landtag-mv.de ↗

Anne Shepley

GRÜNE 08.12.2022 Sitzungen 8/40

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Kunst und Kultur sind für alle da, für Menschen mit und ohne Behinderungen. Doch allzu oft kommt Teilhabe immer noch an ihre Grenzen: im Rollstuhl auf die mobile Toilette beim Festival, mit Sehbehinderung ins Museum oder mit Hörbeeinträchtigungen ins Theater – Barrieren gibt es viele. Doch barrierefrei Kultur zu genießen, ist mehr als der reine Zugang ins Gebäude. Es geht darum, wie wir mit und ohne Behinderung Kunst und Kultur gemeinsam gestalten können. Dazu heißt es in der UN-Behindertenrechtskonvention: „Die Vertragsstaaten treffen geeignete Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft.“ Und um dieses Ziel zu erreichen, wurde das Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes pik für inklusive Kunstpraxis ins Leben gerufen. Kulturinstitutionen sollen befähigt und bestärkt werden – wir haben es heute schon mehrfach gehört –, künstlerisches Personal mit Behinderungen einzustellen. Jeder kennt die Kunstsparten von Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Hier wird getöpfert, gezeichnet und gebaut, doch wirken Menschen mit Behinderungen hier in Sondersystemen abseits der allgemeinen Kulturszene. Dabei gehören sie doch genau dorthin, nämlich mittenrein in eine Kulturszene, die natürlich auch von Vielfalt lebt, die, je größer, je bunter, je breiter sie aufgestellt ist, auch uns als Gesellschaft größer tragen kann und uns mehr bereichern kann. Eine inklusive Kultur spiegelt unsere diverse Gesellschaft wider. Die Sichtweisen, die Fähigkeiten und die Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen eröffnen neue Perspektiven und regen den künstlerischen Prozess an, der dann wieder allen zugutekommt, ob es das Hornkonzert oder der Galeriebesuch ist. Eine moderne Kulturpolitik greift die gesellschaftlichen Veränderungen auf und unterstützt die Inklusion. Wir haben gestern über das Budget für Arbeit gesprochen und auch darüber, dass Menschen mit Behinderungen sowie ihre Arbeitgeber/-innen Begleitung brauchen, wenn sie erstmalig auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen. Das pik-Programm ermöglicht Menschen mit Behinderungen genau das. Sie erhalten selbstgewählte Mentor/-innen und werden auf ihrem künstlerischen Werdegang begleitet, von Aufstiegschancen bis hin zu Führungspositionen im Kulturbetrieb. Die Mentor/-innen stammen aus der Praxis und sind selbst Kurator/-innen, Dramaturg/-innen und Künstler/-innen mit Behinderung. Die erste Hürde besteht darin, überhaupt an dem Programm teilzunehmen. Und deswegen, liebe FDP-Fraktion, danke ich Ihnen recht herzlich für diesen Antrag, der genau darauf abzielt, bereits an dieser Stelle Barrieren abzubauen und Menschen mit Behinderungen darüber zu informieren, dass es diese Möglichkeiten gibt, sie dann gezielt bei der Antragstellung zu unterstützen und auch das Teilhabemanagement in Mecklenburg-Vorpommern auszubauen. Wir und ich können diesen Antrag nur vollumfänglich unterstützen. Wir freuen uns sehr, dem heute zustimmen zu können, und danken Ihnen, dass Sie das auf unsere Tagesordnung gebracht haben. (Beifall vonseiten der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

Alle Reden von Anne Shepley Protokoll ↗