Paul-Joachim Timm
Nun, meine sehr geehrten Damen und Herren, Frau Präsidentin, zunächst mal möchten wir der FDP-Fraktion danken, dass sie diese Thematik auf die Tagesordnung gesetzt hat. In der Recherche zur heutigen Beratung wird Ihnen sicherlich aufgefallen sein, dass es die AfD war, die in dieser Thematik den ersten Aufschlag gemacht hat. Ihnen wird meine Kleine Anfrage sicherlich nicht entgangen sein, (Zuruf von Enrico Schult, AfD) die Sie in der Parlamentsdatenbank unter der Drucksache 8/234 vom 9. Februar 2022 finden. Diese widmet sich nämlich konkret der psychologischen Betreuung von Studenten. Die Zahlen, die dort hervorgefördert worden sind, sind insofern wachrüttelnd, als dass sie den Beratungsbedarf in Einzelstunden an den einzelnen Hochschulen abbilden. Während Neubrandenburg, Greifswald und Stralsund relativ stabil im Zeitraum von 2015 bis 2021 sind, hat sich der Beratungsbedarf an der Universität Rostock verdreifacht im Laufe der Jahre und an der Hochschule Wismar vervierfacht. Die Expertenanhörung, die wir im Landtag hatten, die hat das Thema noch mal unterstrichen und verdeutlicht, dass dort Nachbesserungsbedarf doch besteht. Die Frage ist nun, woran das liegt. Und wir müssen feststellen, dass einfach viel mehr Leute, die Abitur machen, an die Universitäten drängen, die vielleicht in einer Ausbildung besser aufgehoben wären. (Enrico Schult, AfD: Sehr richtig!) An der Uni ist der Unterricht halt nicht verschult, (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und das bedeutet, es benötigt viel Selbstdisziplin, um ein Studium einfach durchzuziehen. Sie sehen es ja, wenn Sie die Regelstudienzeit betrachten, kaum einer schafft es auch noch in der Regelstudienzeit, sein Studium zu absolvieren. Und das kann natürlich mit einer gewissen Überforderung einhergehen. Prokrastination, Resilienz und Prüfungsangst können da vorprogrammiert sein – bewusst Konjunktiv: könnte. Nun zum Antrag und Ihrem Forderungsteil: Was wir gut finden, ist, dass Sie eine Evaluation möchten und den Bedarf ermitteln wollen, was dann in Haushaltsanträge münden kann. Ja, da gehen wir mit. Da sind wir im Boot. Zahlen sind immer hilfreich. Auch gehen wir mit, die Onlineangebote auszuweiten. Die Digitalisierung bietet hier Chancen, die wir ergreifen sollen und auch müssen. Ein Lob an die Uni Rostock und an die Hochschule Wismar, dort waren schon Videoberatungen in Arbeit, so der Stand meiner Kleinen Anfrage. Ich gehe davon aus, dass das heute umgesetzt ist. Wo wir nicht mitgehen, ist, dass Sie ein Trainingsprogramm haben wollen für Unipersonal als Fortbildung mit Zertifikaten und allem Drum und Dran, um Stigmata abzubauen und den sicheren Umgang zu fördern. Das ist unserer Meinung nach ziemlich weit gefasst und ganz schön dick aufgetragen. Und es verschleiert den Blick aufs Wesentliche, wer für die psychische Gesundheitserhaltung zunächst in den Fokus zu nehmen ist, und das ist in erster Linie der Betroffene selbst und dann das Fachpersonal, was in der Regel aus Psychologen besteht. Mit inhaltlichen Abstrichen ist Ihr Antrag okay. Aber wir stoßen uns natürlich an der Finanzierung. Ihr erster Forderungspunkt, der ja, und das ist legitim, die Schaffung einer zusätzlichen halben Stelle beabsichtigt, ja, der soll aus dem MV-Schutzfonds finanziert werden. Die AfD-Fraktion hat nicht umsonst gegen diesen Schutzfonds geklagt und wir bezweifeln auch an dieser Stelle, ob der Mehrbedarf allein coronabasiert ist. Meine Kleine Anfrage, die Sie ja sicherlich kennen, die stellte heraus, dass der Bedarf schon über die vergangenen Jahre immer kontinuierlich gestiegen ist, und das auch schon vor Corona, sodass wir bezweifeln, dass die Problematik allein auf Corona fußt. Da uns die Thematik wichtig ist und der akademische Nachwuchs am Herzen liegt, werden wir uns enthalten, obwohl wir Ihren Finanzierungsansatz ablehnen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
