David Wulff
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen Abgeordnete hier im Hohen Haus! Ich würde jetzt einfach mal das Pferd von hinten aufzäumen, weil der Kollege Damm die Vorlage so schön gemacht hat. Es macht natürlich wenig Sinn, mit den Zahlen hier so um sich zu schmeißen. Ich habe trotzdem versucht, mal ein bisschen mitzuschreiben und das nachzuvollziehen. Es hat aber an einer Stelle ganz gut funktioniert, einfach damit aufzuhören, weil die Grundannahme schon einfach vielleicht nicht ganz richtig ist, weil Sie davon ausgehen, dass das immer nur mit der Rückverstromung funktioniert, und bei einer Wasserstoffstrategie haben wir natürlich viele Sachen miteinander zu verbinden. Fangen wir hinten an mit den Verbrauchern. Wenn wir das Ganze mal im privaten Bereich sehen – Thema Wasserstoffheizung –, da geht es ja nicht darum, dass wir dann am Ende wieder, also aus dem Strom Wasserstoff machen, aus dem Wasserstoff wieder Strom machen und damit dann heizen, sondern wenn wir uns das mal ganz genau angucken, dann hat natürlich auch der Wasserstoff einen dreimal höheren Heizwert als zum Beispiel Erdgas. Das heißt also, dass wir pro Kilo Wasserstoff direkt das Gas verbrauchen, das heißt, gar keine Rückverstromung und keine Verluste mehr an dieser Stelle haben. Viel spannender wird das allerdings, und das ist bei dem Thema etwas, was ich noch mal hervorheben möchte, das ganze Thema „Erneuerbare Energien und Wasserstoff“, das ist ein sehr demokratisches Projekt. „Freiheitsenergien“ hatte das Christian Lindner mal genannt an der Stelle. Denn warum ist das so? Natürlich unterhalten wir uns über Riesenprojekte, wo Milliarden investiert werden, in Lubmin oder in Rostock oder sonst wo. Aber bei der Technologie, bei den Möglichkeiten, die wir haben, ist es sogar in kleinem Maßstab möglich, dass möglichst viele Leute, viele Unternehmen sich in diesem Land an diesem Projekt, an der Energiegewinnung, Energieerzeugung und Energieverbrauch beteiligen können. Und das ist etwas, was für diese Energieform „Erneuerbare Energien“ in dem Kontext auch mit der Speicherung Wasserstoff und Verbrauch Wasserstoff sehr viel ausmacht. Man müsste dann nämlich einfach mal gucken, wie sähe das denn zum Beispiel aus, wenn ein Elektrolyseur in der Nähe eines Windfeldes oder eines Solarfeldes, in der Nähe eines Dorfes steht? Was machen wir denn damit? Der Elektrolyseur, der macht ja nicht nur Wasserstoff, der erzeugt ja auch noch einen Haufen Wärme. Also ist das doch einfach nur logisch, zu gucken, dass wir mit dieser Wärme was anfangen. Und dann muss man ja gar nicht mal sagen, dass dann einfach eine Wärmepumpe in jedes Haus in dem Dorf gestellt wird, sondern dann kann man sich mal über Nahwärmenetze unterhalten. Entweder wird es dann halt irgendwie ein direktes Wasserstoffleitungsnetz in dem Dorf, wo man das dann direkt verbraucht, oder man nimmt die Abwärme und heizt damit einfach einen schönen großen Warmwasserboiler, der irgendwo im Dorf steht und dann quasi über so ein Nahwärmenetz die ganzen Häuser versorgt. Das sind Investitionskosten, die überschaubar sind. Da gehört natürlich wieder viel mit dazu, viel Planung et cetera. Das ist etwas, was für mich auch in eine Wasserstoffstrategie reingehört, dass wir auch vor Ort nicht immer nur die Großen verbrauchen, nicht immer nur die großen Städte betrachten, sondern auch die kleinen Dörfer, die Gemeinden, die ländliche Region, die wir immer so sehr hier in den Fokus stellen wollen. Die können davon ganz, ganz deutlich profitieren, aber auch die Industrie. Ich war letztens auf einem Industrie-Netzwerktreffen, und da war natürlich die ganz große Frage: Wo entwickeln sich unsere Strompreise hin? Wie gehen wir weiter voran? Und wir sehen, dass grüne Gewerbegebiete, Produktion mit grünem Strom, Produktion mit grünem Wasserstoff gefragt sind. Das ist ein Merkmal für hochwertige Produktion, das ist nachgefragt in Zertifizierungen. Das heißt also, dass wir doch damit auch unsere Industrie vorantreiben können. Und wir können, und das hatte Minister Meyer eingangs ja so schön gesagt, ich will nicht noch irgendwie 25 weitere PowerPoint-Folien dafür sehen, sondern ich will Praxisbeispiele sehen. Und rebus ist ja nur ein Beispiel. Das Beispiel „Heidekrautbahn“, das wurde ja, ich glaube, gestern hatten wir das im „Medienspiegel“ mit drin. Aber ich habe mich auch mit Vertretern zum Beispiel von MAN unterhalten, also Lastkraftwagenhersteller. Die wollen quasi im übernächsten Jahr in der Serienreife mit Wasserstoff-Lkws unterwegs sein. Und gerade, wenn man sich die Zyklen anguckt, wie Lkws erneuert werden, dann sind wir doch ganz schnell an dem Punkt, wo man auch sehr schnelle Innovationszyklen hat. Bei Zügen sind die Zyklen leider ein bisschen länger, weil die Abschreibungsdauern halt auch ein bisschen länger sind. Aber auch da erwarte ich eigentlich auch von der Landesregierung, wenn wir jetzt künftig neue Züge bestellen hier im Land, dann ist da auch in der Ausschreibung drin, das ist ein Wasserstoffzug. Weil dann haben wir nämlich einen Verbraucher hier vor Ort, dann kann man aber auch mit einer gesicherten Abnahme rechnen und dann kann man auch mit Produktionen und Tankstellen hier im Land planen. Und dadurch bringen wir das Ganze marktwirtschaftlich voran, ohne im Zweifel auch noch Fördergelder da mit reinzupacken. (Beifall Barbara Becker-Hornickel, FDP – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das klingt ja nach Strategie.) Ja, hier muss man ja alles selber machen. (Heiterkeit bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Aber natürlich gehört zu so einer Strategie natürlich auch der Import dazu. Und wenn wir dann das ganze Thema „Mukran und Rostock“ da mit drin haben, dann gehört für mich auch dazu, dass das Ganze nicht einfach nur in die großen Pipelines Richtung Süden oder Richtung Westen geht, sondern dass wir hier auch Verteilnetze vor Ort bauen. Und da müssen wir mit den Netzbetreibern, mit den Netzbauern sprechen, was können wir an bestehenden Netzen nutzen und wo müssen wir reine Wasserstoffnetze bauen, und auch das kann man über Planungsbeschleunigung lösen. Und auch das gehört für mich in eine Wasserstoffstrategie mit rein, dass wir das, was hier ankommt, auch möglichst vor Ort verbrauchen, und natürlich helfen wir allen anderen und werden auch weiteren Import durchleiten. Aber das, was wir hier damit machen können, das ist doch der große Punkt für eine echte industriepolitische Revolution hier bei uns, hier in Mecklenburg-Vorpommern. Und dann gehören da für mich nicht nur die Leitungen – also Weiterleitung von Wasserstoffnetzen – mit dazu, sondern da reden wir auch noch mal über das Thema Stromnetze, weil da nicht jetzt neben jedem Windrad ein kleiner Elektrolyseur steht, sondern wir sind ja gerade dabei, 2,1 Prozent der Landesfläche für Windstrom an Land auszuweisen. Und dann gehört für mich auch dazu, dass eigentlich in jeder Nähe von so einem großen Windkraftfeld die Elektrolyseure stehen. Und da müssen wir die miteinander verbinden, und manchmal sind die aber auch ein bisschen weiter weg, und dann werden dann auch wieder Stromleitungen gelegt. Und dann müssen wir natürlich auch gucken, dass diese Stromleitungen vernünftig und schnell gebaut werden können. Auch das gehört für mich in eine Planungsbeschleunigung mit dazu. Genauso … (Martin Schmidt, AfD: Wer soll das bauen?) Netzbetreiber. (Martin Schmidt, AfD: Ach so!) So, und dann gehört für mich auch Wasser – ist hier in dem Antrag ja auch noch mal mit drin – mit dazu. Wenn man sich aber dann noch mal mit den Akteuren direkt unterhält, das geht relativ gut auch mit aufbereitetem Abwasser. Das heißt also, wir brauchen nicht nur große Entsalzungsanlagen, die wir natürlich an der Küste gut machen können, wir haben auch die Möglichkeit, im Binnenland, dort, wo wir Klärwerke haben, aus dem geklärten Wasser mit einer weiteren Reinigungsstufe das Wasser so aufzubereiten, dass das für die Elektrolyse funktioniert. Da brauche ich jetzt nicht mit großen Zahlen umherzuwerfen, das sagen die Praktiker. Also keine weiteren 25 Folien dazu. Das sind für mich alles Punkte, die in so eine Wasserstoffstrategie mit reingehören. Und wenn Herr Foerster sagt, Rot-Rot schafft es nicht, zwischen zwei Landtagssitzungen eine Wasserstoffstrategie aufzulegen, dann nehme ich die Herausforderung gerne an, und mal gucken, was wir zur nächsten Landtagssitzung hier vorliegen haben. Vielleicht kommt ja von meiner Fraktion da schon mal etwas Brauchbares auf den Tisch. Dann auch das, die Bitte des gemeinsamen Termins mit Herrn Mansmann, also dem Bundesbeauftragten für Wasserstoff, Herr Meyer, nehme ich mit, das machen wir gerne noch mal. Ich habe das erst mal auch aus unserer Perspektive, was wir für Mecklenburg-Vorpommern uns vorstellen können, was wir hier machen, mit nach Berlin gegeben, weil – das ist ein ganz wichtiger Punkt – die Kollegen in Berlin kommen ja in der Regel alle nicht von hier. Also, Herr Mansmann, Wasserstoffbeauftragter, wirklich ein hochkompetenter Mann, der kennt sich aus, kommt aber aus Hessen. Da weiß er gar nicht so richtig, was hier bei uns passiert. Und ich bin ja, wie gesagt, auch schon in vorhergegangenen Beiträgen, ein Freund davon, das Heft des Handelns selber in die Hand zu nehmen und zu behalten. Und dann sage ich lieber vorher, was wir hier in Mecklenburg-Vorpommern wollen, was wir uns wünschen, was wir uns vorstellen können, damit das Eingang in die Wasserstoffstrategie des Bundes findet und wir nicht auf die Wasserstoffstrategie des Bundes warten und dann gucken, was machen wir damit. Das ist ein grundlegend strategisch anderer Ansatz, und ich halte den für deutlich zielführender. Leider ist bei der Bundeswasserstoffstrategie das BMWK federführend, das liegt dann bei Herrn Habeck. Aber da können wir uns vielleicht morgen noch mal drüber unterhalten. Aber Herr Mansmann ist ja beim BMBF, also beim Forschungsministerium, mit drin und begleitet das Ganze sehr, sehr intensiv. Und genauso intensiv begleiten wir das Ganze hier auch als FDP-Fraktion im Landtag und im Land. Und den Antrag der AfD kann man an der Stelle erst mal ablehnen, weil das so nicht umfangreich ist. Wir können das, denke ich, besser. – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Marc Reinhardt, CDU)
