Henning Foerster
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das Handwerk ist auch in Mecklenburg-Vorpommern unbestritten ein ganz wichtiger Bestandteil der Wirtschaftslandschaft. Es ist stark traditionell und gleichzeitig innovativ in vielen Geschäftsfeldern tätig. Mehr als 20.000 Handwerksbetriebe bieten dabei Jobs für rund 100.000 Beschäftigte. Und Tradition bedeutet hier eben nicht, rückwärtsgewandt unterwegs zu sein. Wenn man sich die Seite „Handwerk-MV“ einmal anschaut, dann liest man dort von bisher mehr als 460.000 Innovationen und dem Selbstverständnis, eine treibende Kraft für die Entwicklung wachsender Branchen, auch übrigens den erneuerbaren Energien oder der Gesundheitswirtschaft, zu sein. Und insofern ist es gut, dass es auf dieser Sitzung auch einen Austausch zu unterschiedlichen Handwerksthemen im Plenum gibt. Der rote Faden, der sich durch alle drei AfD-Anträge zieht, ist letztlich die Fachkräftesicherung im Handwerk. (Beifall Enrico Schult, AfD) Das ist ein Thema, über das man in der Tat auch sehr intensiv diskutieren kann und muss, doch nicht allein im Handwerk. Das Problem von fehlenden Fachkräften ist natürlich viel breiter und hat mittlerweile – das haben wir ja beim vorhergehenden Tagesordnungspunkt schon gehört – auch alle Branchen und Unternehmen erfasst. Und genau da liegen auch ein bisschen meine Bauchschmerzen mit Blick auf die präsentierten Lösungsvorschläge der AfD-Fraktion. Ich will im Folgenden mal versuchen, das zu begründen. Am Montag kamen die neuesten Ausbildungszahlen für das Berichtsjahr 2021/22. Im Berichtszeitraum Oktober 2021 bis Ende September 2022 waren demnach 6.138 Jugendliche in den regionalen Arbeitsagenturen als Bewerberinnen und Bewerber gemeldet, und von diesen waren Ende September aus verschiedensten Gründen noch 365 ohne Ausbildungsvertrag. Im gleichen Zeitraum wurden 11.159 Ausbildungsplätze gemeldet. 1.542 offene Ausbildungsstellen konnten bis Ende September nicht besetzt werden. Wenn man jetzt genauer eintaucht in dieses Zahlenwerk, dann stellt man fest, dass die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber weiter sinkt: minus 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und die Zahl der gebotenen Ausbildungsplätze steigt um 4 Prozent. Jetzt habe ich mir mal angeguckt, was sind eigentlich die top 5 der unbesetzten Ausbildungsplätze, und dann gesehen, das sind Verkäuferinnen und Verkäufer, Köche und Köchinnen, Hotel- und Restaurantfachleute sowie Kaufleute im Einzelhandel, und auf Platz 7 folgen dann die Kfz-Mechatroniker. Insofern würde ich mal feststellen, dass die AfD ein Thema aufgemacht hat, welches definitiv auch das Handwerk betrifft, aber wie Sie eben an der Darstellung ersehen konnten, eben nicht nur. Und so sehr ich auch mit den landestypischen und kulturprägenden Handwerksberufen sympathisiere, so systematisch falsch ist es meiner Meinung nach, sich einer Branche zu widmen oder sich einen einzelnen Beruf herauszupicken und dort dann mit Steuergeldern die Ausbildungskosten in den Unternehmen zu senken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Vertreter anderer Branchen dann irgendwann nämlich mit Recht die Frage stellen würden: Und was ist mit uns? Was ist beispielsweise mit den Gastronomiebetrieben? Weil auch ein Koch im 1. Lehrjahr stellt sich ja nicht hin und kann dann direkt alle Schichten übernehmen und Menüs in Spitzenqualität zaubern. Auch der muss ja das Kochen erst mal lernen, genauso wie der Brauer das Bierbrauen. Eine Ausbildung – das will ich mal festhalten – ist aus unserer Sicht grundsätzlich eine Investition von Unternehmen in die Zukunft. Und wie bei jeder Investition amortisiert diese sich natürlich auch erst nach einem Zeitraum XY. Und deshalb ist die Ausbildung auch im Handwerk zunächst einmal ureigenste Aufgabe der Unternehmen. Das Land fördert allerdings schon etliche Dinge – das will ich auch erwähnen – seit vielen Jahren, zum Beispiel die Fachkräftekampagne. Das ist auch gut und richtig so. Aber jetzt für ausgewählte Handwerksunternehmen einen Teil der Ausbildungskosten zu übernehmen, ist zwar gut gemeint, aber zumindest aus unserer Sicht nicht gut überlegt, weil das schafft automatisch anderswo Ungerechtigkeiten, die man dann auch nur noch schwer erklären kann. Meine Damen und Herren von der AfD, deshalb sehe ich auch die Forderung nach 30.000 Euro Prämie für die Fortbildung zum Restaurator im Handwerk kritisch, denn auch hier haben Sie sich jetzt eine Gruppe herausgegriffen und wollen dort mit Geld das Interesse von Meisterinnen und Meistern im Handwerk für eben diese Ausbildung ganz konkret wecken. Erwähnt wird im Antrag auch nicht, dass es bereits auch diverse Bildungsprämien und Fortbildungsunterstützungen gibt. Und auch an dieser Stelle wäre dann die Frage von anderen Branchen berechtigt, warum diese üppige Prämie dann nicht auch beispielsweise bei den großen Problemen in der Gastronomie ausgereicht wird, etwa für den Koch, der sich zum Commis de Cuisine oder zum Küchendirektor fortbildet. Meine Damen und Herren, aus meiner Sicht zeigt sich am Beispiel dieser Anträge, dass die rot-rote Koalition mit der in Auftrag gegebenen regionalspezifischen Arbeitsmarktanalyse und Fachkräftestrategie hier systematisch besser auf dem Weg ist. Ich gehe davon aus, die wird auch in konkrete Maßnahmen münden, und dann können wir hier gern weiterdiskutieren. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
