CDU: Das wird ja wohl möglich sein, oder?!) dass wir eventuell die zarte Pflanze eines Ansatzes des Landesrahmenvertrages noch mal besprechen können, denn ich sehe hier auch die Landesregierung mindestens in diesem Punkt in der Pflicht, so etwas auch zu initiieren, und nicht zu sagen, wenn ihr das selber nicht hinkriegt mit eurer kleinen Lobby, dann habt ihr Pech gehabt. Das reicht mir nicht. Und insofern möchte ich, dass die Kindertagespflege in diesem Land gestärkt wird und nicht weiter ignoriert wird oder einfach an die Krippe angepasst. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

Alle Reden von Anne Shepley Protokoll ↗