Daniel Seiffert
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der hier vorliegende Antrag hat zum Ziel, eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung des Landes weiter in den Fokus zu rücken. Das große Biomassepotenzial, über das Mecklenburg-Vorpommern verfügt, ist noch stärker als bisher als wirtschaftliches Pfund zu nutzen und zu fördern. Mit der Erstellung einer Bioökonomiestrategie soll Mecklenburg-Vorpommern anderen Bundesländern folgen, die eine solche Strategie bereits entwickelt haben. Das impliziert auch, Forschung und Entwicklung sowie Förderung stärker strategisch darauf auszurichten, die Bioökonomie voranzubringen. Und Mecklenburg-Vorpommern fängt bei der Bioökonomie und einer Strategie dazu keinesfalls bei null an. Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Wirtschaft befassen sich bereits mit der Nutzung regionaler nachwachsender Rohstoffe, sie sind branchenübergreifend und länderübergreifend vernetzt. Schon heute verfügt die Bioökonomie über eine Vielzahl innovativer Verarbeitungstechnologien, mit denen diverse biobasierte Rohstoffe in hochwertige Nahrungs- und Futtermittel, Chemikalien, Baustoffe, Konsumgüter oder Kraftstoffe umgewandelt werden können. Vereinfacht ausgedrückt sollen nachwachsende Rohstoffe, wie etwa Ackerfrüchte, Schilf oder Algen, zu neuen hochwertigen Produkten veredelt werden. Die stoffliche Verwertung von Roh- und Reststoffen soll bis auf die letzte Kalorie erfolgen, und das alles in regionalen Wertstoffkreisläufen mit neuen technologischen Verfahren. Jetzt geht es zunehmend darum, Forschungsergebnisse und in Einzelproduktion hergestellte Produkte in die wirtschaftliche Massenproduktion überführen zu können. Da besteht in Mecklenburg-Vorpommern noch Nachholbedarf. Für meine Kollegin Dr. Sylva Rahm-Präger – das hat sie mit ihrer Einbringungsrede deutlich gemacht – ist dieses Thema eine Herzensangelegenheit. Und so nutzten wir in einer gemeinsamen Arbeitskreissitzung von SPD und LINKE die Chance, uns intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und für das bessere Verständnis, was die Bioökonomie eigentlich ist, möchte ich gern einige Beispiele also vorbringen, die uns dort vorgestellt wurden. So ist zum Beispiel die Störtebeker Brauerei in Stralsund an einem Projekt beteiligt, bei dem es um die Verwertung von Biertreber geht. Biertreber ist ein Reststoff aus der Bierproduktion, und dieser soll in diesem Projekt für die Pilzverwertung genutzt werden. Der Biertreber gilt dort, soll dort als Pilzsubstrat genutzt werden, aus dem dann Pilze wachsen. Mit der Bewertung dieses Reststoffes soll ein zunehmend geschlossener Kreislauf entstehen, denn aktuell geht der Treber als Tierfutter in die Tierhaltung. Das will man ändern. Und über die Pilzfermentation entsteht eine proteinhaltige Pilzmasse, die entwässert wird und als Extrakt für die Lebensmittelproduktion bereitsteht. Aktuell läuft dort ein dreijähriges Forschungsprojekt, und da steckt ganz viel Potenzial drin. Dann geht von diesen fast 90 Prozent Proteingehalt, geht im Verwertungsprozess fast nichts verloren. Und wenn man sich überlegt, dass eine Brauerei wie in Stralsund täglich zwei bis drei Sattelzüge mit Biertreber verlassen, manche Großbrauereien sogar 15 Sattelzüge pro Tag, kann man sich vorstellen, wie viel Potenzial dahintersteckt. Und wenn man dann auch noch bedenkt, dass für die Bierherstellung hochwertiges Getreide verwendet wird, wie viel Wert da noch drinsteckt und das bisher einfach nur als Tierfutter endet, das ist eine, ja, man will schon fast sagen, Verschwendung. 3 Ein weiteres Beispiel ist das Bioökonomiebündnis Plant , das sich zum Ziel gesetzt hat, in strukturschwachen Regionen, wie etwa hier in Mecklenburg-Vorpommern, die Wertschöpfung zu steigern. Daran sind beteiligt unter anderem die Uni Greifswald, die WITENO GmbH – oder waren beteiligt –, die Wirtschaftsfördergesellschaft in Vorpommern-Greifswald oder die Enzymicals AG. Weitere Partner aus Wirtschaft, Forschung und Verbänden sind beteiligt. Einer der Vertreter des Bündnisses hat uns vorgestellt, dass zwischenzeitlich 90 Partnerinnen und Partner, darunter ein Drittel Unternehmen, NGOs, IHK, Verbände und so weiter, da mit dabei sind. Sie sind die Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Land, Moor und Meer sind die Rohstoffquellen. Sie agieren sehr interdisziplinär. Doch bislang, und das haben ja viele Redner schon dargestellt, ist Mecklenburg-Vorpommern vor allem Rohstofflieferant. Ziel ist es aber, diese Produkte hier im Land weiterzuveredeln und zu verwerten, eine Kreislaufwirtschaft zu fördern und Flächenkonkurrenzen zu verringern. Und die Marktperspektiven werden gesehen in einer nachhaltigen Bauwirtschaft, also mit nachhaltigen Baumaterialien, bei Biokunststoffen, natürlich auch im Ernährungsbereich – Ernährung, Nahrungsmittelergänzung –, aber auch bei den Phytopharmaka. Das Thema Paludikultur spielt natürlich auch eine große Rolle. Aktuell geht man davon aus, dass etwa 85.000 Hektar für Paludikultur so ohne Weiteres nutzbar seien. Und es ist auf jeden Fall klimapolitisch gesehen ein wichtiger Punkt, natürlich Moore wiederzuvernässen. Aber, und das haben wir ja angesprochen, das wird auch immer wieder deutlich gemacht, man muss natürlich den Landwirten und Eigentümern wirtschaftliche Perspektiven aufzeigen. (Thore Stein, AfD: Welche sind das?) Das Greifswald Moor Centrum hat diesbezüglich viele mögliche Nutzungen dargestellt, wie man aus Rohrkolben zum Beispiel Einblasdämmstoffe oder eben weitere Möglichkeiten: Grasplatten, Dämmplatten aus Grasfasern, oder eben aus Schilfrohr kann man auch Akustikabsorber herstellen und verschiedene andere Dinge. Aber das sind natürlich alles noch keine marktreifen Produkte. Das muss sich ändern. Förderung und Forschung, Netzwerkarbeit sind die Grundlage dafür, das zusammenzubringen. Doch all das, dafür braucht man eben auch eine Bioökonomie-Landesstrategie. Es gilt, vorhandene Fördermittel zielgerichtet einzusetzen. Und es braucht Partnerinnen und Partner, die bereit sind, aus diesen schon vorhandenen Nischenprodukten echte industrielle Massenprodukte zu schaffen, denn nur dann werden sie auch wirtschaftlich und bezahlbar. Und, Herr Stein, Sie haben ja die ganze Zeit kritisiert, dass da irgendwie für Sie keine Strategie sichtbar ist. Genau der Antrag sagt ja, dass wir eine erstellen wollen. Dann müssten Sie ja eigentlich zustimmen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Also, Sie geben sich quasi selber einen Ruck, dass Sie anfangen zu arbeiten?! – Thore Stein, AfD: Das haben Sie doch vor einem Jahr schon gesagt. Vor einem Jahr schon!) Meine Damen und Herren, ich werbe für Zustimmung zum Antrag. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
