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Sandy van Baal

FDP 27.01.2023 Sitzungen 8/44

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Eine gesunde Ernährung ist nur mit körperlicher Betätigung zusammenzudenken. Das wäre der ideale Topos Ihres Antrages gewesen, sehr geehrte Damen und Herren von der CDU, so nach dem Motto „Schnitzel und Sport“. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der SPD und Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Denn Übergewicht von Kindern ist mindestens genauso ein gravierendes Problem wie die Frage, was eigentlich eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist. Viel zu oft kreisen allerdings ideologische Richtungskämpfe darum, was eine gesunde Ernährung für den Einzelnen, aber auch im Allgemeinen ist. Für uns Freie Demokraten ist bei dem Thema klar, vegetarische und/oder trendige vegane Tage in allen Ehren, aber der Schlüssel zur gesunden Ernährung liegt deshalb nicht in gesetzlichen Verordnungen, sondern in einer möglichst umfassenden Information der Verbraucherinnen und Verbraucher. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Bildung, Qualität und Eigenverantwortung sind die Treiber für eine gesunde Ernährung. Deshalb lohnt sich ein Blick in den sogenannten „Schnitzel-Antrag“ der CDU, wie er medial betitelt wurde. Schließlich brauchen Personen verschiedenen Alters unterschiedliche Ernährungsweisen. Das ist einfach ein Fakt und wissenschaftlich erwiesen. Das vom Bund im Kabinett am 21.12.22 beschlossene Eckpunktepapier „Weg zur Ernährungsstrategie der Bundesregierung“ wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft federführend reguliert und kann grüner nicht sein. Hier driften Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Regional, nachhaltig, pflanzenbetont, ressourcenschonend und am besten alles für ein paar Cents – all das ist das weltverbessernde Credo einer selbstgerechten Denkweise elitärer Politik, die die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger hier bei uns im Land völlig außen vor lässt. Am Ende des Tages muss doch gesunde Ernährung auch bezahlbar bleiben. Auf der Waagschale liegt also ein ordentliches Pfund Ansprüche einerseits und das Filetstück einer soliden Preisgestaltung andererseits. (Torsten Koplin, DIE LINKE: Auch ein Pfund?!) Mehr als ein Pfund. Die Gewichte, die es bei einer gesunden Ernährung in Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen abzuwägen gilt, sind also, wer zugehört hat, erstens Bildung, zweitens Qualität und drittens Eigenverantwortung. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP) Mit einer Politik des erhobenen Zeigefingers kommen wir bei dem Thema „gute Ernährung“ einfach nicht weiter. Die Bürgerinnen und Bürger müssen mitgenommen werden. Das Ziel sollte sein, die Menschen zu befähigen statt zu gängeln, sich mit ihrer Ernährungsweise einfach kritisch selbst auseinanderzusetzen. Wir Freien Demokraten vertreten Entscheidungsfreiheiten. Dass eine Befähigung schon bei den ganz Kleinen gelingen kann, zeigen didaktische, spielerische Umgangsweisen mit Ernährung, Körper und dem eigenen Wohlbefinden. Kinder und Jugendliche brauchen spezifische Unterstützungsbedürfnisse, um einen autonomen Erkenntnisgewinn über gesunde Ernährung zu gewinnen. In Vollverpflegungseinrichtungen wie Kitas und Schulen benötigen die Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer umfassende Qualifizierung zu dem Thema. Ich weiß in dem Kitabereich persönlich, dass das gut funktioniert hier bei uns. Je frühzeitiger Ernährungswissen vermittelt wird und vor allem attraktive Bewegungsangebote geschaffen werden – das fehlt mir hier ein bisschen in der ganzen Diskussion –, wo auch die Eltern eingebunden werden, umso selbstbestimmter werden auch unsere kleinen Bürgerinnen und Bürger durch Ernährungsbildung. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Zweiter Punkt, ganz wichtig: Qualität. Hohe Qualität in Vollverpflegungseinrichtungen darf nicht mit Bioquoten verwechselt werden. Es sollten möglichst alle Kinder und Jugendliche mit einem gesunden und vielseitigen Angebot erreicht werden. Das gelingt neben höchster Qualität nun leider auch mal über den Preis, und die gegenwärtige Inflation lässt jedem Caterer von Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen den Kochlöffel aus der Hand fallen, wenn ich das mal so anmerken darf. Als Freie Demokraten fordern wir in einer liberalen Gesellschaft, individuelle Vorlieben einfach zu respektieren. Gerade in der multikulturellen Breite an Ernährungsgewohnheiten ist ein toleranter Umgang der gemeinsame Tisch, an dem alle Bürgerinnen und Bürger aus Mecklenburg-Vorpommern ihren Platz finden. (Thore Stein, AfD: Schön gesagt.) Finde ich auch. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Als Freie Demokraten warnen wir davor, konventionelle Landwirte nicht zum Umstieg auf den Ökolandbau zu drängen, weil mit der geringeren Flächeneffizienz eine noch stärkere Inflation bei den Lebensmitteln einhergeht. Wir wünschen uns viel mehr, innovative Food-Start-ups in Mecklenburg-Vorpommern zu fördern, (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Christiane Berg, CDU) um die regionalen Produktionsketten und ein vielfältiges Warenangebot von der Säuglings- und Kinderernährung über die Betriebskantine bis zum Supermarktregal neu zu denken. Wir haben die Intention Ihres Antrags wohl verstanden, wir haben in der Fraktion auch heiß diskutiert – ich habe gewonnen. Wir stimmen dem Antrag zu. (Beifall und Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP – Heiterkeit und Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD)

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