Dr. Heiko Geue
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Der Antrag der Fraktionen der SPD und DIE LINKE rückt mit der Kultur- und Kreativwirtschaft eine wirtschaftlich und standortpolitisch bedeutsame Branche in den Blickpunkt. In Zeiten des wirtschaftlichen Wandels und der fortschreitenden Digitalisierung müssen wir uns auf regionaler Ebene stärker positionieren – es ist gerade auch schon gesagt worden – und dabei unsere Stärken und Potenziale ausspielen. Gerade die Kultur- und Kreativwirtschaft bietet im Zusammenspiel mit anderen Branchen eine vielversprechende Möglichkeit, denn Mecklenburg-Vorpommern ist reich an Kultur- und Kreativwirtschaftenden, sei es in den Bereichen Design, Architektur, Musik, Film, Literatur oder Kunsthandwerk. Deshalb begrüße ich den vorliegenden Antrag, der aufgreift, was die Regierungsparteien bereits im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Die vielfältige Kreativszene ist ein wichtiger kultureller Faktor für unser Bundesland und bietet wirtschaftliche Chancen. Die Kreativwirtschaft ist ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Schon heute sind rund 2.300 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 22.000 Euro in diesem Wirtschaftszweig tätig. Dazu kommen rund 2.600 Kleinunternehmen beziehungsweise Soloselbstständige. Die Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft hatten 2020 einen Jahresumsatz in Höhe von 909 Millionen Euro. Im gleichen Jahr 2020 betrug die Zahl der Beschäftigten in der Kreativwirtschaft 9.200 Beschäftigte. Das entspricht einem Anteil von 4,1 Prozent an der Gesamtbeschäftigung im Land. Die meisten Beschäftigten arbeiten in kleinen und mittleren Unternehmen in allen Regionen des Landes. Die Kultur- und Kreativwirtschaft steht nicht alleine, sondern trägt auch dazu bei, dass unser Bundesland als touristisches Ziel attraktiv ist und somit den Tourismussektor stärkt. Gerade in der Kreativwirtschaft können zudem Anreize geboten werden, jungen Menschen Perspektiven zu bieten, im Land zu bleiben und sich aktiv in die Region einzubringen. Es ist ein wichtiges Ziel der Landesregierung, Mecklenburg-Vorpommern als attraktiven Lebens- und Arbeitsraum für die Ansiedlung von Kreativen zu positionieren und die Bedeutung einer lebendigen Kreativwirtschaft als Image- und Standortfaktor in Städten und Regionen darzustellen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Ich freue mich sehr, wie erfolgreich die in der letzten Legislaturperiode gegründete MV Filmförderung gerade auch junge kreative Filmemacherinnen und Filmemacher fördert. Das ist ein wichtiger Erfolg des Bundeslandes. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Um das Potenzial der Kreativwirtschaft auszuschöpfen, unterstützt das Wirtschaftsministerium seit 2016 mit einem eigenen Haushaltsbudget in Höhe von 100.000 Euro jährlich die Branche. Davon werden Branchenkonferenzen und Projekte über Ideenwettbewerbe gewonnen. Darüber hinaus hat das Wirtschaftsministerium seit 2017 aus ESF- und GRW-Mitteln zur Förderung von Strukturentwicklungsmaßnahmen viele Projekte aus dem Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft gefördert. Insgesamt wurden 1,6 Millionen Euro an Fördermitteln ausgereicht. Sehr geehrte Damen und Herren, die Corona-Krise hat insbesondere den Unternehmerinnen und Unternehmern der Kultur- und Kreativwirtschaft ganz besondere Anstrengungen abverlangt. Man kann wirklich sagen, es hat ihnen alles abverlangt in dieser schweren Zeit. Die Branche benötigt mehr denn je Öffentlichkeit. Man sieht, Kultur- und Kreativwirtschaft braucht den Austausch, braucht die Öffentlichkeit, aber auch Anerkennung. Das ist ganz wichtig, dass heute auch ein Signal von der Landtagssitzung ausgeht: Wir erkennen das an, was hier gemacht wird, und wertschätzen es im wahrsten Sinne des Wortes. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Die Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ist ein vielfältiger Sektor, der von der Film- und Musikindustrie über die Designbranche bis hin zur Games-Entwicklung reicht, mit dem beeindruckenden Flaggschiff der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern – das müssen Sie mir als Aufsichtsrat noch durchgehen lassen, dass ich das hier besonders betone –, aber es gibt natürlich auch viele andere tolle Institutionen im Land. Eine Potenzialanalyse kann dabei helfen, die verschiedenen Segmente und Akteure dieser Branche besser zu verstehen und die Unterstützungsmaßnahmen noch zielgerichteter zu gestalten. Als Grundlage dafür hat das Wirtschaftsministerium bereits eine aktuelle Datenbasis mit allen wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen erworben und wird daran entsprechend arbeiten. Ein weiterer wichtiger Punkt im Antrag ist der Fokus auf das Cross-Innovation-Potenzial der Branche. Cross-Innovation beschreibt den Austausch von Ideen und Kompetenzen zwischen verschiedenen Branchen und Sektoren. In der Kreativ- und Kulturwirtschaft ist es dann halt englisch geprägt, aber ich glaube, es ist klar, worum es hier geht. Es geht um diesen Austausch miteinander. Es geht darum, die kreativen Potenziale und damit auch die Potenziale mit anderen Branchen zu verbinden. Dadurch kann ein Mehrwert entstehen, es können Lösungen für komplexe Probleme gefunden und Innovationen kreiert werden, gerade etwas, was ja auch junge Menschen besonders interessiert, die auch was vorhaben. Es können auch gern Ältere sein, aber hier wollen wir ja explizit gerne auch junge Menschen ansprechen. Ein Prototyp für ein Cross-Innovation-Projekt wurde bereits als Gewinner des letzten Ideenwettbewerbs Kreativwirtschaft ausgezeichnet. Mit der Unterstützung des Cross Innovation Hub in Rostock leistet das Wirtschaftsministerium einen Beitrag zum Aufbau einer Plattform für Cross Innovation, die branchenübergreifende Kooperationen und die Kreativwirtschaft dabei unterstützen soll, ihr Innovationspotenzial zu präsentieren. Abschließend möchte ich betonen, dass ein wichtiger Schritt zur Förderung der Kreativwirtschaft im Umdenken in vielen Köpfen der Wirtschaft ist. Viele Menschen betrachten die Kreativwirtschaft nach wie vor als weiche Industrie, die nicht wirklich zur Wirtschaft beiträgt. Das ist falsch! Diese Perspektive muss geändert werden. Die Kreativwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, der für die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, für die Wahrnehmung des Standortes Mecklenburg-Vorpommern sowie für die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohlstand von erheblicher Bedeutung ist. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
