Paul-Joachim Timm
Nun, meine sehr geehrten Damen und Herren, Frau Präsidentin, „Hakuna Matata“, diesen Spruch sage ich an dieser Stelle gern. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Denn wer wie ich in den 90er-Jahren aufgewachsen ist, selbst Kinder hatte oder Disneyfan ist, der wird sich sicherlich an den Trickfilm „König der Löwen“ erinnern und an die Szene, in der der junge Löwenjunge Simba im Exil, welcher ja sonst nur Gnus und Zebras auf dem Speisezettel hatte, von seinen Gefährten Timon und Pumbaa an die Kost von Insekten herangeführt wurde. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) „Schleimig, aber vitaminreich“, wusste das Erdmännchen in der Truppe beizutragen. Insekten sind auch heute aktuell in aller Munde, fast 30 Jahre nach Erscheinen des Films und derzeit noch, weil es für viele Menschen anstößig wirkt in unserem Kulturkreis, diese zu verzehren, und diese Debatte zu Hause am Küchentisch und in der Öffentlichkeit geführt wird, verstärkt aber auch zukünftig in Form von Lebensmittelzutaten, wenn es nach der Europäischen Union geht. In Europa dienen seit jeher Fisch und Fleisch sowie bestimmte Pflanzen als Proteinquellen. Insekten als Zutat gibt es nur vereinzelt, wie beispielsweise als Schellack. (Heiterkeit und Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Wem in dieser Runde die Kennzeichnung E 904 nichts sagt, das, genau das ist Schellack. Das sind die Ausscheidungen von Schildläusen, die gemeinsam mit ihren Ausscheidungen zu Harz verkocht werden. Nun aber wird die Möglichkeit der Verwendung von Insekten als Lebensmittel massiv ausgedehnt, und das schmeckt wortwörtlich nicht jedem. So wird propagiert, dass Insekten ja die klimafreundliche Alternative zum herkömmlichen Fleisch sein können. War es früher noch üblich, Lebensmittelbetriebe zu schließen, wenn dort Spuren von Schaben oder Mehlwürmern entdeckt wurden, werden diese heute als neuer Trend ausgerufen. Grünökologisch auf den Punkt gebracht: Käfer essen, um das Wetter zu beeinflussen. (Heiterkeit bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Um das Wetter zu beeinflussen?!) Aber dieser Antrag soll gar nicht auf die prinzipielle Debatte, ob Insektenverzehr nun gut oder schlecht ist, eingehen. Wer den Verzehr von Heuschrecken dem eines Steaks vorzieht, der soll nach unserer freiheitlichen Auffassung selbstverständlich die Heuschrecke vorziehen dürfen. (Nikolaus Kramer, AfD: Richtig!) Was wir aber nicht möchten, ist, dass dem Verbraucher Insektenmehl untergejubelt wird und es neben dem Ekelfaktor im schlimmsten Falle zu gesundheitlichen Konsequenzen kommt. Doch der Reihe nach. Zunächst einmal möchten wir mit unserem Antrag, dass Lebensmittel mit Insekten klar und unmissverständlich gekennzeichnet werden. Hierzu reicht es uns nicht aus, eine bloße Auflistung als Zutat in Latein auf der Verpackungsrückseite zu finden, sondern wir fordern eine unmissverständliche Kennzeichnung in Form eines Siegels. So kann sichergestellt werden, dass der Verbraucher, ob er nun Allergiker ist oder nicht, auf den ersten Blick erkennen kann, dass in diesen Lebensmitteln Insekten verarbeitet worden sind oder nicht. Verbraucherfreundlich hat der Konsument dann die Freiheit zur Wahl. Dies soll zum einen für in Mecklenburg-Vorpommern produzierte Lebensmittel gelten, aber zum anderen auf Initiative der Landesregierung hin auch im Bund umgesetzt werden. Welche Blüten das in der Praxis schon treibt, können Sie daran erkennen, dass es auch hierzulande schon Bäckereien gibt, die ihre eigenen Logos entwerfen, um sich an der Theke frei vom Vertrauensmalus zu machen, ob dem Verbraucher nun absichtlich ein Mehlwurm als Zutat untergejubelt wird oder nicht. Darüber hinaus muss dringend das allergische Potenzial von Insekten erforscht werden. Dieser Schritt hätte eigentlich vor der eigentlichen Zulassung zwingend erfolgen müssen. Nun, zugegeben ist unser Einfluss auf solche Schritte der Europäischen Union verhältnismäßig gering, und das Kind an sich schon in den Brunnen gefallen. Nichtsdestotrotz erkennen wir die unverzügliche Notwendigkeit des Handelns, wenn wir gesundheitliche Gefahren für unsere Verbraucher abwenden wollen. Eine weitere, wie ich finde, wichtige und richtige Forderung ist, dass die Landesregierung auf eine Beteiligung an Kampagnen für den Insektenverzehr verzichtet. Nein, meine Damen und Herren, wir erwarten von der Landesregierung das Gegenteil, dass sie sich starkmacht für unsere heimischen Milchviehproduzenten (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Fisch.) und alle anderen Viehzüchter. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Wir hatten letztens auch eine interessante Debatte im Agrarausschuss oder eine interessante, einen interessanten Bericht zu Aquakulturen. Auch das kann eine Alternative der Zukunft sein. Aber wir kennen es ja mittlerweile nicht mehr anders. Es wird laufend versucht, auf den grünen Zug aufzuspringen, wo auch immer dieser sich zeigt. Der Insektenverzehr ist doch hier prädestiniert dafür, da er vermeintlich klimafreundlich ist. Nicht bedacht wird hierbei, wie bereits eben erwähnt, die Landwirtschaft, denn diese gilt es zu unterstützen. Sie sichert uns regionales Fleisch von höchster Qualität. Um der Kritik noch einmal vorwegzugreifen: Sehen Sie diesen Antrag nicht grundsätzlich als Kritik an dem Verzehr von Insekten! Wer möchte, kann dies, wie gesagt, gerne tun, er sollte sich aber aufgrund umfassender Studien über die gesundheitlichen Risiken im Klaren sein. Wer aber hingegen auf den Verzehr von Insekten verzichten möchte und dies vielleicht sogar aus gesundheitlichen Gründen tun muss – zu Ersteren zähle ich mich als Teil der deutschen Bevölkerung –, der sollte auch nicht Gefahr laufen, dies versehentlich zu tun. Ein entsprechendes Siegel bedeutet, wie wir es beantragen, keinen hohen finanziellen Aufwand, aber eine hohe Sicherheit für unsere Verbraucher. Kleingedrucktes wird schnell mal überlesen und eine eindeutige Kennzeichnung durch ein Siegel ist hingegen nur schwer zu übersehen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Setzen wir gemeinsam ein Zeichen für den Verbraucherschutz! Ich bin auf die Debatte gespannt. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
