Anne Shepley
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleg/-innen! „Angst schwingt ,immer mitʻ“ heißt das von Lola für Demokratie und Tutmonde e. V. gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung sowie der Hochschule Neubrandenburg diese Woche veröffentlichte Lagebild Rassismus. Wir haben heute schon einiges daraus gehört und auch ich möchte meine kurze Redezeit dazu nutzen, mich primär mit dieser Studie zu befassen, und das hat zwei Gründe: Zum einen ist es unmöglich, über Rassismus in M-V zu reden – und ich bin da auch meiner Kollegin Frau Oehlrich sehr dankbar, dass sie das Zitat vorhin gebracht hat –, es ist unmöglich, über Rassismus in M-V zu reden, ohne die Menschen zu Wort kommen zu lassen, die von ihm tagtäglich auf unseren Straßen, in Bussen, auf Marktplätzen, im Supermarkt, auf der Arbeit bedroht sind. Der Vollständigkeit halber, Frau Pulz-Debler hat auch Beispiele gebracht. Von ihnen stammt der Satz: „Angst schwingt immer mit.“ Und es ist nicht bloß ein Satz, sondern es ist ein trauriges Lebensgefühl, ein tagtäglicher Kampf um Akzeptanz, ums Dazugehören, den sie tagtäglich ein wenig mehr verlieren, ein Satz, hinter dem sich eine ganze Welt von Schmerz und Hoffnungslosigkeit verbirgt. Und zum anderen bietet diese durchaus gelungene Studie einen dringend notwendigen Perspektivwechsel für alle, die eben nicht jeden Tag mit Rassismus kämpfen müssen. Wir müssen die Perspektive der Frauen aus der Studie und alle anderen Migrant/-innen bewusst immer wieder einnehmen, um zu verstehen, dass jeder Angriff auf die Andersheit des oder der anderen ein Angriff auf unsere eigene Freiheit ist, ein Angriff auf die freie Gesellschaft, in der wir gemeinsam leben oder irgendwann mal leben wollen. Insofern kann ich Ihnen allen nur sehr empfehlen, lesen Sie die Studie, hören Sie den Frauen zu und geben Sie ihnen im Anschluss Ihre Stimme, verehrte Kolleg/-innen! Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, sagte auf der Paneldiskussion anlässlich der Eröffnungsfeier der Wochen gegen Rassismus am Montag sinngemäß, wir werden den Rassismus und seine Auswüchse nie ganz besiegen, er ist ein trauriger Teil der Menschheitsgeschichte und wird es immer bleiben, aber – und es ist ein großes Aber –, aber wir müssen um die Mehrheit kämpfen, die Rassismus verachtet und ihn in allen seinen Formen bekämpft. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Katy Hoffmeister, CDU, und René Domke, FDP) Wenn wir uns dieser Tage die rechte Stimmungsmache im ganzen Land anschauen, die Flugblätter mit Fake News, die Polarisierung ganzer Gemeinden, die ausländerfeindlichen Plakate und Demos, dann wissen alle Demokrat/-innen, dass jetzt mehr denn je wieder die Zeit gekommen ist, in der wir die Mehrheit erkämpfen müssen, die den Rassismus verachtet. Und in diesem Sinne lassen Sie uns diese Wochen gegen Rassismus und alle Wochen danach als Kampfansage im positiven Sinne verstehen, eine Kampfansage, die eine laute, bunte, vielfältige Mehrheit zusammenruft, die sich immer dann einmischt, wenn Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und all ihre hässlichen Fratzen sich uns entgegenstrecken, im Kleinen und im Großen, im Dorf und in der Stadt, im Verein, am Gartenzaun, beim Grillfest. Mischen wir uns ein, verehrte Kolleg/-innen! Mischen wir uns ein! – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und Katy Hoffmeister, CDU)
