David Wulff
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir kommen jetzt zu einem Thema, das uns alle, denke ich, mehr bewegen sollte, als es das hin und wieder tatsächlich tut. Wir wollen uns mit dem Thema Gründungen befassen, und dieses Thema ist mir auch ganz besonders wichtig. Und die Frage ist ja doch: Warum sind Gründungen auch für Mecklenburg-Vorpommern so unendlich wichtig? Der Titel dieses Antrages heißt „Start-Up-Land Mecklenburg-Vorpommern entfesseln“. Alternativ wäre auch gegangen: „Beginn einer neuen Gründerzeit einläuten“, denn mit dem Verweis auf die Gründerzeit möchte ich einmal auf den Wert von Neugründungen für eine gesamte Volkswirtschaft, für eine gesamte Gesellschaft hinweisen. Mit dem Bau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert ist etwas passiert, was Gesamtdeutschland und ganz Europa verändert hat. Durch neue Transportmöglichkeiten, durch neue Technologien ist es möglich geworden für ganz normale Bürgerinnen und Bürger, sich nicht nur Träume zu verwirklichen, sondern nachhaltig große Unternehmen mit einem enormen Beitrag für das Land zu leisten. (allgemeine Unruhe) Und diese alte Gründerzeit, die können wir neu entfesseln, diese alte Gründerzeit können wieder neu machen, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Die hören ja nicht mal zu.) denn mit dem Teil, wo wir sagen, das, was damals vielleicht die Eisenbahn war, das ist heute unser Glasfaseranschluss, das sind unsere neuen Transportwege. Heute gehen wir in den Bereich Daten, also wir produzieren etwas, was viele Daten enthält, das müssen wir irgendwo hinbekommen. Ganz früher waren es die großen Häfen. Die großen Häfen haben bedeutet Wohlstand, denn über die Häfen wurden Waren, da wurden Waren produziert, die wurden darüber verschifft in die Welt hinaus. Dann kam die Eisenbahn, das war die letzte große Gründerzeit. Und mit diesen neuen technischen Möglichkeiten ist etwas ganz Großartiges entstanden. Und wir sind jetzt wieder am Beginn eines solchen Zeitalters. Und wenn wir es schaffen, mit dem jungen Unternehmen zu starten, die wachsen, groß werden, hier im Lande groß werden, weil wir alle Voraussetzungen, die dafür notwendig sind, hier bieten können, dann werden wir Mecklenburg-Vorpommern zu einem führenden Land nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa gestalten können. Dann können wir das aus Mecklenburg-Vorpommern machen, was die Bayern mal geschafft haben, die auch mal nur ein Agrarland waren und mittlerweile ein Hochtechnologieland sind. Wir sind in der Lage, einen solchen Erfolg hier in Mecklenburg-Vorpommern zu erzielen. Und dafür ist dieser Antrag auch wichtig, denn dieser Antrag sagt, wie gehen wir voran und wie können wir Gründungen unterstützen. Und ich nehme vorweg, natürlich ist es nur ein Teil von einem großen bunten Strauß, was man alles machen kann, und ich beschränke mich hier auf einige wenige Punkte. Keine Sorge – die Legislatur ist noch lang –, ich werde mit mehr kommen. (Zuruf von Nikolaus Kramer, AfD) Fangen wir an mit dem Gründungssemester. Das Gründungssemester existiert so momentan nicht. Man hat als Studierender oder als Studierende momentan die Möglichkeit, ein Urlaubssemester wegen Krankheit, persönlicher Sachen et cetera irgendwie zu beantragen, das Studium zu unterbrechen. Es wäre ein Einfaches zu sagen, ich möchte gründen und dafür möchte ich ein Urlaubssemester beantragen, denn wenn ich das mache, dann unterbreche ich einfach mein Studium, ohne dass ich meine Regelstudienzeit verliere. Dann habe ich die Chance, mich mal auszuprobieren, denn wer vielleicht den Startup Monitor gelesen hat, (Zuruf von Stephan J. Reuken, AfD) viele nachhaltige Gründungen, viele, die halt groß werden, viele, die viele Arbeitsplätze schaffen, viele, die Innovation hervorbringen, kommen halt aus dem Hochschulmilieu. Und wir haben nicht nur zwei Universitäten, wir haben auch noch gleich mehrere Fachhochschulen mit dazu. Und gerade mit denen dieses Potenzial zu nutzen, führt dazu, dass die hinterher nicht irgendwo weggehen müssen, sondern hierbleiben können, weil sie gründen und noch mehr Leute mit anstellen können und noch mehr Innovation mit reinkriegen. Aber wenn ich einfach nur dieses Gründungssemester irgendwie nehme, muss ich mich natürlich auch irgendwie finanzieren. Deswegen ist der Punkt „Gründungsstipendium“ hier noch mal mit drin. Das Land hat ein Gründungsstipendium, ja, das ist möglich, nachdem ich mein Studium dann fertig habe, aber versuchen wir uns doch alle mal, so in diese Lage hineinzuversetzen. Wenn ich mein Studium abgeschlossen habe und ich einen guten Abschluss gemacht habe und dann bekomme ich irgendwo ein sehr gutes Jobangebot – und wir haben gerade darüber debattiert, wie knapp die Ressource Personal gerade ist –, ich bekomme an jeder Ecke irgendwie ein gutes Personalangebot, dann mach ich mir nicht mehr die Mühe und gehe in die Gründung rein. Aber diese Idee, die ich habe, die muss ich vorher verfolgen. Und wenn ich dann mit dem Studium fertig bin, kann ich mich entscheiden, ist das ein erfolgreicher Weg oder suche ich mir doch irgendwo anders einen guten Job. Aber wenn wir diesen Weg frühzeitig ermöglichen, dann haben wir genau an der richtigen Stelle den Ansatz gefunden, und deswegen muss halt das Gründungsstipendium auch schon während des Studiums möglich sein. Und auch da müssen wir mal über die Beträge reden – die 1.400 Euro sind da auch schon sehr lange festgeschrieben –, denn richtig relevant ist natürlich auch immer, so eine Gründung muss ja auch irgendwie finanziert werden. Und ich kann mir auch immer noch externe Zuschüsse nehmen, aber gerade in der Anfangsphase ist es so wichtig, einfach mal ein paar Coachings mitzumachen. Gerade in der Anfangsphase ist es mal wichtig, ein bisschen frei verfügbares Geld zu haben, wo ich auch ein bisschen in meine Gründung investieren kann. Und da reichen diese 2.000 Euro durchaus aus. Damit kann man sehr, sehr viel bewegen. Dann kommen wir zu dem Punkt „Kapital“. Kapital ist natürlich ein ganz, ganz wichtiges Element, denn gerade im Osten der Republik nach der Wende mussten wir feststellen, Eigenkapital ist nicht das, was wir hier in der Masse zur Verfügung haben. Das, was in den westdeutschen Bundesländern verfügbar ist, einfach durch lange Unternehmertraditionen, durch Erbschaften, durch ein gutes Netzwerk, das haben wir hier alles nicht. Und wir müssen das irgendwie durchbrechen. Irgendwie müssen wir durch eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung es schaffen, dieses Defizit auszugleichen, damit wir auch mal in eine Position kommen, wo sich dieses System, dieses Gründerökosystem, dieses wirtschaftliche System selber tragen und selber füttern kann. Und überall auf der Welt ist das absehbar, dass das funktioniert, wenn man es hinreichend füttert. Und dafür haben wir die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft. Wir hatten letztens eine Anhörung im Wirtschaftsausschuss, da haben die auch gesagt, na ja, das, was da an Geldern rausgegeben wurde und wieder zurückgekommen ist, das liegt jetzt ja gerade auf Verwahrkonten und wartet auf eine Anschlussverwendung. Warum nehmen wir dieses Geld – das sind circa 8 Millionen Euro, die da liegen, das ist nicht viel Geld, aber für die Gründerszene ist es enorm viel Geld, das bedeutet eine Menge –, warum ist dieses Geld nicht revolvierend gestaltet, warum geben wir das nicht wieder rein ins System? Wir müssen das füttern und nicht abwürgen. Wir wollen kein Strohfeuer entzünden, sondern wir wollen nachhaltige Gründungsgeschehen hier haben. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Dann haben wir den Punkt „Start-Up-Inkubatoren an den Hochschulen … fördern“. Wir haben das ganze Thema Innovationszentren jetzt schon hier und da mal beleuchtet. Da ist auch sehr viel in Bewegung, aber Innovationszentren sind per se noch keine Inkubatoren. Inkubatoren sind Programme, die da drum rumgestrickt werden, das sind Anfangsmöglichkeiten, das sind Netzwerke, das sind Coachings, die gerade, wenn man anfängt, wenn man jung ist – ich habe mit 21 angefangen zu gründen, und man läuft natürlich immer erst mal vor eine Wand, die Lernkurve ist extrem steil –, wenn da ein Inkubator an der Seite ist, der einen auf diesem Weg halt mitnimmt, dann schaffe ich das natürlich, mich zu entwickeln, dann schaffe ich das, mein Unternehmen zu entwickeln, und dann schaffe ich es aber auch, entsprechend an Kapital ranzukommen. Und auch hier ist noch mal der Punkt, diese Innovationszentren an jedem Hochschulstandort – bis 2024 muss das eigentlich passieren. Wir verschlafen Zeit. Hier und da gibt es mittlerweile kleine Räume. Und ich weiß, dass natürlich vom Ministerium da immer noch ein bisschen was gemacht wird. Aber auch hier warne ich davor, dass wir das Ganze einschlafen lassen, denn das ist auch leider ein Merkmal, insbesondere auch der SPD hier im Land, Sachen auch mal mit guten Ideen zu benennen, das möchte man ja gar nicht verheimlichen, aber dann das Ganze so laufen zu lassen, dass es hinterher im Sande verläuft. Und das darf uns hier nicht passieren, weil diese Chance, die wir jetzt haben, ist einmalig. (Beifall Barbara Becker-Hornickel, FDP) Und dann kommen wir noch in den Bereich der Gründerinnen-Förderung. Natürlich machen das momentan, wenn man sich viele Statistiken anguckt, überwiegend junge männliche Akademiker, die gründen. Wir haben aber auch im Bereich der Female Entrepreneurs durchaus sehr, sehr viel Potenzial. Und das hat aber auch ein bisschen was mit dem Zugang zu tun. Das hat damit zu tun, komme ich an das Kapital, komme ich irgendwie in die richtigen Netzwerke rein. Und dafür ist ein Mentoringprogramm unglaublich hilfreich. Natürlich bringt das Mentoringprogramm nicht gleich das Netzwerk per se mit und nicht das Kapital per se, aber alleine diese Zugangsmöglichkeiten niedrigschwellig zu ermöglichen, finde ich hervorragend. Und leider muss ich auch sagen, wir hatten schon mal ein Mentoringprogramm hier in Mecklenburg-Vorpommern, das wurde in der letzten Legislaturperiode eingestellt. Und dann haben wir auch, gerade, wenn wir über weibliche Gründerinnen halt reden, sehen wir auch da sehr häufig Gründungen im Social-Entrepreneurship-Bereich, also das, was uns gesellschaftlich irgendwie doch weiterbringt, das, was einen gesellschaftlichen Mehrwert bringt und vielleicht gar nicht mal mehr so sehr kapitalgetrieben ist, sondern geguckt wird, dass wir halt da irgendwie was rumkriegen. Alle unsere Förderkriterien sind darauf ausgelegt, das muss halt irgendwie was total Megainnovatives sein, aber seien wir doch froh, wenn sich überhaupt ein bisschen was bewegt, seien wir doch froh, wenn da irgendwie Geschäftsmodelle dahinterstehen. Und wenn wir dann auch noch Modelle haben, die halt irgend- wie gesellschaftlich tragen, da muss das doch in die Förderprogramme entsprechend mitaufgenommen werden. Und kommen wir zum letzten Punkt, und dann schaffe ich auch meine Redezeit: In der Anhörung im Wirtschaftsausschuss, als wir die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft und die Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern dahatten, ist mir bewusst geworden, dass das Thema Gründungen schon auf dem Zettel steht, aber nicht so richtig in den Köpfen in der Landesregierung drin ist. Und ich glaube, das, was wir mit dem Digitalisierungsbeirat hier mal angesetzt haben, ist ein durchaus brauchbares Instrument, vielleicht ein bisschen schlanker gestaltet und ein bisschen effizienter: ein Gründungsbeirat an der Seite des Wirtschaftsministeriums, um genau diese Thematiken aus der Community herauszunehmen, aus dem Land herauszunehmen und dieses Thema nicht versanden zu lassen. Und deswegen bitte ich Sie, stimmen Sie diesem Antrag zu! – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)
