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Beatrix Hegenkötter

SPD 18.05.2022 Sitzungen 8/22

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich spreche heute zum Thema Denkmalschutz, wie schon alle meine Vorrednerinnen, und ich fühle mich ein bisschen betroffen, nicht nur ob der heftigen Diskussion zu dem Thema, was ich total gut finde – deswegen erst mal danke, dass das Thema auf der Tagesordnung steht –, sondern (Zuruf von Thore Stein, AfD) weil ich selber Denkmalbesitzerin bin. (Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU Zurufe von Marcel Falk, SPD, und Sebastian Ehlers, CDU) Und wenn die Herren mit ihrer Konversation fertig sind, möchte ich gerne fortfahren. – Vielen Dank! Denn wie gesagt, ich bin selber Besitzerin eines denkmalgeschützten Hauses, und deswegen bin ich ziemlich steinreich, wenn man so will. Und nicht nur ich, sondern irgendwie auch meine Kinder sind richtige Geschichtserben, denn meine Familie und ich, wir haben uns vor zehn Jahren ein altes Bauernhaus zugelegt, eine alte Bauernkate, die circa 250 Jahre alt ist und die wir selber in Kleinarbeit sanieren und wiederherstellen und sie halt in Abstimmung mit allen möglichen Behörden zu dem Haus gemacht haben, was es jetzt wieder ist. Und das hat, das kennen Sie sicherlich auch, viel Geduld und Spucke und Zeit und Nerven hat uns das zwar gekostet, aber nach dem langen Leerstand, den das Haus erfahren musste, haben wir es wieder zu einem Wohnhaus gemacht und es ist jetzt unser Zuhause geworden. Und da sind wir auch sehr froh drüber. Wir haben es nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wiederhergerichtet, ganz umweltbewusst und klimafreundlich, denn, das wissen Sie ja auch, Denkmalschutz ist auch Klimaschutz. Und wie schon meine Vorredner ausgeführt haben, sind wir ein ziemlich reiches Land an diesen Schätzen, und nicht nur die Gebäude, um die es irgendwie geht, sondern es gibt auch noch andere Denkmäler, die hier unter anderem ja auch schon angesprochen worden sind, die sich nicht unterhalb der Erde befinden, die man aber halt so selten sieht, gerade diese Denkmäler werden erhalten und entdeckt durch viel Engagement und durch Leidenschaft und oft durch ein großes Interesse an Geschichte und durch Hingabe und auch durch Handwerk vor allen Dingen. Und so kann ich sagen, dass ich in den letzten Jahren aufgrund des Besitzes sehr viel gelernt habe, den Einsatz von Materialien, den Verbund von Holz und Lehmputz, das Verstärken einer Wellerdecke, den Unterschied zwischen Strohlehm- und Leichtlehmstein und auch, wie man eine Fachwerkstruktur wieder austauscht. Und ich habe auch gelernt, dass es eines großen handwerklichen Geschicks bedarf, so ein Haus wieder auf die Beine zu stellen. Und ich bin ganz beeindruckt von Zimmermännern und von Maurern und von Rohrdachdeckern sowieso. (Nikolaus Kramer, AfD: Haben Sie nur Männer auf Ihren Baustellen? Das gibts doch gar nicht! Das gibts doch gar nicht! – Thore Stein, AfD: Oha!) Aber auch über die Geschichte des Hauses haben wir ganz viel gelernt, über die Erbauer und auch über die Familien, die in diesem Haus einmal gewohnt haben, und natürlich auch über die Funktion, die dieses Haus mal innerhalb unseres Dorfes hatte. Und ja, ich weiß auch, dass es eine große Herausforderung ist zwischen dem Erhalt solcher alten Bausubstanz und der Schaffung von modernem Wohnraum, worüber wir heute auch schon geredet haben, zwischen dem Spagat einer nachhaltigen Sanierung und der Restaurierung unter ökologischen Gesichtspunkten, die auch einen modernen Dämmschutz nicht ausschließen, ebenso wie die Berücksichtigung von der Barrierefreiheit. Allerdings ist der Erhalt von Denkmalen eben auch ressourcenschonend und bietet eine gute Alternative zum Neubau auf der grünen Fläche. Und gegenüber einem Neubau lassen sich bei einer Denkmalsanierung sogar rund zwei Drittel des Materials einsparen. Und so gesehen ist der Erhalt von Denkmalen eben auch eine gewisse Art von Nachhaltigkeit. Oftmals gilt der Denkmalschutz aber auch als energetisch problematisch und wenig ökologisch und wenig wirtschaftlich, was wir heute auch schon thematisiert hatten. Ja, das stimmt alles, aber auf der anderen Seite sind Denkmale eben was für Spezialisten. Da gibt es kein 0815, da gibt es keine vorgefertigten Teile, da wird nichts genormt eingebaut, da wird alles extra hergestellt, und da ist halt eine gewisse Kreativität gefragt und auch keine Gipsverkleidung oder andere Materialien, die später, wenn sie mal ausgebaut werden, als Sondermüll verklappt werden müssen. Die Verwendung von natürlichen Materialien aus der Region ist so gesehen auch schon von jeher üblich, und ich bin sehr froh, dass wir unser Haus so ausgerüstet haben, dass es hoffentlich die nächsten 250 Jahre auch überstehen wird. Und so wie uns geht es oft ganz vielen Besitzern, die sich um ihr Eigentum kümmern und die sich ganz bewusst für ein Denkmal entschieden haben, und dabei ist es völlig egal, ob es jetzt so eine Bauernkate ist, ein gotisches Giebelhaus, eine Mühle oder ein Schloss oder ein Gutshaus. Der Spagat zwischen der Sanierung und der Nutzung ist uns ganz gut geglückt, denn, das betone ich auch noch mal hier, denn oftmals ist die Nutzung eben nicht so sicher und auch so langfristig machbar wie bei so einer Kate, wenn ich eben nur an das angesprochene Wasserschloss denke oder auch an eine Stadtmauer, die oftmals auch unter Denkmalschutz steht. Aber davon sollte der Erhalt eben nicht abhängen, denn Denkmäler sind Zeitzeugen von historischer, gesellschaftlicher und natürlich auch von architektonischer Bedeutung. Bei der Denkmalsanierung arbeiten Land, Bund, Stiftung und privates Engagement immer Hand in Hand und die obere Denkmalschutzbehörde entscheidet, was als Denkmal zählt. Die untere Denkmalbehörde führt die Denkmallisten, veröffentlicht sie und begleitet die Nutzer. Und ich kann aus unserer Erfahrung nur sagen, dass egal, wie ein Gesetz gestrickt ist, es immer einen gewissen Spielraum gibt, wie man Regelungen auslegt. Und ich bin da unserem Denkmalbeschützer irgendwie sehr dankbar aus unserem Landkreis, der da wirklich sehr viel Spielraum gegeben hat, dem es einfach auch wichtig war, dass dieses Haus erhalten wird, und sich nicht unbedingt an jedes einzelne Wort und jeden Buchstaben im Gesetzestext gehalten hat. (Heiterkeit bei Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Bloß nicht weitersagen!) Das geht nämlich auch. (Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Bloß nicht weitersagen! – Zuruf von Ann Christin von Allwörden, CDU) Liebe Kollegen, (Torsten Koplin, DIE LINKE: Welcher Kreis war das?) wie schon angedeutet, gibt es ja nicht nur offenbar, sondern auch unterhalb der Erde ziemlich viele Schätze, die unser Bundesland parat hat, und in diesem schon angekündigten oder von dem berichteten Schlossgespräch am 3. Mai, bei dem ja auch einige Abgeordnete dabei waren, konnten wir uns hier ziemlich gut überzeugen, was für tolle Sachen wir in diesem Land haben und was für bewundernswerte und bedeutende Funde, alleine, wenn ich an die Ausgrabungen vom Tollensetal mich zurückerinnere, die von dem Redner zu den 50 bedeutendsten archäologischen Funden weltweit sogar ausgelegt werden, denn es ist die nachweislich älteste Schlacht der Menschheit, die man überhaupt in dieser Art rekonstruieren konnte. Ich finde das ziemlich unglaublich und ich habe daran auch gemerkt an diesem Tag, dass wir uns unserer Schätze manchmal gar nicht so bewusst sind und eigentlich gar nicht wissen, was wir hier an Besonderheiten haben und bei vielen immer das Glas eher halb leer ist als halb voll. Darum freue ich mich eben umso mehr, dass wir bald die Gelegenheit haben, diese Schätze in einem wirklich langfristigen und würdigen Rahmen zu präsentieren, eben mit dem Bau des Landesarchäologiemuseums in Rostock, (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD) denn auch dieser Bau wird ein wichtiges Zeichen für die Archäologie und auch den Denkmalschutz bei uns im Lande darstellen, (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) denn auch das ist unsere Geschichte und das gehört auch zu unseren Vorfahren. Denkmale haben viele Transformationsprozesse überstanden und sind ganz individuell und eben sogar so besonders, dass sie zum elitären Kreis und unter den Schutz der UNESCO aufgenommen worden sind. Exemplarisch hier bei uns in Mecklenburg-Vorpommern, das kennen Sie alle, die historischen Altstädte von Stralsund und Wismar, aber auch die Buchenwälder auf Rügen gehören mit dazu. Darum gehen meine Gedanken heute auch an die Stätten, die durch Kriege zerstört wurden und werden, wo Identität absichtlich zerstört wird und wo die Seele eines Landes getroffen wird, denn die manifestiert sich eben auch in Denkmalen und in Kunstwerken und im architektonischen Erbe. So gesehen ist Frieden auch der beste Schutz für Denkmale, (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) aber auch ein gutes Denkmalschutzgesetz, das sein Augenmerk auf den Schutz lenkt und das wir in dieser Legislatur für uns in Mecklenburg-Vorpommern novellieren werden, das in einem breiten Beteiligungsprozess, das ja schon in der letzten Legislatur vorgesehen war (Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU – Zuruf von Thore Stein, AfD) und das aufgrund der Umstände in der letzten Legislatur, wenn Sie sich vielleicht erinnern, Herr Stein, wo wir einfach andere Prioritäten hatten als das Denkmalschutzgesetz und wo einfach aufgrund der Überlastung der immer noch anhaltenden Corona-Pandemie einfach sicherlich nur aufgeschoben wurde. Sie brauchen keine Sorge zu haben, wir werden uns gut darum kümmern. (Zurufe von Jens-Holger Schneider, AfD, und Thore Stein, AfD) Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. (Zuruf von Thore Stein, AfD) Und ja, Bedarfsplanung ist ein großes Wort und der Bedarf an Denkmalfördermitteln, das haben wir schon gehört, ist unermesslich. Und ich glaube, es ist völlig egal, ob wir 2, 4, 6, 8 oder 10 Millionen dafür einsetzen, es würde nie ausreichen. (Zurufe von Thore Stein, AfD, und Marc Reinhardt, CDU) Und in der sozialen Marktwirtschaft gilt halt auch immer der Grundsatz, der vorhin schon angesprochen wurde, dass Eigentum verpflichtet, und so kann ich es nur unterstützen, denn das habe ich halt auch mit meiner Familie gemacht. Um unser Denkmal zu retten, haben wir auch ganz viel eigenes Geld in die Hand genommen, aber vor allem auch ganz viel Zeit und ganz viel Arbeitskraft, (Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU – Nikolaus Kramer, AfD: Und Maurer. – Thore Stein, AfD: Und Zimmermänner. – Glocke der Vizepräsidentin) um unser Denkmal zu erhalten und für die nächsten Generationen zu bewahren. Aber der größte Bedarf in Sachen Denkmal besteht eigentlich in den Enthusiasten, die sich bereit erklären, sich um ein solches zu kümmern, und die sich eins zulegen und die sich verantwortlich fühlen und die sich dann mit jedem Maurer da hinstellen und irgendwie gucken, dass sie es wieder erhalten. (Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU) Der zweitgrößte Bedarf ist vielleicht irgendwie der, dass man Spekulationen aus dem Wege geht, denn gerade jetzt in dieser Zeit merken wir halt einfach auch, dass irgendwie viele Leute Gebäude mit scheinbaren tollen Nutzungskonzepten kaufen, die dann verfallen lassen und dann irgendwann zu ziemlich hohen Grundstückspreisen verkaufen. Das sieht man zum Beispiel gerade in Greifswald mit dem Geburtshaus der Barockdichterin Sibylla Schwarz, (Nikolaus Kramer, AfD: Das ist auch ein ganz großes Problem.) ebenso wie in Kleinstädten wie Loitz mit dem bedrohten Amtshaus an der Peenestraße. (Nikolaus Kramer, AfD: Richtig!) Liebe Kollegen, ... (Nikolaus Kramer, AfD: Sie sehen, wir beschäftigen uns damit.) Wunderbar! Das erwarte ich auch. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD – Thore Stein, AfD: Wir auch, wir auch!) Das Land fördert den Denkmalschutz mit Millionen, mit Millionen! Hinzu kommen auch Zuschüsse in Millionenhöhe aus dem Kirchenbau und auch so manche Wirtschaftsförderung im Bereich des Tourismus. Auch vom Strategiefonds haben in den letzten Jahren sicherlich einige Denkmale profitiert. Ebenso unterstützt der Bund Denkmalbewahrer, unzählige Stiftungen unterstützen Denkmalerneuerer, ebenso auch die EU, LEADER und das Dorferneuerungsprogramm. Aber Denkmäler bedürfen besonders eines, nämlich Bürger, die die Verantwortung für die Zukunft übernehmen, damit diese große Artenvielfalt und eine große Gebäudeformenvielfalt, die großartigen Naturräume und regionaltypische Kulturlandschaften erhalten bleiben, also eine Bürgergesellschaft, die engagiert den nächsten Generationen das Altbewährte weitergibt. Meine persönliche Erfahrung ist, dass es etwas Unterstützung vom Staat braucht, etwas eigene Mittel, aber vor allem eine gute fachliche Beratung, Kreativität, einen langen Atem und eben uns, die selber anpacken und Verantwortung übernehmen. (Heiterkeit bei Nikolaus Kramer, AfD: Richtig!) Und ich hoffe sehr, dass wir alle hier zusammen, die wir hier sitzen, das Beste für den Denkmalschutz in Mecklenburg-Vorpommern tun. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, AfD, DIE LINKE und FDP – Zuruf von Nikolaus Kramer, AfD)

Alle Reden von Beatrix Hegenkötter Protokoll ↗