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René Domke

FDP 27.01.2023 Sitzungen 8/44

Und dann gehen wir alle zum Automaten. (allgemeine Heiterkeit – Nikolaus Kramer, AfD: Wir dürfen nicht kommentieren, was die Präsidentin sagt.) Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Ich will nur noch mal ausführen, weil ja auch immer dann „Vegetarisch gegen Fleischernährung“ und was weiß ich was hier ausgetragen wird, meine Damen und Herren, wir haben das doch, glaube ich, heute mehrfach rausgearbeitet. Ich bekenne mich: Seit 30 oder über 30 Jahren ernähre ich mich vegetarisch. (Zuruf aus dem Plenum: Oha!) Ich weiß, ich sehe nicht aus, als wenn ich Mangelerscheinungen habe oder sonst irgendwas, (allgemeine Heiterkeit – Enrico Schult, AfD: Das hätte ich jetzt nicht gedacht.) aber ich weise mal darauf hin, auch da lohnt sich mal der Blick auf die Zutatenliste, wie viel Ersatzstoffe und sonst was da reinkommen. Und wenn ich dann schon höre hier Zusatzdinge und sonst irgendwas, es ist doch auch wieder ein höchstpersönliches Recht, die eigene Ernährung so zu gestalten, wie man es möchte. (Jens-Holger Schneider, AfD: Richtig!) Woher nehme ich denn meinen Anspruch, andere zu belehren, was sie essen sollen oder sonst irgendwas?! Also ich bin manchmal fassungslos, was wir hier für Debatten führen, genauso wenig, wie ich möchte, dass mir jemand ein Kotelett vorsetzt oder ein Eisbein, wie ich heute so schön hörte. Da habe ich traumatische Erlebnisse an meine Schulzeit. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der CDU, Petra Federau, AfD, Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und auf der Regierungsbank) Die hatten teilweise ja solche Borsten, dass sie als Handfeger benutzt werden konnten. Und deswegen esse ich heute anders und auch viel bewusster, auch wenn man es nicht sieht. Das liegt aber an der mangelnden Bewegung. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, FDP und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aber es ist ein viel zu ernstes Thema, als dass es jetzt hier um meine Ernährung geht. Ich finde, beide Antragsteller, beide Antragsteller, ich verstehe überhaupt nicht, warum man nicht zueinandergekommen ist. Das eine ist eine Sofortmaßnahme, die jetzt greifen soll, (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) eine Sofortmaßnahme, die jetzt greifen soll, die auch umsetzbar ist aus meiner Sicht. Und das andere ist eine perspektivische Umsetzung. Und ich frage mich, wir haben hier schon mehrmals über Mehrwertsteuersenkung, Freistellungen gesprochen. Da waren Sie komischerweise immer ganz dagegen, da ging gar nichts, (Zuruf von David Wulff, FDP) da wurde nichts diskutiert. Jetzt haben wir hier diese Möglichkeit. Deswegen ist es auch richtig, beidem zuzustimmen. Ich weiß bloß nicht, die AfD, die hat ja auch angekündigt, beiden zuzustimmen. (Enrico Schult, AfD: Ja, wieso?) Das erstaunt mich, Herr Schult, denn ich will eins sagen: Bei dem Antrag von SPD und DIE LINKE haben wir zwei Punkte, da können wir nicht zustimmen. Deswegen bitte ich auch, diese beiden Punkte einzeln abzustimmen. Das ist nämlich Punkt I Absatz 6 und das ist Punkt II Absatz 5 oder Nummer 5. Das ist für uns überhaupt nicht zustimmungsfähig. Mit welchem Recht binden wir denn jetzt diese ganze Thematik daran, die Quote für Biolebensmittel hier durch die Hintertür durchzudrücken? Auch das ist eine Entscheidung des Verbrauchers/der Verbraucherin, ob ich Biolebensmittel konsumieren möchte oder eben nicht. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Wir können doch nicht die Quote, die wir aufgrund von Aufklärung und Überzeugungsarbeit nicht durchsetzen können, hier reinschreiben als politische Forderung! Und ich weiß nicht, gut, es mag möglicherweise das Programm der AfD inzwischen sein, wir jedenfalls möchten keine Bevormundung der Verbraucherinnen und Verbraucher, wir möchten Aufklärung, wir möchten, dass jeder sich frei entscheiden kann. Insbesondere den Eltern kommt da eine besondere Bedeutung zu, dass sie das für ihre Kinder entscheiden müssen. Und wenn die dann entscheiden, ja, ich möchte, dass es ein Bioessen ist, ich möchte, dass es aus Biolebensmitteln produziert wurde, dann ist das eine Entscheidung. Aber ich sehe überhaupt keine Veranlassung, dass man das politisch durchsetzen muss, möglicherweise sogar gegen die Überzeugung von Eltern oder Kindern. Und ich glaube, konventionelle Lebensmittel – wir haben es ja schon gehört –, wir werden es weiterhin brauchen. Wir können nicht alles auf bio umstellen, das wird so gar nicht funktionieren. Insofern bitte ich da, diese beiden Punkte einzeln abzustimmen, weil da können wir nicht zustimmen. Allem anderen würden wir zustimmen. Ich rate uns aber allen – wir haben ja gesehen, wie emotional das Thema ist, wie bewegt wir alle sind, wenn es um Ernährung geht –, ich glaube, es ist wirklich gut, sich hier mal Sachverständige einzuladen, das mal insgesamt zu beraten. Und dann schauen Sie wirklich mal in die Kantinen und in die Mensen! Es ist noch ein anderes Phänomen, es ist nicht nur die Frage, wie das zubereitet wird – dass zum Beispiel oft Vitamine schon längst rausgekocht sind, dass die Sachen sehr, sehr lange in irgendwelchen Behältern liegen und damit weder schmecken noch, dass sie noch überhaupt irgendwelche gesunden Inhaltsstoffe haben –, aber wir müssen auch mal über das Thema Esskultur reden. Es wird teilweise hastig im Laufen eingenommen. Auch das gehört dazu. (Zuruf von Marcel Falk, SPD) Gehen Sie mal in einige andere Staaten, auch gerade in Europa, wie das da abläuft! Da wird teilweise sogar das Essen in einer ruhigen Atmosphäre an den Tisch gebracht und auch wieder abgeräumt. Ich will jetzt nicht unsere Kinder dazu erziehen, dass sie nicht mehr selber mal den Tisch abräumen oder abwischen, aber ich glaube tatsächlich – auch darüber müssen wir mal reden –, dass das unwahrscheinlich für die Gesundheit auch bedeutsam ist, Essen in Ruhe einzunehmen, ordentlich zu kauen und es nicht runterzuschlingen, denn dann ist es am Ende auch egal, ob Zucker drin ist oder nicht, es ist in jedem Falle ungesund. Es müssen also auch ausreichend Pausenzeiten da sein. (Am Rednerpult leuchtet die rote Lampe.) Und ich werde jetzt erinnert, dass ich auch eine Pausenzeit einhalte. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)

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