Reinhard Meyer
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! In der Tat, das Thema Fachkräftesicherung ist eine der größten Herausforderungen, die wir in Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten Jahren zu bewältigen haben, und deswegen ist es richtig und wichtig, dass die Landesregierung sich auf den Weg gemacht hat, mit Freude, wie Herr Foerster das gerade festgestellt hat, eine Fachkräftestrategie für Mecklenburg-Vorpommern zu entwickeln. Und ich sage ganz deutlich, gerade weil junge Menschen hier im Publikum sitzen, gerade jeder und jede wird gebraucht in der zukünftigen Arbeitswelt in Mecklenburg-Vorpommern. Jeder und jede hat die Chance auf einen guten Arbeitsplatz in Mecklenburg-Vorpommern. Das war vor 10/15 Jahren zum Teil noch anders, aber das hat sich radikal geändert, und deswegen müssen wir alles dafür tun, dass wir gerade auch jungen Menschen und älteren Menschen in Mecklenburg-Vorpommern die Chance geben, sich über Arbeit zu verwirklichen und einen Arbeitsplatz hier im Lande anzunehmen. Was ganz wichtig ist dazu natürlich, dass wir nicht nur auf einzelne Gruppen schauen, sondern dass wir eine Fachkräftestrategie, eine Gesamtstrategie haben. Wir brauchen, wir können auch als Politik nicht alle Probleme lösen, sondern wir brauchen natürlich Unternehmerinnen und Unternehmer dazu, um gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln, die ganz praktisch auch dazu führen, dass wir bei diesem Thema weiterkommen. Das Ganze leitet sich ab aus den Handlungsempfehlungen des industriepolitischen Konzeptes, die schon in der letzten Legislaturperiode entwickelt worden sind, und jetzt geht es natürlich um das Thema Umsetzung. Wie können wir in den Betrieben – und das ist nach wie vor der Schwerpunkt –, wie können wir da die Fachkräfte sichern und gewinnen? Wenn wir Gespräche führen mit Investoren, die gerne nach Mecklenburg-Vorpommern kommen wollen, dann, sage ich immer wieder, hat sich auch da das Bild sehr verändert. In früheren Zeiten hat man häufig zuerst über die Fördermöglichkeiten gesprochen. Heute reden die Unternehmen als Allererstes, die erste Frage an das Land Mecklenburg-Vorpommern lautet, bekommen wir noch die Fachkräfte, die wir brauchen, um unsere Produktion, unser Unternehmen hier in Mecklenburg-Vorpommern anzusiedeln. Und ich kann Ihnen sagen, das ist in Teilen nicht immer ganz einfach zu beantworten. Aber es ist auch eine große Chance, wenn wir entsprechend handeln, und das wollen wir tun. Wir haben im Mai begonnen mit einem Expertenbeirat, in dem viele Akteure vom Arbeitsmarkt dabei sind, eine solche Fachkräftestrategie in Beratungen zu beginnen. Es hat unterschiedliche Workshops gegeben seitdem zum Thema „Qualifizierung, Weiterbildung“, zum Thema „attraktive Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber“, zum Thema „Stärkung der dualen Berufsausbildung“, zum Thema „Fachkräfte von außerhalb gewinnen“ und natürlich auch „Fachkräfte in Zukunftsfeldern“, was generell das Thema „Zukunft der Arbeit“ angeht. Wir haben hieraus bereits erste Erkenntnisse, die ziemlich deutlich sind, dass wir verschiedene Maßnahmen dann auch weiterentwickeln müssen, die Etablierung einer Willkommenskultur, wenn Sie über das Thema Zuwanderung sprechen. Dazu gehört aber ganz praktisch die Verbesserung der Anerkennung und Durchlässigkeit von Berufsabschlüssen, da macht Deutschland sich manchmal insgesamt das Leben schwer. Wir müssen über die Berufsschullandschaft reden. Wir müssen die Berufsorientierung weiter aufrechterhalten und verbessern. Wir brauchen eine Kampagne für die duale Berufsausbildung. Wir müssen soziale Kompetenzen vermitteln und wir brauchen generell – und da bin ich mir mit meiner Kollegin Frau Oldenburg vollkommen einig –, wir brauchen auch mehr Möglichkeiten, Berufspraxis in den Schulen zu vermitteln, insbesondere über Praktika, weil natürlich es so ist, dass der Weg nicht nur zum Studium führt über die Schule, sondern auch in die duale Berufsausbildung. Und gerade mit Blick auf die nächste Debatte, wir müssen auch Karrierechancen über die duale Ausbildung deutlich machen, gerade jungen Menschen, weil eine Karriere im Handwerk ist genauso viel wert wie ein Studienabschluss. Das müssen wir auch in die Köpfe hineinbringen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Rainer Albrecht, SPD: Jawoll!) Zu dem Antrag: Ich halte ihn für sehr gelungen. Wir werden uns natürlich mit der Zielgruppe der Akademiker, der – wie habe ich das gelernt bei der Bundesagentur für Arbeit in Rostock, die solche Beratungen machen an den Hochschulen – Studienzweifler … Das ist natürlich auch ein Ausfluss dessen, was wir jahrelang erlebt haben, dass vielleicht in der Schule zu viel auf das Studium hingearbeitet worden ist, geworben ist, (Martin Schmidt, AfD: Sehr richtig! Sehr richtig!) und dann sind die jungen Menschen im Studium und haben dann Schwierigkeiten, und genau da müssen wir sie abholen. Ein Problem, Herr Foerster, habe ich allerdings mit dem Begriff der „älteren Akademiker“. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht – die rote Lampe leuchtet hier schon –, ist das jetzt „30 plus“, „40 plus“. Da werden wir sicherlich noch mal eine genaue Definition finden. Aber ich sage auch hierzu, wir werden diese Zielgruppe in die beauftragten Studien, Prognos-Gutachten, Arbeitsmarktanalyse Fachkräfte miteinbauen und wir werden natürlich auch über Praxisbeispiele reden, wie Sie das über Brandenburg genannt haben. – Vielen Dank, meine Damen und Herren! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
