Anne Shepley
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Seniorinnen und Senioren sind aufgrund ihrer Erfahrungen und über Jahre erworbenen Fähigkeiten Expert/-innen für Themen, die Generationen betreffen. Sie engagieren sich ehrenamtlich im ländlichen Raum, in Sportvereinen, in Nachbarschaftshilfe, bei kulturellen Projekten oder der Unterstützung im Alltag. Kurz, ohne ihre Beteiligung könnten die regionale Daseinsvorsorge oder der soziale Zusammenhalt in unserem Land kaum aufrechterhalten werden. Die Kultur des Zuhörens und Mitmachens im Land und in den Kommunen wird stark von den Seniorinnen und Senioren geprägt. Wir wollen die stärken, denn es ist gut und wichtig, dass es Menschen gibt, die die Arbeit der Vertretung und Verwaltung kritisch begleiten und sich nötigenfalls zu Initiativen zusammenschließen. Echte Teilhabe bedeutet, die ältere Generation mit diesem Verantwortungsbewusstsein ernst zu nehmen und in Entscheidungen frühzeitig mit einzubeziehen, gerade auch dann, wenn sie eine kritische Haltung einnehmen. Dies gilt auch für politische Mitbestimmung und die Wahrnehmung demokratischer Rechte von Seniorinnen und Senioren im Landesseniorenbeirat, im Altenparlament und im Falle der GRÜNEN-Partei beispielsweise bei Organisationen wie den Grünen Alten. Herzliche Grüße! Erst kürzlich tagte Letzteres, das Altenparlament, und stellte in zahlreichen Anträgen und Beschlüssen zukunftsweisende Aspekte für uns alle auf. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle den Antrag „Für eine lebenswerte Zukunft für Alt und Jung“. Generationenübergreifend fordert das Altenparlament hier die Integration von Klimafragen in alle Aufgabengebiete und die Zusammenarbeit der Ministerien. Nicht nur die Bürgerbeteiligung, sondern auch die verstärkte Berücksichtigung der Auswirkungen des Klimawandels bei politischen Entscheidungen sowie in der Verwaltung müssen laut Altenparlament mehr ins Zentrum rücken. Und ich kann ganz klar sagen, dass wir GRÜNE hier eindeutig an der Seite der älteren Generation stehen. Eine nachhaltige Welt, die zukunftsfähig ist und lebenswert auch für die nachfolgenden Generationen, ist Kern unseres politischen Handelns. Insofern danke ich dem Altenparlament für diese Initiative, denn Demokratie lebt von Mitbestimmung. Senior/-innen sollten nicht nur alle paar Jahre an die Urne gebeten werden, sondern Projekte, die sie betreffen, mitentscheiden können. Wir setzen uns in Mecklenburg-Vorpommern für mehr Partizipation und politischen Dialog auf Augenhöhe ein. Deshalb wollen wir die Zulassungshürden für Volks- und Bürgerbegehren auf Landesebene vereinfachen. In den letzten 30 Jahren sind die Bürger/-innen in Mecklenburg-Vorpommern erst zweimal an die Wahlurne getreten, um mittels eines Volksentscheides direkt über einen Gesetzentwurf abzustimmen. Volksbegehren haben in unserem Land kaum eine Chance, weil dafür 100.000 Unterschriften gesammelt werden müssen. Wir sind der Meinung, dass bereits fünf Prozent der Wahlberechtigten für ein erfolgreiches Volksbegehren ausreichen sollten. Wer sich ehrenamtlich und politisch engagiert, braucht dafür aber nicht nur Zeit, eine Ressource, über die Seniorinnen und Senioren dankenswerterweise verfügen – ich entschuldige mich, das stimmt natürlich nicht, Mama, Papa, ich weiß, ihr habt nie Zeit –, aber wer sich engagiert, braucht dafür natürlich auch einen freien Rücken und Unterstützung. Die ältere Generation trägt viel in diesem Land und ist auf der anderen Seite aber auch auf unsere Unterstützung angewiesen. Nur wer finanziell, gesundheitlich und sozial selbstbestimmt lebt, hat die Kraft, sich einzubringen. Dazu gehört natürlich auch – wir sprachen in einer der letzten Debatten davon – die landesweite Umsetzung seniorenpolitischer Gesamtkonzepte, wo ich nur noch mal appellieren kann, dass wir das gemeinsam mit den Kommunen auf den Weg bringen, wo noch nicht geschehen. Deswegen ist es unsere Aufgabe und auch die meiner Fraktion, das Leben für Seniorinnen und Senioren insbesondere im ländlichen Raum attraktiv zu halten. Wir wollen keine aussterbenden Dörfer und Umsiedlung älterer Menschen in die Städte. Wir wollen ein Mecklenburg-Vorpommern, in dem Jung und Alt Seite an Seite zusammenleben. Jeder sollte das Recht haben, in dem Haus in Würde zu leben und zu sterben, das er im Laufe seiner Jahre gebaut und bewohnt hat. Aber dafür muss die Infrastruktur nicht abgebaut, sondern aufgebaut werden. Wir müssen die medizinische Versorgung und die Mobilität von Senior/-innen sicherstellen. Dabei müssen wir sowohl in der Stadt, aber auch und gerade auf dem Land kurze Wege sicherstellen. Dafür brauchen wir kompakte Siedlungsstrukturen, eine ausgewogene Nutzungsmischung sowie eine wohnortnahe Ausstattung mit Versorgungs-, Freizeit- und Erholungsangeboten. Nutzen wir die Chance, die Mecklenburg-Vorpommern in sich birgt! Lassen Sie uns die Infrastruktur so gestalten, dass junge Menschen und Familien zu uns ziehen und ältere Menschen in Würde hier gemeinsam mit allen altern können! Wir freuen uns über jede Initiative der Senior/-innen, auch darüber, dass sie die Enquete-Kommission „Jung sein in M-V“ aktiv unterstützt haben. Wir stehen in diesem Land vor generationenübergreifenden Herausforderungen, die wir nur gemeinsam lösen können. Der älteren Generation danke ich für ihr Engagement. Wir stehen fest an ihrer Seite. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
