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Jeannine Rösler

Die Linke 11.05.2023 Sitzungen 8/52

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Gute Bildung für alle, das ist eines der wichtigsten Ziele, ein ganz zentrales Anliegen der Koalitionsfraktionen. Gute Bildung für alle ist für SPD und DIE LINKE eine Herzensangelegenheit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Das gilt selbstverständlich auch und gerade für die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen. Alle Kinder und Jugendlichen haben das Recht auf eine chancengleiche Bildung und Entwicklung. Die Realität, wie wir wissen, sieht leider anders aus. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ja, dank Ihnen!) Noch immer sind die Bildungschancen viel zu oft abhängig von der Bildungsherkunft der Eltern und ihrer finanziellen Situation. Erst kürzlich lieferte der Chancenmonitor 2023 des ifo Instituts Daten dazu. Da heißt es, die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, liegt bei einem Kind mit einem alleinerziehenden Elternteil ohne Abitur aus dem untersten Einkommensviertel bei 22 Prozent. Im Gegensatz dazu liegt sie bei 80 Prozent, wenn das Kind mit zwei Elternteilen mit Abitur aus dem obersten Einkommensviertel aufwächst. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz hat festgestellt, dass jedes fünfte Kind in Deutschland Auffälligkeiten in der frühen sprachlichen, emotionalen oder mathematischen Entwicklung zeigt, die in engem Zusammenhang mit einem niedrigen Bildungsgrad oder geringem sozioökonomischen Status der Eltern stehen. Diese Benachteiligung, meine Damen und Herren, darf niemand einfach schulterzuckend hinnehmen. Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen dürfen nicht vom Bildungsweg der Eltern und deren finanzieller Lage abhängig sein. Deshalb empfiehlt die SWK unter anderem, die grundlegenden Kompetenzen in Kita und Grundschule zu stärken. Die rot-rote Landesregierung nimmt diesen Auftrag sehr ernst. Sie will und wird diesen Lösungsansatz ganzheitlich angehen und dabei auf eine Vielzahl von Maßnahmen setzen. Meine Damen und Herren, wir müssen Bildung ganzheitlich denken. Und das beginnt bereits vor der Grundschule in der Kita, wenn es um die Sprache geht, um Grundkenntnisse im Rechnen, motorische Fertigkeiten und weitere Grundkompetenzen im frühkindlichen Bereich. Meine Damen und Herren, unser Land hat bei den 0- bis 3-Jährigen die höchste Betreuungsquote bundesweit, und wir haben die meisten Einrichtungen mit Öffnungszeiten von mehr als elf Stunden. Das, meine Damen und Herren, das ist kein Selbstlauf, und deshalb möchte ich an dieser Stelle allen Erzieherinnen und Erziehern für ihre engagierte Arbeit ganz herzlich danken, die sie tagtäglich in den Einrichtungen leisten. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Meine Damen und Herren, nicht zuletzt sichert die Beitragsfreiheit in der Kita Bildungschancen, übrigens auch eine Schlussfolgerung des ifo Instituts im Zusammenhang mit dem Chancenmonitor. Ganz im Sinne der Stärkung von grundlegenden Kompetenzen verbessert die rot-rote Landesregierung die Qualität der Kindertagesförderung und wird sie weiter verbessern. Wir wollen vom Land der besten Betreuungsquote und besten Öffnungszeiten zum Land der noch besseren Arbeits- und Ausbildungsbedingungen werden. Ein großer Schritt auf diesem Weg wird sein, das Fachkraft-Kind-Verhältnis im Kindergarten von aktuell 1 : 15 auf 1 : 14 zu verbessern. Allein dafür werden wir von 2024 bis 2026 noch einmal knapp 30 Millionen Euro in die Hand nehmen. (Torsten Koplin, DIE LINKE: Hört, hört!) Ich erinnere daran, dass wir im Jahr 2010 noch ein Verhältnis von 1 : 18 hatten. Jetzt wollen wir auf 1 : 14 runter. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wir wollen erst Ergebnisse sehen!) Und ja, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wir wollen! Wir wollen! Macht doch mal!) wir wollen und müssen diesen Weg fortsetzen. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Meine Damen und Herren, auch mit der jüngsten KiföG-Änderung haben wir einen Qualitätssprung beschlossen. Danach werden die Auszubildenden für die Staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erzieher für 0- bis 10- Jährige im ersten und zweiten Ausbildungsjahr nicht mehr auf den Fachkraft-Kind-Schlüssel angerechnet. Die Fachleute gehen davon aus und erwarten, dass wir damit nicht nur mehr Nachwuchskräfte bekommen, sondern sich insgesamt die Personal- und Betreuungssituation in den Kitas verbessert. Bis einschließlich dem Ausbildungsjahrgang 2026/2027 können fast 300 Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich eingestellt und bei vorhandenem Personal Stunden aufgestockt werden. Auch das, meine Damen und Herren, ist ein wichtiger Baustein, damit die Kleinen gut gefördert, gut betreut und begleitet werden. (Torsten Renz, CDU: Ist denn das Personal auch da?) Die dafür notwendigen 25 Millionen Euro bis 2026 sind bestens investiertes Geld, genauso wie die Mittel, die die Fortführung der Sprach-Kitas bei uns im Land sichern. Sie, meine Damen und Herren, die Sprach-Kitas, die sind so, so wertvoll, wenn es um Sprache als eine der entscheidenden Grundkompetenzen geht. (Torsten Renz, CDU: Deswegen hat der Bund das auch gestoppt.) In den Kitas legen wir die Grundlagen für eine chancengleiche Bildung, für eine chancengleiche Entwicklung der Kinder, so, wie es die Ständige Wissenschaftliche Kommission auch empfohlen hat. Bei der Stärkung und Förderung der Kleinsten in den Kitas können und werden wir aber selbstverständlich nicht stehenbleiben. Das muss nahtlos an die Grundschulen anschließen. Hier verweise ich auf die Willkommenswoche für die Schulanfängerinnen und Schulanfänger, den überarbeiteten Rahmenlehrplan Deutsch oder auch die wirklich tolle Broschüre „Mein Kind kommt in die Schule“, die eben auch Anregungen zur Förderung basaler Kompetenzen gibt. Für uns ist es ganz zentral, dass möglichst alle Kinder gut lesen, schreiben und rechnen lernen. Daher soll die Anzahl der Wochenstunden für die Fächer Deutsch und Mathematik angehoben werden. Damit, meine Damen und Herren, haben alle Grundschülerinnen und Grundschüler vor allem mehr Zeit, mehr Zeit zum regelmäßigen und verstehensorientierten Üben. Mehr Zeit ist, wie wir von den Pädagoginnen und Pädagogen, auch von den Eltern immer wieder gespiegelt bekommen, ganz entscheidend. Ich werbe um Ihre Unterstützung für unseren Antrag. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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