Dr. Sylva Rahm-Präger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Forderung besteht in der Festschreibung der Mahd von Grünlandflächen von innen nach außen, um den Wildtieren – hier wird vorrangig von Rehkitzen und Feldhasen gesprochen – die Flucht zu ermöglichen. Es wird dargestellt, dass das Absuchen der Flächen mit Jagdhunden und der Einsatz von Drohnen als Schutzmaßnahmen nicht ausreichend sind, um die Wildtiere im ausreichenden Maße vor den Mähwerken zu schützen, ganz davon abgesehen, dass Sie in Ihrem Lösungsansatz die Festschreibung der Mahd von außen nach innen beschreiben. Also wie gesagt, Sie haben im Lösungsansatz geschrieben, dass Sie die Mahd von außen nach innen haben möchten, und ich würde mir wünschen, dass Sie bei einem so wichtigen Thema im Prinzip Lösungsansatz und Gesetzesentwurfstext auch wirklich übereinstimmend darstellen. Nun zum Inhalt Ihres Antrages: Rehkitze und Feldhasen schützen sich vor Feinden, indem sie sich flach an den Boden drücken, um nicht bemerkt zu werden. Der Lärm des nahenden Mähwerks und die Vibration am Boden verstärken diesen Reflex. Das Kitz oder der Feldhase werden, egal, von welcher Seite das Mähwerk kommt, immer liegenbleiben. In vielen Gesprächen mit Landwirten wurde berichtet, dass während des Mähens, also auch mit Umweltverbänden, keine Flucht von Jungtieren zu beobachten war. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sie verwechselt jetzt Kitze mit Orchideen!) Es ist ein großes Problem, das seitens der Landwirte und Jagdverbände seit Langem erkannt wurde und wo intensiv nach Lösungen gesucht wird. Es gibt Versuche, menschliche Kleidung auf den Flächen am Vorabend des Mähens zu verteilen, analog von Vogelscheuchen. Es gibt die Bemühungen, die Flächen am Vorabend mit Jagdhunden abzusuchen und die Kitze an den Seitenstreifen zu tragen, alles mit mäßigem Erfolg, da die Kitze ihrem Instinkt folgend wieder auf die Fläche in das hohe Gras zurückkehren. Der Flug mit Drohnen, ausgestattet mit Wärmebildkameras, bietet heute die größten Erfolgschancen, die Tiere zu retten. Letzte Woche am Donnerstag wurden in der Zeit von 04:00 Uhr morgens bis 07:00 Uhr auf einer Fläche von 35 Hektar Grünland in der Gemarkung Poseritz neun Kitze geborgen. Dies ist der guten Zusammenarbeit von Landwirten und Jagdverband zu danken. Das Problem besteht darin … (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Zögerlich, aber da kam ja noch ein bisschen was.) Das Problem besteht darin, dass nahezu alle Landwirte in einer Region in einem relativ kleinen Zeitfenster den ersten Schnitt einbringen müssen, um witterungsbedingt und qualitätsbedingt, hier sind die Inhaltsstoffe des Futters gemeint, also des Futter-Gras-Schnitts gemeint, in hoher Qualität zu ernten, und da muss ich sagen, aber das ist sehr schwierig, wenn man den Schnittzeitpunkt nach hinten legen möchte und trotzdem Futter in hoher Qualität ernten muss, um die Tiere zu versorgen, das passt nicht immer zusammen. Also es muss andere Lösungen geben. Der Jagdverband Rügen verfügt zum Beispiel über zwei Drohnen mit der entsprechenden Ausstattung. Die Befliegung und das Sichern der Tiere ist nur in einem kleinen Zeitfenster möglich, nämlich nur, wenn die Tiere noch wärmer sind als ihre Umgebungswärme. Und das ist nur in den Morgenstunden möglich. Ansonsten werden, und das wurde mir auch versichert, sehr viele Maulwurfshaufen detektiert, und das ist dann sehr viel Aufwand und es bringt zum Schluss gar nichts mehr. Bei einer Grünlandfläche von 12.000 Hektar in einer Region wie bei uns und dem begrenzten Zeitfenster ist dafür viel Ehrenamt und Technik notwendig. Also die Drohnen kosten mit der Ausstattung circa 11.000 Euro und sie sind in der letzten Legislaturperiode durch das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz in der Anschaffung gefördert worden. Die Sicherung der Tiere selber ist auch nicht einfach. Frau Shepley hat es erwähnt. Sie können aus dem Bestand getragen werden. Dazu hat der Minister schon gesprochen. Es müssen aber Altgrasbestände an den Rändern vorhanden sein, um die Tiere darin abzulegen, damit sie nicht reflexartig wieder in die Fläche zurückkehren und zurücklaufen können. Und sie können durch den Korb gesichert werden. Das ist eine relativ sichere Methode, damit der Fahrer des Mähwerkes auch dieses umfahren kann. Was ist die Quintessenz all dessen? Die geforderte Gesetzesänderung ist in keiner Weise zielführend und deshalb abzulehnen, weil sie ist für Flugtiere geeignet, aber nicht für diese Tiere, von denen wir hier sprechen. Die Zusammenarbeit von Jagdverbänden und Landwirten ist weiter zu unterstützen und die Investition in die Technik ebenfalls. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
