Martin Schmidt
Ja, selbstverständlich! Also natürlich, ich habe es ja auch erwähnt, es gibt Probleme in der russischen Wirtschaft, das ist völlig klar. Wir haben ihnen geschadet. Aber mein Petitum ist immer, wir schaden uns viel mehr. Und wenn Sie solche Zahlen, Bruttoinlandsprodukt und Wirtschaftswachstum und so was, vorbringen, dann sind das ja erst mal oberflächliche Daten, die gar nicht reinschauen in das reale Leben der Menschen oder das Vermögen der Menschen, also BIP. Sie sind Volkswirt, Sie wissen, wie die Entstehungsrechnung und alles funktioniert. Und natürlich, auch wenn man Inflation hat, dann steigt das nominale BIP natürlich auch mit. Also wenn wir jetzt acht Prozent mehr Löhne beispielsweise nominell erhöhen für die Leute im öffentlichen Dienst, dann heißt das ja nicht, dass sie automatisch acht Prozent „mehr reicher“ sind – in Anführungszeichen –, sondern dass sie gerade so die Inflation ausgleichen können. Das zum einen. Und das andere ist ja, das Problem ist, dass wir eine starke Basarökonomie in Deutschland haben, und ich denke, Sie wissen, was das ist. Wir haben keine eigenen Rohstoffe, wir können nicht einfach Erdgas abbauen. Und das könnten wir, glaube ich, mit Fracking. Irgendwie gibt es da solche Messungen, dass es das hier gibt. Es steht aber irgendwie auch nicht in der öffentlichen Debatte. Aber die Russen können das, die können fast alles aus ihren eigenen Rohstofflagern holen. Wir können das nicht. Wir sind auf den Weltmarkt angewiesen, und dort schmieden sich jetzt sozusagen Allianzen, die sich sagen, (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) hm, der Westen steht ganz schön nackt da gerade, da können wir jetzt auch langsam mal unsere Preise erhöhen. In Schwellenländern, in der Dritten Welt, und es gibt da ganz, ganz viele russische Diplomaten, die gerade mit Koffern unterwegs sind und genau das gerade tun, diese Leute gegen uns aufzubringen. Und das, diese Lieferkettenprobleme, das alles wird sich noch verstärken.
