Petra Federau
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kindesmisshandlung und der sexuelle Missbrauch von Kindern sind grausamste Straftaten, bei denen die Täter, sofern sie gefasst und verurteilt werden, spätestens nach einigen Jahren wieder auf freiem Fuß sind, während das missbrauchte und misshandelte Kind quasi lebenslänglich bekommen hat, da die traumatischen Erlebnisse fast nie vollständig verarbeitet werden und einen das gesamte Leben begleiten. Meine Damen und Herren, am 16.09. erschien in der SVZ ein Artikel über das Childhood-Haus in Schwerin mit der Überschrift „Kein Kind muss mehr zur Polizei, ins Krankenhaus oder zum Friedhof“. Sie hören richtig: zum Friedhof! Denn bis vor Kurzem musste ein Kind, welches hier und in den umliegenden Landkreisen Opfer von sexueller und körperlicher Gewalt wurde, zum Zwecke der forensischen Untersuchungen auf den Friedhof in Schwerin, da sich dort in der Trauerhalle die Rechtsmedizin befindet. Als vor circa zwei Jahren im Jugendhilfeausschuss der Landeshauptstadt Schwerin die Ziele der Childhood Foundation und die Möglichkeit der Errichtung eines Childhood-Hauses in Schwerin vorgestellt wurden, war allen sofort klar, dass die Landeshauptstadt alles daransetzen muss, eine solche professionelle Einrichtung nach Schwerin zu holen. Für diejenigen, die nicht wissen, was ein Childhood-Haus leistet, zitiere ich Herrn Dr. Matthias Bernhard. Er ist Ärztlicher Leiter der Interdisziplinären Kinderschutzgruppe des Departments für Frauen- und Kindermedizin und Oberarzt der Neuropädiatrie der Unikinderklinik. Ich zitiere: „Im Mittelpunkt steht das missbrauchte und misshandelte Kind und nicht der Untersucher, Arzt, Polizist, Richter oder Rechtsanwalt. Es gibt natürlich rechtliche Rahmenbedingungen, die erfüllt werden müssen. Es darf aber nicht geschehen, dass weiterhin in unserem Land Kinder, die bereits durch den Missbrauch schwersttraumatisiert wurden, durch vermeidbare Belastungen, wiederholte Untersuchungen, Befragungen in dazu nicht kindgerechten Umgebungen immer wieder und wieder zu traumatisieren.“ (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Meine Damen und Herren, wir wissen, wie oft es zu Endlosdiskussionen zwischen Politik und Verwaltung kommt, aber hier waren sich alle einig, die Chance, die durch die finanzielle Unterstützung sowie Expertise der World Childhood Foundation auftat, zu nutzen und für eine schnelle Umsetzung der Willensbekundung in die Tat zu sorgen. Im April dieses Jahres konnte dann die Einrichtung unter der Trägerschaft der Landeshauptstadt Schwerin eröffnet werden, die als hoch professionelle Einrichtung Missbrauchsopfern weit über die Stadtgrenzen hinweg zur Verfügung steht. Meine Damen und Herren, wir hätten uns, wie sicher jeder von Ihnen hier, gewünscht, dass bis heute kein einziges Kind oder Jugendlicher das Childhood-Haus jemals hätte aufsuchen müssen. Aber selbst als Realist bin ich entsetzt über die Zahl von 67 Fällen – 67 Schicksale seit April, 67 Mal lebenslänglich für die Opfer. Meine Damen und Herren, dass zahlreiche Gespräche zwischen der Einrichtung, der Stadt und den Ministerien stattgefunden haben, zeigt uns allen, dass auch hier die Wichtigkeit und Notwendigkeit dieser Einrichtung gesehen wird. Dazu schreibt das Sozialministerium auf seiner Webseite, ich zitiere: „Das Childhood Haus Schwerin eröffnete im April dieses Jahres als erstes seiner Art in Mecklenburg-Vorpommern. Es geht auf eine internationale Initiative der World Childhood Foundation zurück. Die Einrichtung betreut Kinder und Jugendliche, die Opfer von körperlicher sexualisierter Gewalt sind. … ‚In Deutschland geht es den meisten Kindern gut. Sie sind ausreichend ernährt und ihre Gesundheitsfürsorge ist gesichert. Und doch – das wissen wir alle – gibt es Schattenseiten. Das Childhood Haus zeigt wegweisend auf, wie die Betreuung in einer Anlaufstelle für von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche in einem geschützten Raum aufgebaut werden kann.‘ Die Einrichtung schaffe über die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Polizei, Justiz, Medizin, Psychologie, Kinder- und Jugendhilfe einen sicheren Ort für die Nachsorge und Aufarbeitung erlebter Straftaten und vereine alle wichtigen Hilfen, so“ Frau „Drese.“ Zitatende. Meine sehr geehrten Damen und Herren, da die Finanzierung dieser in M-V einmaligen Einrichtung aber vorerst nur noch bis Mitte des kommenden Jahres gesichert ist, bedarf es jetzt dringend einer Zusage zur Kofinanzierung durch das Land, um die wegweisende und professionelle Hilfe für missbrauchte Kinder zu sichern, und genau dieses soll unser heutiger Antrag voranbringen. Wir danken für Ihre Unterstützung. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
