Horst Förster
Ja, vielen Dank, Herr Professor Northoff! Es ist ja wohltuend, wie ruhig Sie jetzt erwidert haben gegenüber den doch sehr lebendig emotionalen Erklärungsversuchen der Ministerin. (Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE) Aber es ist doch falsch, wenn Sie sagen, dass unsere Sprache nur die männliche Form kennt. Das stimmt einfach nicht. Unsere Sprache ist über Jahrhunderte so gewachsen, dass wir das generische Maskulinum gebrauchen, wenn es nicht auf das biologische Geschlecht ankommt. Wenn wir von Einwohnern dieses Landes sprechen, dann kommt da niemand auf die Idee, (Zuruf von Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) dass unsere weiblichen, unsere Töchter, unsere Frauen da nicht mitzählen. Das wird uns doch eingeredet. (Zuruf von Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und Sie sehen doch, wie schwer es ist, selbst, wenn man Ihnen folgt, wie schwer das ist, die Sprache in dem Sinne anzupassen. Es geht nur, wenn Sie jetzt verkünsteln, wenn Sie viele, wenn Sie dann im Grunde – wie es hier geschieht – das Partizip substantivieren. Und da muss man sich doch fragen, ob das sinnvoll ist, ob das nicht das Gegenteil ist eines vernünftigen Sprachwandels, ob das überhaupt notwendig ist in einer Gesellschaft, die so fortgeschritten ist wie wir. Gleichberechtigung stellt niemand infrage. Ich habe drei Töchter, ich wäre doch nie auf die Idee gekommen, denen eine andere Ausbildung zukommen zu lassen als einem Sohn, wie es vielleicht früher mal war. Wir leben doch voll gleichberechtigt. Wir rennen nicht mit der Burka rum, (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Julian Barlen, SPD: Aah! – Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Und was ist mit Gender-Pay-Gap?) wir kennen keinen Ehrenmord, wir sind eine freie, tolle Gesellschaft! Müssen wir uns einreden lassen, bei dem Werbespruch, den ich erwähnte, dass es da heißen müsse „Fragen Sie Ihren Arzt oder Ärztin oder Ihre Apothekerin und Apotheker“? Es funktioniert nicht, es funktioniert einfach nicht, es sei denn, Sie tun dieser Sprache Gewalt an und müssen beim Sprechen nachdenken, wie es denn richtig sein könnte. (Julian Barlen, SPD: Das wäre mal eine Idee eigentlich. – Heiterkeit bei Ministerin Stefanie Drese – Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE) Und wenn Sie diesen Leitfaden mal sehen, den auch hier im Lande wir haben, wenn Sie den mal sehen, wie gekünstelt das ist: Sie dürfen nicht mehr sagen, jeder darf kommen – halt, falsch, da ist ja, jede fehlt –, dann soll ich also sagen, alle sollen kommen. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD – Julian Barlen, SPD: Bravo! – Jeannine Rösler, DIE LINKE: Genau. – Zurufe von Torsten Koplin, DIE LINKE, und Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sie müssen ständig sich kontrollieren, was politisch korrekt ist. Und das ist das Gegenteil einer freien liberalen Gesellschaft, es ist im Grunde ... Und wenn Sie die Öffentlich-Rechtlichen erwähnen, natürlich, die haben Einfluss.
