Harry Glawe
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir haben einen Antrag der Koalitionäre für ein gutes Leben im Alter. Und dem ist grundsätzlich erst mal nichts entgegenzuhalten. (Rainer Albrecht, SPD: Sehr gut!) Ich will aber zumindest zwei/drei Dinge vorwegführen. Es ist richtig, dass wir einen demografischen Wandel in Mecklenburg-Vorpommern haben und dass 35 Prozent der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern über 60 Jahre alt sind. Das ist sozusagen eine Tatsache. Und wir liegen, in der Regel liegen wir fünf Jahre vor allen anderen Bundesländern in Deutschland. Das heißt, bei uns sind also die Probleme oder auch die Herausforderungen immer zuerst da, bevor andere Länder teilweise auch von Mecklenburg-Vorpommern dann lernen können. Meine Damen und Herren, wir haben natürlich auch als CDU die Vereine, die Strukturen im Land Mecklenburg-Vorpommern im Auge. Die Wohlfahrt, aber auch der Städte- und Gemeindetag, der Landkreistag, die Vereine und Verbände sind gut aufgestellt. Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder auch Herausforderungen. Eines will ich allerdings hier mal sagen: Seniorentrainer – also nach meiner Meinung mindestens 20 Jahre und länger schon im Land ausgeübt. Und Frau Bomplitz ist ja sozusagen die Person gewesen, die damals hier in Schwerin dafür geworben hat, dass insgesamt also Seniorentrainer einerseits finanziert werden und andererseits eben auch die Menschen in die Lage versetzt werden, die Betreuung und alles das, was um das Leben – auch in den alleinstehenden Häuslichkeiten, wir haben ja ein Drittel Haushalte, die von einer Person nur bewohnt werden –, das heißt also, auch dieses Thema ist ja schon nicht neu. Und das weiß die Ministerin auch. Und ich denke, dass es auch Frau Klingohr weiß. Wir haben natürlich … (Christine Klingohr, SPD: Nichts anderes haben wir gesagt.) Wissen Sie nicht? (Christine Klingohr, SPD: Nichts anderes haben wir gesagt.) Dann habe ich es Ihnen, dann habe ich es Ihnen noch mal gesagt. (Christine Klingohr, SPD: Ja, danke! Sehr gut!) Also ich bin ja jetzt zwei Tage länger als Sie hier vielleicht, und von daher kann ich aus meinem Allzeitgedächtnis die Dinge aufrufen. Da brauche ich nicht lange nachzuschlagen. Meine Damen und Herren, es wird natürlich so sein, dass das Ehrenamt viele Herausforderungen hat. Wir brauchen eine Strukturierung, und ich sage auch, der runde Tisch ist, denke ich, auch eine Möglichkeit, mit allen gesellschaftlichen Kräften in eine Diskussion einzutreten. Ich würde aber auch empfehlen, dass man den Städte- und Gemeindetag und den Landkreistag mit heranzieht, denn dort sind in besonderer Weise auch die Seniorenbeiräte aktiv, ob das vom Landkreis ist oder bei den Gemeinden ist, die sind heute schon relativ sehr intensiv auch bei den Stadtbegehungen et cetera dabei oder bei den Gemeindevertretungen, den Gemeindebegehungen et cetera, und bringen da durchaus ihre Anmerkungen ein, um die regionale Infrastruktur dann auch auf den Weg zu bringen. Das Altenparlament ist ein Instrument, das seit Jahren, denke ich, auch gelebt wird, und die Senioren sind da im Altenparlament durchaus sehr aktiv und haben viele Forderungen an die Politik, sodass wir also auch immer damit konfrontiert sind, die Herausforderungen wahrzunehmen. Meine Damen und Herren, ich will nicht gegen Digitalisierung sprechen, es ist auch für Senioren wichtig, mit der modernen Welt mitzuhalten. Es gibt viele Interessierte, natürlich gibt es auch andere, die das nicht so, sage ich mal, frönen. Aber das Angebot, denke ich, ist richtig, dass man darüber nachdenkt. Entscheidend ist aber immer wieder, dass wir Personen finden, die einerseits im Namen der Menschlichkeit agieren, den Zusammenhalt propagieren, soziale Kontakte stärken und vor allen Dingen auch Nachbarschaftshilfe leben. (Beifall Horst Förster, AfD) Das ist ja eines der größten Probleme, dass viele Menschen gar nicht gesehen werden. Die sind dann in der Häuslichkeit, die sind abgeschirmt von draußen und haben wenig Kontakte. Und das ist die Vereinsamung, die eben auch stattfindet. Und da müssen wir uns auch neuen Alternativen, sage ich mal, insgesamt stellen. Meine Damen und Herren, die Enquete-Kommission „Älter werden in Mecklenburg-Vorpommern“ hat natürlich schon auch Voraussetzungen geschaffen. Und wir brauchen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Und das ist ja auch das, was vielleicht Frau Drese sagt, sie hat nicht genügend Mitarbeiter, die insgesamt die Dinge voranbringen. Aber ich sage Ihnen auch, wir haben eigentlich kein Erkenntnisproblem. Wir haben eher das Problem eines Umsetzungsproblems. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und am Ende geht es auch immer um Geld, das muss man klar sagen, denn ohne Geld wird man das eine oder andere nicht bewegen können. Das heißt aber nicht, alles auf einmal, sondern wir brauchen Prioritäten, und darüber, glaube ich, kann man am runden Tisch auch das eine oder andere Problem dann noch mal diskutieren. Wir sind insgesamt dabei, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu definieren, denn ich glaube, es gibt einige Dinge, die auch am runden Tisch durchaus noch diskutiert werden sollten. Das will ich hier noch mal ausrufen, worum es uns als Christdemokraten vor allen Dingen geht. Wir wollen ein gutes Leben im Alter, wie alle, glaube ich, hier im Raum. Da, glaube ich, gibt es eine völlige Einigung und auch gar keine gegenseitigen Verdächtigungen, dass man das nicht will. Wir brauchen aber die Punkte Gesundheit und Pflege, eines der entscheidenden Themen, mit denen sich auch dieser runde Tisch beschäftigen sollte. Die Sicherstellung der wohnortnahen Versorgung in den Quartieren ist wichtig, auch die Frage, wie kriegen wir Ehrenamtler dazu, die Fachkräfte zu unterstützen, denn ohne Ehrenamt wird die gesamte Gesellschaft dies gar nicht leisten können, weil das dann auch über die Finanzkräfte geht, aber auch über die Ausbildung. Und von daher werden auch die Kosten in der Pflege eine entscheidende Rolle spielen müssen, denn das kann der runde Tisch nicht ausblenden. Natürlich brauchen wir auch einen grundsätzlich präventiven Ansatz. Gesundheitliche und pflegerische Versorgung ist, denke ich, ein Thema, das immer wieder diskutiert werden muss. Und was wichtig ist für die ländlichen Räume, meine Damen und Herren, ist natürlich der ÖPNV. (Beifall Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir müssen doch immer sehen, in den Städten ist die Infrastruktur noch da, (Marc Reinhardt, CDU: Sehr richtig, Harry!) aber in der Fläche ist die Herausforderung da. (Marc Reinhardt, CDU: Sehr richtig!) Und jetzt könnte ich mal Beifall gebrauchen hier, meine Damen und Herren, (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) sonst schlafen mir alle ein hier! (Marc Reinhardt, CDU: Gut, das wollen wir nicht.) Nein, genau, das ist ein entscheidendes Thema. (Zuruf von Minister Dr. Till Backhaus) Also die Erreichbarkeit, Ausbau von Verbindungen und natürlich die Finanzierung, das ist auch, deswegen ist es ja auch wichtig, dass wir den Landkreistag und den Städte- und Gemeindetag dabeihaben. Das Seniorenticket ist angesprochen worden und auch die Ehrenamtskarte. Das sind Dinge, die weiter ausgebaut werden sollten nach den jeweiligen Möglichkeiten, die man hat. Von daher will ich sagen, wir werden dem runden Tisch nicht im Weg stehen für ein gutes Leben im Alter – die SPD ist ja sowieso für alles Gute, gute Arbeit, gute Löhne, gutes Leben und so weiter und so weiter. Also Sie haben ja immer „gut“ davor. Das ist ja sozusagen, glaube ich, Ihre neue Strategie. Mal sehen, wie lange das alles hält. Das müssen wir, wird die Zukunft zeigen. Aber grundsätzlich, glaube ich, versuchen Sie, Ihren Wahlkampf, den Sie vorheriges Jahr gewonnen haben, noch weiter mit „gut“ zu definieren. Aber andererseits will ich sagen, wir werden uns jetzt dem runden Tisch nicht verwehren, aber wir werden in dieser Sache uns enthalten, denn die Mehrheiten sind ja klar im Raum. (Julian Barlen, SPD: Revolutionär!) Ja, ich weiß, dass Sie revolutionär sind. Das ist doch klar, ne? Herr Barlen, dafür sind Sie bekannt. (Zurufe von Julian Barlen, SPD, und Marc Reinhardt, CDU) So, und jetzt bin ich am Ende. – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)
