Reinhard Meyer
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Heute ist Donnerstag und deswegen gibt es auch eine Donnerstagsrede, Herr Schult. Ich habe mich so ein bisschen gefragt, was ich mit den Anträgen anfangen soll. Natürlich ist es wichtig, das Handwerk zu stärken, keine Frage, und natürlich ist es richtig in der Analyse, wie in vielen anderen Bereichen auch, dass es Nachwuchsprobleme gibt im Handwerk. Und die entscheidende Frage ist, wie begegnet man dem. Dem begegnet man nicht, indem man eine Neiddiskussion führt und sagt, die einen bekommen Geld, die anderen möglicherweise nicht. Das führt uns nicht weiter. Aber jetzt mal in diese konkreten Anträge hineingegangen, ist es aus meiner Sicht sehr schwierig, wenn man die Nachwuchssicherung dadurch machen will, dass man sagt, eine bestimmte Berufsgruppe im Handwerk und die entsprechenden Unternehmen werden mit Geld unterstützt. Und das führt dann automatisch dazu, dass wir dann mehr Auszubildende haben in diesem Bereich. Das wird nicht, (Zuruf von Martin Schmidt, AfD) das wird nicht funktionieren, meine Damen und Herren, mal abgesehen davon, dass ich dann erklären muss dem einen Handwerksbetrieb, warum bekommt der andere Handwerksbetrieb entsprechende Gelder, verlorene Zuschüsse, und der Handwerksbetrieb, mit dem ich spreche, der aber jetzt zufälligerweise keinen kulturprägenden Beruf für Mecklenburg-Vorpommern, was übrigens auch noch zu definieren wäre, oder nicht gerade Restaurator im Handwerk ist, der bekommt dann keine Förderung. Das halte ich für schwierig. Aber jetzt kommen wir mal auf das Kernproblem. Das Kernproblem ist ein anderes. Sie gehen davon aus, dass wir ein Angebotsproblem haben – haben wir aber nicht, sondern wir haben ein Nachfrageproblem. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Wenn wir uns mal die Zahlen angucken der Auszubildenden, die wir gerade aktuell zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit vorgestellt haben, über alles, dann haben wir über 11.000 betriebliche Ausbildungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern, die geschaffen worden sind im letzten Jahr. Und ein großes Lob an die Wirtschaft insgesamt, aber auch insbesondere noch mal ans Handwerk, weil die Zahl der Ausbildungsstellen nehmen zu, der Angebote! Und wir haben auf der anderen Seite – ich hatte über die 11.000 gesprochen – etwas mehr als 6.000 Bewerberinnen und Bewerber für diese Ausbildungsplätze, also fast die Hälfte nur. Die geht übrigens zurück, die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber. Und dann ist es, glaube ich, der falsche Weg, erst mal so vorzugehen, dass man sagt, wir geben den Unternehmen Geld, und dann werden die Auszubildenden da schon hinkommen, sondern wir müssen uns gemeinsam mit dem Handwerk darüber Gedanken machen, wie Handwerk attraktiver wird, wie wir mehr Auszubildende in die Handwerksberufe bekommen und wie wir das gemeinsam hinbekommen. Und deswegen machen wir ja entsprechende Förderung und auch Kampagnen zusammen mit dem Handwerk, a) für Ausbildung, b) für das Thema Karriere, „Karriere im Handwerk“, das ganze Thema „Meister/Meisterausbildung“, das entsprechend zu unterstützen mit Programmen wie „Besser ein Meister“ und anderes. Das sind die entscheidenden Punkte, wo wir sagen, wir müssen direkt an diejenigen, die sich für das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern interessieren, ran und das dann gemeinsam mit den Unternehmen machen. Bitte nicht umgekehrt, weil dann kommt man auch schnell sozusagen in den Verruf, dass man eine bestimmte Klientelpolitik machen will. Das unterstelle ich Ihnen auch gar nicht an der Stelle, aber das führt nicht zum Erfolg. Was zum Erfolg führt, ist – und das macht das Land auch und ich bin ein großer Freund davon –, dass wir das Handwerk vor allen Dingen bei den überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen, den sogenannten ÜLU unterstützen. Diese überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen sind vor allen Dingen für die kleinen Handwerksunternehmen gedacht, die nicht ein ganzes Ausbildungsangebot im Betrieb haben, sondern wo wir über die ÜLU die Möglichkeit schaffen, dass die Auszubildenden dort hingehen. Das sind in der Regel überbetriebliche Ausbildungszentren des Handwerks, wo übrigens genau definiert wird, welche Ausbildungsberufe besonders nachgefragt werden, sodass wir über die Handwerkskammern direkt in diesen Ausbildungszentren auch die Möglichkeit haben, die beruflichen Dinge zu steuern. Und dazu gehören auch Kooperationen, dazu gehören auch genau die Berufe, die stilprägend sind für die Kultur hier im Lande, die Sie genannt haben, Bootsbauer, Segelmacher, Dachdecker, Drechsler, Sattler et cetera, dass diese Berufe von den Handwerkskammern ausgehend auch angeboten werden, und das werden sie. Jetzt mache ich eine Ausnahme: Bei den Bootsbauern ist es so, dass wir die Kooperation haben mit dem Berufsbildungszentrum des Handwerks in Lübeck auf dem Priwall, weil die für fast ganz Norddeutschland die Bootsbauer ausbilden, aber auch das ist entsprechend geregelt. Und noch mal, der Anreiz muss bei denjenigen ansetzen, die solche Berufe ergreifen wollen. Das ist der entscheidende Punkt. Und da sind wir bei den Themen der dualen Ausbildung, das stärker zu fördern, in der Schule beginnend, aber auch immer wieder darauf hinzuweisen, dass man jetzt nicht, und das höre ich immer wieder bei der AfD, dann gleich wieder ins Gegenteil schlägt und das Studium gegen einen soliden Handwerksberuf, das gegeneinander ausspielt. Zur Karriere gehört auch das duale Studieren, die Möglichkeiten, die wir an vielen Stellen haben. Der Kollege Backhaus verweist immer wieder auf die Hochschule in Neubrandenburg, die in ihren Spezialbereichen hoch anerkannt ist und solche Spezialangebote macht. Und das, meine Damen und Herren, ist das ganze Mosaik, das wir bedienen müssen, um die Ausbildungssituation, die Fachkräftestrategie in Mecklenburg-Vorpommern zu verbessern. Und – Frau Enseleit ist jetzt nicht im Raum – da ist niemand überfordert, sondern wir sind gemeinsam mit der Wirtschaft dabei, ganz konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Das werden Sie alles im nächsten Jahr erleben und dann können Sie das ja entsprechend beurteilen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Vielleicht noch ganz kurz zu den Restauratoren, zunächst mal zu den Zahlen: Wir haben dort keine Registrierungsverpflichtung, und deswegen haben wir so wenige Zahlen von denjenigen, die sich freiwillig dort melden. Die Zahlen sind weitaus höher, wenn wir mal in die Ausbildungszahlen hineingucken, aber, wie gesagt, das kann man nicht zu 100 Prozent dann feststellen. Wir haben nur offiziell elf Einträge, Herr Schult, das ist richtig, aber wir haben eine hohe Dunkelziffer von denjenigen, die im Handwerk die Zusatzweiterbildung, die Zusatzausbildung zum Restaurator machen. Und auch hier kann ich nur sagen, wir bieten wie für andere Weiterbildungsangebote/Qualifizierungsangebote über die Qualifizierungsrichtlinie ganz konkrete Förderung durch das Land heute schon an. Die kann natürlich auch für die Restauratoren mit in Anspruch genommen werden. Einen Punkt gibt es, den ich auch gerne anregen würde, weil ich das dann als Finanzminister, der dafür zuständig war, vor einem guten Jahr nicht mehr realisieren konnte. Wir müssen natürlich auch junge Menschen dafür begeistern, an konkreten Denkmälern zu restaurieren. Und wir haben ja auch die Zuständigkeit für – jedenfalls das, was das Land angeht – die Schlösser und Gärten. Und ich stelle immer wieder fest, dass wir genau mit konkreten Objekten – ob in Ludwigslust, in Güstrow, woanders, Schloss Ludwigsburg, da wird es ja noch vieles zu tun geben in der Zukunft – junge Menschen dafür gewinnen können, an konkreten Denkmälern zu arbeiten als Restauratoren. Die Italiener machen das übrigens ganz einfach, ich habe das im Sommerurlaub mal erlebt. In einer Stadt wie Lecce in Apulien, barocke Stadt, da gibt es Sommercamps, und da kommen aus ganz Europa und darüber hinaus junge Menschen im Sommer hin, um ganz konkret an Denkmälern zu arbeiten, und machen das als Praktikum. Das ist also gar nicht so, dass man jetzt großartig Geldmittel sozusagen akquirieren muss, sondern da wird ein Programm darum gemacht, ein Sommercamp. Und so gewinnt man junge Menschen, glaube ich, für das Thema Restaurieren. Und ein solches Projekt – bei all dem, was wir hier in Mecklenburg-Vorpommern haben – kann ich mir auch gut vorstellen, dass wir das mit anregen. Wir nehmen das jedenfalls noch mal mit, um genau in diesem speziellen Berufsfeld wirklich was voranzubringen. Ja, meine Damen und Herren, langer Rede kurzer Sinn, ich habe darauf hingewiesen, dass wir schon viele Angebote haben. Wir sollten keine speziellen Berufsgruppen im Handwerk herausstellen und da die Förderung mit Geld hingeben. Das wäre mein Kommentar zu beiden Anträgen. – Vielen Dank!
