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Philipp da Cunha

SPD 06.10.2022 Sitzungen 8/33

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Vor einigen Jahren schlug ein KI-Projekt namens Watson zwei menschliche Experten im beliebten Spiel Jeopardy. Dieses Kunststück war eine große Sache, da es zeigte, dass eine Maschine wettbewerbsfähig denken und Entscheidungen wie ein Mensch treffen kann. Es zeigte auch, dass KI viel näher an der Ausführung von Aufgaben war, von denen früher angenommen wurde, dass ausschließlich Menschen diese vorbehalten sind. Künstliche Intelligenz ist definiert als die Fähigkeit einer Maschine, die Aufgaben eines Menschen zu erfüllen. Meine Damen und Herren, ich muss an dieser Stelle gestehen, den Part eben habe ich nicht selber geschrieben, den hat eine Künstliche Intelligenz geschrieben. Den habe ich mit wenigen Schlagworten gefüttert, um eine KI selber zu beschreiben. Künstliche Intelligenz oder eben maschinelles Lernen ist nichts anderes als der Versuch, anhand von vorhandenen Daten, daraus abgeleiteten Mustern bereits bekannte Entscheidungen auf neue Sachverhalte anzuwenden. Der Einsatz von KI oder anderen ähnlichen Algorithmen ist aber immer nur so gut wie die Datenbasis und so, wie der Mensch die Rahmenbedingungen vorgegeben hat. Dabei gilt ganz klar, KI muss immer den Menschen und der Gesellschaft dienen und nicht andersrum. Beispiele aus anderen Ländern zeigen auch gerade im behördlichen Umfeld, dass man mit dem einfachen Einsatz von KI bei Entscheidungsprozessen eben keine Sachbearbeiter einfach so ersetzen kann. Wenn bei einer Auswahl medizinischer Behandlungsmethoden sozial Schwächere automatisch auch durch eine KI benachteiligt werden, weil in der Vergangenheit teure medizinische Behandlungen auch nur von wohlhabenden Mitbürger/-innen in Anspruch genommen wurden, oder wenn in einem Krankenhaus – so geschehen, ich glaube, im vergangenen Jahr – ein Bonus ausgezahlt wird und die KI entscheidet, dass nur die Mitarbeiter der Verwaltung diesen Bonus bekommen, dann frage ich mich bis heute, was dort der Entscheidungsgrund war. Oder wenn die Überprüfung der Berechtigungen zum Kindergeld in einem europäischen Land, einem Nachbarland, auf einmal zum Desaster wird, weil plötzlich extrem viele berechtigte Familien auf die schwarze Liste kommen und dann extrem hohe Rückzahlungen bilden müssen, dann merkt man, dass der Einsatz von KI nicht immer dem gewünschten Ziel entspricht und diese Technologie noch nicht Allheilmittel ist und einfach so Innovationen in allen Bereichen schafft. Big Data beziehungsweise Data Science bietet ebenfalls Chancen und Risiken. So sind wir doch alle angehalten, möglichst wenige private Daten zu veröffentlichen, und gleichzeitig horten vor allem große private Unternehmen terabyteweise Daten. Mit Blick auf das Zentrum für Künstliche Intelligenz bei uns im Land hat sich dieses vor allem als Schnittstelle bewährt, als Schnittstelle zwischen Lehre, Forschung und dem Transfer in andere Bereiche. Ihr Antrag, werte Kolleg/-innen, (Marc Reinhardt, CDU: Ist super!) gibt die aktuelle Situation aber nur unzureichend wieder. Das Zentrum wird aus EFRE-Mitteln finanziert und nicht unmittelbar aus Landesmitteln gefördert, und auch eine Finanzierung als Teil des KI-Clusters ist vorgesehen, so, wie schon berichtet wurde. Und gerade mit so einem Joint Venture mit einer Beteiligung der Firmen bieten sich ganz neue Möglichkeiten. (Marc Reinhardt, CDU: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.) Darüber hinaus ist das Thema „Künstliche Intelligenz“ in nahezu allen Hochschulen bei uns im Land bei den verschiedensten Professuren bereits berücksichtigt. Das Interesse von Studierenden mit weit über 2.000 in diesen Fachbereichen ist auch da. Im Wissenschaftsausschuss wurde im Mai auch deutlich, wie weit wir hier im Land sind, und auch über die erfolgreichen Transferleistungen, gerade auch bei unserem Land die insbesondere mittelständischen und kleinen Unternehmen, wie erfolgreich sie sind, ebenso bei den großen. Im Bereich der Medizintechnik, der Landtechnik, aber auch der Unterwassertechnik laufen Arbeiten zum Einsatz von KI – alles Punkte, die sich auch in der Regionalen Innovationsstrategie für Intelligente Spezialisierung bereits wiederfinden. Auch die KI-Strategie wird aktuell durch das WKM erarbeitet. Nicht nur sehen wir das Potenzial in dem Thema, wir arbeiten bereits auch daran, fahren aber einen anderen Ansatz als Sie in Ihrem Antrag. An dieser Stelle möchte ich meinem Kollegen Dirk Stamer danken, der als wissenschaftspolitischer Sprecher das Thema KI seit Monaten und länger hochhält (Marc Reinhardt, CDU: Wo genau macht er das? – Zuruf von Daniel Peters, CDU) und gerade auch beim Thema des Zentrums für Künstliche Intelligenz dort ganz eng begleitet und es auch voranbringt. Der Wirtschaftsminister hat es vorhin ebenfalls gesagt, das Ziel besteht darin, ein übergeordnetes Zentrum zu finanzieren, an dem die Wirtschaft beteiligt ist und wodurch wir eine noch stärkere Verzahnung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft bekommen, denn so ein wichtiger Transfer, der kann gerade auch durch die Beteiligung des Zentrums für die Künstliche Intelligenz funktionieren. Und die ja hoffentlich entstehenden Projekte sollen Vertrauen in die Technik und das Interesse an den Möglichkeiten und Chancen bieten. Wir unterstützen die Idee des Antrages, dass hier weiterhin ein Austausch ermöglicht werden muss. Neue Technologien werden und müssen Einzug halten in unseren Alltag. Dies bedarf einer ausreichenden vorbereitenden Unterstützung. Wir lehnen den Antrag ab. (Heiterkeit bei Harry Glawe, CDU) Und gleichzeitig können wir auch weiterhin aufzeigen, wie weit wir im Bereich KI hier schon in Mecklenburg-Vorpommern sind. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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