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Jeannine Rösler

Die Linke 14.06.2023 Sitzungen 8/55

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ernährung, Wasser, Energie, Mobilität und Verkehr, Bauen und Wohnen, Produktion und Konsum, Globalisierung, Kultur, Menschenrechte, Migration, Ökosysteme und Artenvielfalt, das Klima und sein Wandel, all das und noch viel mehr Themen, die die Menschheit und ihre Zukunft betreffen, sind Gegenstände, die unter dem Dach der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu fassen sind. Gerade die Letztgenannten spielen eine große, ja, elementare Rolle, die über die Existenz der Menschheit entscheiden wird. Der Formulierung „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, kurz BNE, liegt der Gedanke zugrunde, dass jede und jeder Einzelne die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt verstehen und einordnen sowie auf ihrer Grundlage verantwortungsvolle Entscheidungen treffen kann. Wissen um nachhaltige Entwicklung ist zwingende Voraussetzung, sich den Herausforderungen, wie Artenverlust, Klimakrise und globale Gerechtigkeit, erfolgreich stellen zu können. Seit der Internationalen Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro ist nachhaltige Entwicklung Leitbild internationaler und nationaler Umweltpolitik geworden. Damit ist auch die Verpflichtung verknüpft, die Prinzipien der Nachhaltigkeit in den nationalen Bildungssystemen festzuschreiben. Meine Damen und Herren, schauen wir mal auf die Seite des Umweltbundesamtes, (Marc Reinhardt, CDU: Das machen wir.) um uns über die zu erwartenden Klimaveränderungen bis 2100 zu erkundigen, dann bekommt man erst mal einen Schreck, zum einen, weil der Seiteninhalt das letzte Mal am 28. November 2014 aktualisiert wurde, zum anderen, weil lediglich 926 User den Inhalt als hilfreich bewertet haben. Ich will das an dieser Stelle gar nicht weiter kommentieren, das spricht für sich. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Quellen, die eine deutliche Sprache sprechen und schonungslos aufzeigen, womit die Menschheit sich bis Anfang des nächsten Jahrhunderts auseinanderzusetzen hat und was uns, unseren Kindern, unseren Enkeln und allen, die nach uns kommen, droht, wenn es nicht gelingt, den Klimawandel einzuhegen und die Katastrophe abzumildern. Doch auch weitere Themen gehören unbedingt zur BNE: gegenwärtige und künftige Fluchtbewegungen und deren Ursachen, schwindende Ressourcen und damit verbundene Verteilungskämpfe, die rasante Entwicklung von KI und ihre sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen. Man kann es drehen und wenden, wie man will, eine Abmilderung oder gar eine Wende im Sinne einer nachhaltigen, ressourcenschonenden und respektvollen Entwicklung ist nur möglich, wenn sich das Bewusstsein ändert, wissenschaftliche Fakten ernst genommen werden und daraus konkrete Handlungen folgen. Und hierbei spielt die Bildung als Voraussetzung für das Verständnis von Prozessen eine ganz grundlegende Rolle. Mit Bildung in diesem Sinne können wir deshalb nicht früh genug beginnen. Und daher wollen wir prioritär die frühkindliche Bildung, die Schule sowie die berufliche Schule in den Fokus nehmen, um eben einen Masterplan BNE zu erarbeiten. Dieser Masterplan – das ist schon erläutert worden – soll möglichst breit getragen werden, und daher sind eben auch zahlreiche Akteure einzubinden, etwa die Landesarbeitsgruppe BNE „Jugend im Landtag“ und die Enquete-Kommission „Jung sein in MV“ mit dem Beteiligungsprozess #mitmischenMV. Als Orientierung soll dabei der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung dienen und die Anschlussfähigkeit des Masterplans an das UNESCO-Programm gewährleistet werden. Es ist unbedingt erforderlich, die Erarbeitung des Masterplans auf viele Schultern zu verteilen und jedem Handlungsfeld eine Arbeitsgruppe zuzuordnen. Damit diese Arbeitsgruppen handlungsfähig sind, wollen wir sie mit einem angemessenen Budget ausstatten. Für die Koordinierung der Arbeitsgruppen und des Masterplans brauchen wir auch personelle Ressourcen. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Meine Damen und Herren, nachhaltige Entwicklung als Bildungsziel kann und darf nicht in Kita, Schule und Berufsschule haltmachen. Sie ist vielmehr eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch in der Erwachsenenbildung ihren Platz finden muss. Heute ist jedoch entscheidend, dass wir diesen Masterplan auf den Weg bringen. Und in Richtung Herrn Schult möchte ich Folgendes sagen: Wie so oft lesen Sie keine Zeitung, hören hier im Landtag einfach nicht zu, ansonsten wüssten Sie, dass es einen Masterplan zur Lehrkräftegewinnung gibt, im Übrigen auch einen Masterplan für basale Kompetenzen. Einfach mal zuhören! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD)

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