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Sandy van Baal

FDP 09.11.2022 Sitzungen 8/35

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Vielen Dank an alle Mitmenschen in unserem Land und an alle Kolleginnen und Kollegen heute hier, die den Antisemitismus regelmäßig mahnend, erinnernd und lehrend in unseren gesellschaftlichen und politischen Alltag stellen! Die Nacht vom 9. auf den 10. November gehört zu den beschämendsten und glücklichsten Momenten der deutschen Geschichte. 1938: Deutschland zeigte sein hässlichstes Gesicht in Bezug auf Humanität, Zivilisation, Anstand und Freiheit. 1989 zeigte Deutschland sein schönstes Gesicht in Bezug auf Humanität, Zivilisation, Anstand und Freiheit. Die Geschehnisse von 1938 waren auch für sich ein Schlag in das Gesicht von Humanität, Zivilisation und Anstand, dass wir uns an dieses Datum immer wieder erinnern sollten. Warum? Es wird nie genug sein, sich mit den Erinnerungen aus dieser Nacht auseinanderzusetzen. Die Debatten, welche über den Nutzen dieser Erinnerungskultur geführt werden, sind für meine Fraktion und für mich nicht inhaltslos. Warum? Eine Gesellschaft kann ohne Gedächtnis und ohne Erinnerung nicht leben, existieren vielleicht, aber nicht leben. Ohne Erinnerung zu leben bedeutet, ohne Identität und damit ohne Orientierung zu leben. Wenn wir nicht blind in die Zukunft gehen wollen, sollten wir wissen, woher wir kommen, besonders jetzt, da die Generationen, die das sogenannte Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt haben, in die gesellschaftliche und politische Verantwortung nachgerückt sind. Warum erinnern? Aus Respekt vor den Opfern, aus Respekt vor deren Nachkommen und aus Respekt vor uns selbst. Wer aufrichtig sein möchte, sollte sich seiner ganzen Geschichte stellen – der guten Zeiten und der schlechten Zeiten. Sich dem beschämendsten Teil der Geschichte nicht zu stellen, finde ich nicht zielführend. „Wehret den Anfängen!“ – Worte des römischen Dichters Ovid übrigens, jetzt im Sprachgebrauch oftmals der NS-Zeit zugeschrieben. Wehret den Anfängen! Wir haben es in der Hand, uns vor bedenklichen, nicht demokratischen politischen Entwicklungen zu schützen. Wie? Indem wir darüber sprechen, daran gedenken, es in Geschichten weitertragen, indem wir erinnern, indem wir aus der Vergangenheit lernen und indem wir hier und heute und für die Zukunft unsere Lehren daraus ziehen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

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