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Anne Shepley

GRÜNE 08.12.2022 Sitzungen 8/40

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Auch ich werde versuchen, von meinem Redeskript abzuweichen, weil ich kann mich da Herrn Glawe nur anschließen: Meinen herzlichen Dank an die Ministerin und an die Landesregierung, dass wir jetzt hier eine Lösung auf dem Tisch haben! Das habe ich mir natürlich erhofft, und ich glaube, da können wir uns alle gemeinsam drüber freuen, dass wir zumindest die Anschlussfinanzierung für dieses Haus gesichert haben. Und vor allem möchte ich hier vielleicht noch mal hervorheben – über die Arbeit des Hauses wurde auch schon berichtet –, ich glaube, der Ansatz, den wir hier sehen, dass wirklich im Bereich Kindesmissbrauch die Behörden und die einzelnen Puzzleteile der Aufarbeitung, der Klärung des Tatverhaltes zusammenarbeiten, und zwar so zusammenarbeiten, dass das Kind, das Kindeswohl im Mittelpunkt auch einer Ermittlung stehen, das ist was ganz Besonderes. Denn natürlich haben wir ein Strafrecht, und natürlich will das Strafrecht ganz genau wissen, wer war die oder der Täter, wie ist es alles gewesen. Und bestimmte Behörden müssen natürlich darauf bestehen, dass auch ein korrektes Ermittlungsverfahren passiert. Und das können wir nur manchmal oder in vielen Fällen wird es so gemacht, dass Kinder retraumatisiert werden, dass Kinder Sachen durchleben müssen, die ihnen im Childhood-Haus in gewisser Weise erspart bleiben. Und das ist ein ganz wichtiger Ansatz. Und ich glaube, wir müssen diese interdisziplinäre Geschichte nehmen, und wir müssen daraus lernen für viele andere Bereiche. Wir dürfen natürlich jetzt auch nicht dabei stehen bleiben, dass wir sagen, wir haben ein Childhood-Haus, das ist was ganz Tolles, und es ist auch superwichtig für Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben jetzt eins. Wir haben gerade gehört, Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg, Schwerin, da können wir jetzt sagen, da können Kinder hinkommen. Aber was mache ich, wenn ich in Vorpommern sitze? Was mache ich, wenn ich auf Rügen bin? Wir haben gerade die Fallzahlen gehört. Wir wissen, dass die Dunkelziffern viel, viel höher sind als das, was wir auf unseren Zetteln haben, egal, ob Frau Drese jetzt drei weniger und ich zwei mehr auf meinem Zettel habe, das spielt keine Rolle, weil es Kinder geben wird, die da gar nicht auftauchen. Und wenn wir wirklich diesen Ansatz weitertragen wollen, dann dürfen wir nicht bei diesem einen Childhood-Haus stehen bleiben, dann verlange ich von uns als Parlament, dass wir in den kommenden Jahren auch Lösungen finden, dass wir Anlaufstellen in den anderen Landkreisen, in anderen sozusagen Zentren finden, dass wir dieses Modell weitertragen. Denn es kann einfach nicht sein, dass ein Kind, was dann einfach in einem anderen Landesteil so eine schreckliche Erfahrung machen muss, nicht diesen Ansatz sozusagen – davon „profitieren“ ist das falsche Wort –, aber sozusagen, dass diesen Kindern das dann nicht zugutekommen kann. Das, finde ich, ist ein Weg, den wir gehen sollten. Und ich möchte auch nicht unerwähnt lassen, dass wir natürlich auch in Sachen Kinderschutz im Land noch viele andere Schritte vor uns haben. Uns fehlt noch der oder die Kinderschutzbeauftragte – haben wir noch nicht. Wir haben Kinderrechte noch nicht in der Landesverfassung vollständig verankert. Das sind alles noch Schritte, die wir gehen müssen. Ich freue mich ganz sehr über diesen Erfolg, aber lassen Sie uns bitte dabei nicht heute stehen bleiben, sondern lassen Sie uns immer daran denken, dass leider, leider der Weg bis zu einer besseren Situation noch ein ganz weiter ist. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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