landtag-mv.de ↗

Harry Glawe

CDU 05.10.2022 Sitzungen 8/32

Ja, das werdet ihr gleich sehen, welche Brille ich nehme. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ich habe auch noch eine!) Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ja, das Thema „Long Covid und seine Folgen – Versorgung, Forschung und Beratung für die Betroffenen“ ist, denke ich, ein wichtiges Thema, das vor allen Dingen deswegen so wichtig ist, weil Spätfolgen oder Postfolgen in sechs oder in vier Monaten nach der akuten Erkrankung oftmals dann mit Schwäche, mit Gleichgewichtsstörungen oder Gangstörungen beginnen. Das heißt, die Dinge, die man eigentlich im akuten Stadium dann behandelt hat, treten dann teilweise auf. Frau Kollegin Klingohr hat ja schon die jeweiligen Auswirkungen auf Lunge, Herz, Nieren, ZNS oder auch die Belastbarkeit angesprochen. Das ist alles richtig beschrieben. Und wir brauchen natürlich Multiteams, die unterschiedliche Dinge von Ärzten über Psychologen bis hin auch zu Physiotherapeuten et cetera dann ausmachen. Wir brauchen die Akutbehandlung. Wir müssen vor allen Dingen einerseits die Diagnostik weiter vorantreiben, zweitens die Forschung vorantreiben und drittens auch denjenigen helfen, die in der Reha-Landschaft dann am Ende auch zu Umschulungen oder zu Dingen dann ausgebildet werden, da sie oftmals ihren erlernten Beruf auf Dauer nicht mehr durchführen können. Also darauf muss die Gesellschaft insgesamt vorbereitet sein. Und von daher, glaube ich, ist es richtig, dass wir in diesem Hohen Hause hier auch eine große Geschlossenheit an den Tag legen, um Long Covid und seine Folgen dann auch wissenschaftlich begleiten zu lassen. Und da ja auch eine Evaluierung da mitangebunden sein wird, brauchen wir natürlich auch gute Argumente, um am Ende die Finanzierung über die Kassen und damit über Bundesgesetzgebung dann sicherzustellen. Meine Damen und Herren, 20-Jährige bis 50-Jährige und vor allen Dingen Frauen erkranken an Long Covid öfter als Männer. Wir sind sehr daran interessiert als CDU-Fraktion, dass wir tatsächlich diese sogenannten Leuchtturmprojekte auch umsetzen. Ich will darauf hinweisen, dass wir als CDU-Fraktion ja auch und in der Regierungsbeteiligung damals auch die Fragen von Nierenforschung et cetera vorangetrieben haben. Das alles sind Dinge, die auch über den MV-Schutzfonds gefördert worden sind. Und auch die jetzigen Dinge, die einerseits an die Universitätsmedizin nach Greifswald gehen, haben ja einen Umfang von 2,5 Millionen Euro circa. Es kommt jetzt auch nicht auf eine Kommastelle an. Und es geht darum, dass für die nächsten drei Jahre dann auch die Forschung insgesamt dort vorangetrieben wird. Und der Name ist ja schon gefallen, Frau Professor Steinmetz. Von daher, glaube ich, ist das ein richtiger Weg in die richtige Richtung. Und die Ministerpräsidentin hat ja jetzt am 1. Oktober auch das Institut für Long Covid besucht und damit das Signal gesetzt, dass also auch in diesem Bereich dann Gelder bereitgestellt werden sollen. Das sind 353.000 Euro, wie Frau Klingohr oder Frau Ministerin es vorgetragen haben. Es geht vor allen Dingen darum, auch zu gucken, wie kommen wir insgesamt, wenn wir Forschung betreiben, auch zu den Ansätzen, was ist da wichtig. Wir brauchen einerseits Marker, die dazu dann auch herangezogen werden, um nötige Faktoren zum Beispiel zu entwickeln, um die Gründe von Long Covid weiter zu untersetzen und damit auch der Forschung den Weg zu öffnen, dann über die Fragen der Kosten … (Zuruf aus dem Plenum: Fünf Minuten!) Bitte? Fünf Minuten? Ich habe länger als fünf Minuten, Herr Kollege! Jedenfalls ist es so, dass wir bei der Frage uns insgesamt als CDU, denke ich, da sehr kooperativ zeigen. Und die Grundlagenforschung ist ein Sinnbild dafür, dass wir am Ende dann auch zu der Frage kommen werden, können wir das dann auch in die Praxisforschung überführen. Und da bietet sich ja Miltenyi zum Beispiel in Teterow an. Das sind erfahrene Leute, die also auch diese Grundlagenforschung mit unterstützen können, um am Ende angewandte Medizin daraus zu entwickeln. Und das Institut für Long Covid hat ja Frau Dr. Frommhold gegründet. Da geht es auch um die Frage grundsätzliche Biomarker, aber auch um die Frage, wie kommen wir insgesamt bei Long Covid weiter in der Entwicklung. Meine Damen und Herren, wir sind grundsätzlich für diesen Antrag, der ja im Finanzausschuss eine klare Mehrheit gefunden hat. Und wir werden auch mit Blick auf die Sitzung, die im Landtag ja für November angesagt ist … Im Übrigen ist es ja im ganzen Land Mecklenburg-Vorpommern zumindest in der Wissenschaft bekannt, das ist nichts Neues, und von daher ist das auch nicht überraschend. Meine Damen und Herren, entscheidend wird sein, dass wir einerseits dann auch Marker und vor allen Dingen Medikamente entwickeln, die Long Covid entgegenstehen. Dazu hat Mecklenburg-Vorpommern hervorragende Voraussetzungen. Natürlich wird es auch andere Universitäten geben in Deutschland, die daran auch fördern und forschen. Wir sollten aber gerade diesen Weg einschlagen, da wir zwei Universitäten haben, die einen sehr guten Ruf haben. Und wir haben hier im Land auch Unternehmen, die durchaus angewandte Forschung auf den Weg bringen. Wir haben festzustellen, dass 90 Prozent der Patienten im arbeitsfähigen Alter – und das ist oftmals zwischen 20 und 50 Jahren – Probleme haben, die also in der Akutphase eher als gesund entlassen worden sind, aber dann doch die Fragen immer wieder auftauchen: Schwäche, Leistungsfähigkeit eingeschränkt, Motorik nicht immer in Ordnung et cetera. Also da geht es auch um die Frage, wie kriegen wir insgesamt in der Reha-Landschaft dann auch die weitere Versorgung gesichert. Wir brauchen eine interne disziplinäre Vernetzung, also ambulant/stationär. Dann brauchen wir natürlich entsprechende Versorgungsstrukturen, die dann auch die Betreuung und die Nachsorge et cetera weiter begleiten. Und die sektorenübergreifende Versorgung steht ja allgegenwärtig auch hier in der zu bildenden Regierungskommission auf der Tagesordnung. Wir haben heute, denke ich, die Aussprache, die für den November dann, denke ich, relativ klare Verhältnisse bringen wird. Wir brauchen einen klaren Fahrplan, wir brauchen landesweite Strukturen, die jetzt ja mit den Universitäten und Instituten vorhanden sind. Wir brauchen die Unternehmen dazu, wir brauchen die Wissenschaft dazu. Und entscheidend ist, dass wir jetzt zu einer Entscheidung kommen. Da will ich durchaus auch dem Finanzminister Respekt zollen, dass er in dieser Frage Wort gehalten hat, denn vor einem halben Jahr haben wir die Dinge diskutiert, noch vor dem 4. Mai, als wir hier im Ausschuss die Dinge zur Anhörung hatten. Und von daher gilt also mein Dank auch dem Finanzminister, der am Ende ja immer auf die Kassenlage schaut. Und am Ende ist es natürlich so, dass Frau Drese und Frau Ministerpräsidentin die Dinge auch begleitet haben. Es ist richtig vorgetragen worden, dass die Arbeit am Ende im Sozialministerium geleistet werden musste. Aber ich denke, wir haben hier jetzt eine gute Grundlage, um Long Covid und Post Covid einerseits im Rahmen der Diagnostik, im Rahmen der Therapie, aber auch im Rahmen von Forschung, Entwicklung bis hin zur Reha-Landschaft auf den Weg bringen zu können. Es ist eine Herausforderung für die Gesellschaft, es ist eine Herausforderung für die Wissenschaft und es ist natürlich auch eine Herausforderung für dieses Parlament. In dem Sinne sehe ich also der Entscheidung im November sehr positiv entgegen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

Alle Reden von Harry Glawe Protokoll ↗