David Wulff
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Dieser Antrag zur Erstellung eines Konzeptes zur Verbesserung im Schulschwimmen, denke ich, ist ein ganz wichtiger Meilenstein in diesem großen, langen Fahrplan, der noch vor uns liegt, um dieses Thema Schwimmen hier im Land bei uns voranzubringen. In Mecklenburg-Vorpommern ist es eigentlich zwangsläufig, man lebt halt nun mal am Wasser, und wenn man nun mal am Wasser lebt, dann ist Schwimmen an dieser Stelle tatsächlich überlebenswichtig. Wir haben jetzt aber vorliegen eine Initiative des Bildungsministeriums, und deswegen bezieht sich das Ganze nur aufs Schulschwimmen und ich komme nachher noch mal darauf. Das Sozialministerium und das Innenministerium haben jetzt auch noch dann demnächst Hausaufgaben und müssen an anderen Stellen noch mal nachziehen. (Minister Christian Pegel: Nein.) Beim Thema Schwimmen hat Corona jetzt die Lage einfach nur noch verschärft. Wir haben die Zahlen gehört, wie viele Kinder nicht schwimmen können. Und in den letzten zwei Jahren, zweieinhalb Jahren mittlerweile, konnte man ja gar nicht vernünftig schwimmen lernen. Aber schon davor hatten wir die ganz großen Probleme und ganz große Defizite bei den Schwimmfähigkeiten unserer Kinder. Und in Mecklenburg-Vorpommern wurde ganz viel gesagt, na ja, man hat ja so viele Seen, da kann man ja auch irgendwie immer draußen schwimmen. Dieses Jahr mögen wir Glück haben, dieses Jahr scheint es ein schöner Sommer zu werden und dieses Jahr scheinen wir die Möglichkeit zu haben, auch draußen viel nachholen zu können. Aber erinnern wir uns noch mal zurück! Wir hatten auch in der Vergangenheit genügend Sommer, genügend Sommerferien, die faktisch ins Wasser gefallen sind, die waren kalt, die waren regnerisch. Und das hatten wir auch alles schon gehabt. Und wenn ich solche Sommer habe oder vielleicht zwei/drei Wochen schönes Wetter, dann schaffe ich das nicht in der Zeit, irgendwie Hunderten von Kindern das Schwimmen beizubringen. Und das, was an Ideen jetzt hier mit drin ist – und da bin ich auch allen Antragstellern dankbar, dass das mit aufgenommen wurde –, die Idee der Kompaktkurse, ist ein methodisches Konzept, wo ich sage, wir kriegen das wirklich in einer komprimierten Woche hin, und ich kann garantieren, innerhalb von einer Woche mit jeweils vier bis fünf Stunden am Tag schaffe ich das, Kindern im Grundschulalter das Schwimmen vernünftig beizubringen. An dieser Stelle – Schwimmen: vernünftig über Wasser halten, sie kommen ins Wasser und sie kommen wieder zurück –, an der Stelle möchte ich noch mal wiederholen oder betonen, sicheres Schwimmen, wie der Kollege Glawe das angekündigt hat, ist natürlich das Ziel. Das, was aber in diesen Grundlagenkursen vermittelt wird, ist tatsächlich eher das Sich-über-Wasser-Halten. Das Thema Technik ist, denke ich, auch immer noch ausbaufähig, aber das muss dann später kommen. Wichtig in diesen Ideenpunkten hier noch mit drin ist vor allen Dingen auch noch mal das Nutzen aller Schwimmhallenkapazitäten. Wir haben die Hotels, wir haben die Rehakliniken, die haben irgendwie kleine 16-Meter-Becken, die haben kleine 12-Meter-Becken, manchmal mit nur einem halben Meter Tiefe. Das ist für einen Erwachsenen zum Schwimmen völlig unbrauchbar, ich habe es probiert, es funktioniert gar nicht, für Kinder funktioniert das aber durchaus, gerade zum Schwimmenlernen. Und das ist eine gute Idee, alle mit einzubeziehen und zu sagen, ja, dann machen wir das hier mal, und die sind ja auch bereit, das Ganze zur Verfügung zu stellen. Bei der Erzieherausbildung das Thema Wassergewöhnung schon mal mit reinzunehmen, das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn wenn Kinder mit sechs/sieben Jahren in so einen Schwimmkurs reinkommen und ich habe vielleicht diesen Kompaktkurs und muss da irgendwie erst mal anfangen, dann brauche ich eigentlich auch Kinder, die keine Angst vorm Wasser haben. Wenn ich erst anfange und mit ihnen erst mal Wassergewöhnung mache, dann verschwende ich Zeit, wichtige Zeit, um technische Grundlagen zu vermitteln. Und deswegen ist es doch so schön, gerade bei kleinen Kindern, die noch den Spieltrieb haben, auch diese Gewöhnung von Wasser mit drinzuhaben, und das ist ganz gut, das in die Erzieherausbildung mit reinzukriegen. Genauso auch bei Grundschullehrern: Die machen ihre Freizeiten, fahren auch in der Horterziehung oder sie fahren halt irgendwohin, fahren gerne ans Wasser – in Mecklenburg-Vorpommern dürfen sie allerdings nicht so weit fahren, das heißt, Wasser ist da immer sehr naheliegend –, und ganz häufig fällt das dann ins Wasser, weil einfach keine Rettungsschwimmer mit dabei sind. So, und wenn wir es schaffen, gerade bei Grundschullehrern viele Rettungsschwimmer, Lehrkräfte mit Rettungsschwimmbefähigung irgendwie mit drinzuhaben, dann kriege ich auch da diesen spielerischen Antrieb doch weiter mit hin. Ganz wichtig an dieser Stelle ist aber zu betonen, wir brauchen Anschlusskonzepte. Denn nur, weil ich mit sechs/sieben Jahren in einer Woche gelernt habe, mich vernünftig über Wasser zu halten, heißt es noch lange nicht, dass ich sicher schwimmen kann, und noch lange nicht, dass es halt vernünftig weitergeht. „MV kann schwimmen“ ist ein Programm im Sozialministerium, hat jetzt hier mit dem Entwurf wenig zu tun, aber auch hier müssen wir zusehen, dass das Sozialministerium dieses Programm dauerhaft weiterführt. Die Schwimmhallenkapazitäten wurden angesprochen, gerade bei den Kommunen. Das wird eine Hausaufgabe fürs Innenministerium sein, da entsprechend voranzukommen, denn wir brauchen eine dauerhafte Festigung der Schwimmfähigkeiten. Herr Schult von der AfD möchte ganz gerne, … (Der Abgeordnete Enrico Schult winkt.) Da! Entschuldigung! … möchte ganz gerne die Eltern mit ins Boot holen. Aber überlegen wir doch mal, wie viele Eltern, wie viele Erwachsene tatsächlich gar nicht mehr in der Lage sind oder auch vernünftig schwimmen können, die auch Angst vor dem Wasser haben. Das ist leider eine Tatsache. Denn das hat der Kollege Albrecht von den LINKEN gesagt, die ganzen Ertrinkungsunfälle, die wir haben, das sind meistens Erwachsene, das sind gar nicht die Kinder. Wir haben ein ganz großes Problem bei den Erwachsenen im Schwimmen, und auch da müssen wir ran. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass wir ein landesweites Schwimmhallenkonzept brauchen. Mindestens jedes Mittelzentrum muss eine Schwimmhalle haben. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP – Enrico Schult, AfD: Sehr richtig! Sehr richtig!)
