David Wulff
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Sehr geehrte rot-rote Koalition! Den Antrag, den wir hier vorliegen haben, ich glaube schon, dass Sie den in der Regierung noch mal brauchen. Frau Drese, Sie hatten in Ihrer Aufzählung die guten Forschungsinstitute, die wir hier bei uns im Land haben, alle mal aufgezählt und auch erzählt, was da alles so Tolles gemacht und geforscht wird, und das unterstütze ich komplett. Das ist auch völlig richtig, was Sie da gesagt haben, und wir haben wirklich unglaublich gute Forschungseinrichtungen hier bei uns im Land Mecklenburg-Vorpommern. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Aber das, was wir ja wollen, ist mehr. Wir wollen ja den Transfer daraus, wir wollen ja nicht nur diese Forschung. Und da muss ich auch sagen, Frau Kröger, Sie haben da schön die Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag irgendwie aufgezählt, zum größten Teil waren das halt ein paar Buzzwords, die da so hintereinander weggerattert wurden, was man mal irgendwie so machen könnte. Und ich bin jetzt fast ein bisschen traurig, dass Herr Backhaus nicht dazu gesprochen hat, weil er es wenigstens regelmäßig schafft zu überziehen. Aber da ist auch die Leidenschaft bei dem Thema immer so sehr dahinter, wollen wir mal positiv bleiben. Diese Leidenschaft bei diesem Thema fehlt mir hier. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der CDU) Und ich glaube, weil diese Leidenschaft bei diesem Thema hier fehlt, brauchen Sie die Hilfe auch mal von der Opposition hier. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Gehen wir mal rein ins Thema. (Michael Noetzel, DIE LINKE: Sie hat für Herrn Christian Albrecht gesprochen. Sie wissen schon, dass sie nicht die ...) Ja, (Zuruf von Michael Noetzel, DIE LINKE) aber er hätte vielleicht einen längeren Text schreiben können. Also es tut mir auch, (Michael Noetzel, DIE LINKE: Jaja!) also ich finde es für das Thema auch ein bisschen schade gerade, (Michael Noetzel, DIE LINKE: Er kann nichts dafür, dass er krank ist.) aber wir können ja gerne im Ausschuss noch ein bisschen ausführlicher darüber reden, (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der CDU) vielleicht können Sie da ja noch mal drüber nachdenken. (Beifall Daniel Peters, CDU, Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und René Domke, FDP) Also noch mal zurück zum Thema: die dritte Mission, was ist die dritte Mission. Natürlich, Forschung und Lehre – die ureigensten Sachen, Mission eins und Mission zwei der Universitäten auf der Welt. Das Dritte, der Transfer, den wir hier nach vorne treiben wollen, das ist schon völlig richtig gesagt worden, da geht es nicht nur um den wirtschaftlichen Transfer, da geht es wirklich darum, dass das, was an gesellschaftlichem Mehrwert in diesen Hochschulen im Lande hier produziert wird, dass das Ganze natürlich auch wieder einen Einfluss in die Gesellschaft findet, damit wir alle schlauer werden, damit wir alle was daraus machen können, damit wir wirklich einen volkswirtschaftlichen, gesamtwirtschaftlichen und auch kulturellen Nutzen einfach daraus ziehen können, und das ist auch völlig richtig erkannt an der Stelle. Diesen Transfer in diese Gesellschaft, da sind die Aktivitäten mit den regionalen Akteuren unglaublich wichtig. Da ist ja nicht nur die Hochschule für sich alleine, die irgendwie ein bisschen was macht, sondern da sind auch die Gemeinden mit dabei, da sind Vereine mit dabei, da sind die Kreise mit dabei. Nur mal so als Beispiel, dieser Transfer von Wissen, Weiterbildung und Engagement, das wird ja auch gemacht. Das machen die Hochschulen tatsächlich schon relativ gut. Beispiel ist „Universität im Rathaus“, wie das in Greifswald beispielsweise praktiziert wird, oder, wie wir gerade auch im Sozialausschuss in der Anhörung erlebt haben, das ist ja auch aus der Hochschule herausgekommen, dieser große Aktionstag oder die großen Aktionstage zum Thema Reanimation/Wiederbelebung. Das gehört ja genau mit zu dieser dritten Mission. Aber das alleine reicht natürlich nicht. Wir haben noch diesen Weg in die Wirtschaft rein. Und deswegen zielt dieser Antrag an der Stelle auch so ein bisschen darauf hin, weil wir da durchaus auch noch die größten Defizite sehen. Denn was wollen wir: die Verwertung von Forschungsergebnissen durch Unternehmen. Das ist etwas, was noch nicht so ganz trivial ist, denn wir haben Forschung in den Universitäten, in den Hochschulen, und da draußen haben wir Unternehmen. Und es gibt hier und da so ein paar Transferstellen, das läuft aber alles nicht so richtig strukturiert an der Stelle. Und da brauchen wir eine Möglichkeit, wie wir Forschung und Unternehmen, die bereits schon existieren, deutlich besser zusammenbekommen. Das andere ist der Punkt „Ausgründung aus den Hochschulen“. Also wie können Forscherinnen und Forscher, Wissenschaftliche Mitarbeiter, aber auch Professoren wirklich auf einem guten, geregelten Weg das, was sie erforscht haben, das, was sie herausgefunden haben und vielleicht Mittel und Wege gefunden haben, damit tatsächlich auch was Produktives zu bewerkstelligen, wie können sie damit ausgründen. Und dann ist da der dritte Punkt beim Transfer in die Wirtschaft noch natürlich auch die Gründung von Studierenden, auch während des Studiums. Das habe ich selber gemacht, das ist eine total spannende Erfahrung. Kann ich jedem empfehlen. Und Gründen während des Studiums ist auch total praktisch, weil Gründen geht ganz häufig schief und während des Studiums ist das immer halb so wild. Dann macht man mit seinem Studium weiter, hat hinterher einen schönen Abschluss und eine tolle Lebenserfahrung. Aber da ist es auch der perfekte Zeitpunkt für solche Sachen. Also kommen wir mal dazu, was brauchen wir, um diese dritte Mission tatsächlich zu erfüllen. Da möchte ich jetzt mal ein bisschen weg von dem ganzen Allgemeinen. Der Antrag zielt natürlich auf viele Handlungsfelder ab. Aber jetzt mal hier ganz konkret: Wir haben den Punkt Transferstellen angesprochen. Der Punkt bei den Transferstellen ist nicht nur, dass sie chronisch unterbesetzt sind, sondern die Universitäten haben zwar einen Globalhaushalt, also das Globalbudget, aber der Stellenplan muss immer wieder noch mal neu genehmigt werden. Der Stellenplan muss immer wieder neu nachverhandelt werden. Und das hemmt die Universitäten, gerade in der Ausgestaltung von diesen Transferstellen. Das führt dazu, dass sich gute Mitarbeiter, die sich lange eingearbeitet haben, aufgrund dieser Unsicherheiten irgendwo anders hin bewerben, weil die sind natürlich im Laufe der Zeit hoch qualifiziert und bauen sich ein echt tolles Netzwerk auf. Dann haben wir natürlich auch die Nachhaltigkeit dieser Transferstellen. Also geben wir das Ganze mit rein und sagen, okay, die Universitäten können sich das selber auch ein bisschen hinschieben, muss das natürlich auch nachhaltig und planbar entsprechend ausfinanziert werden. Und dann haben wir noch einen weiteren Punkt: Kooperationen in der Region dürfen keine Konkurrenz zueinander sein. Ich habe eingangs erwähnt, dieses Zusammenspiel der verschiedenen Akteure ist unglaublich wichtig, dieses Netzwerk, was da drum entsteht. Was wir aber machen, mit noch mal irgendwie ein Förderprogramm, noch mal irgendwie eine Gemeinschaftsaktion, noch mal irgendwie was nebenbei und irgendwie unterschiedliche Akteure mit unterschiedlichen Prämissen irgendwie immer unterschiedlich zu fördern und einfach immer öffentliches Geld reingeben, weil wir die Idee ja dann natürlich total toll finden, ist ja von der Idee her vielleicht auch gar nicht falsch, aber das, was passiert, ist, dass diese Akteure sich gegenseitig Konkurrenz machen. Es passiert, dass gegenseitig diese Akteure sich das Wasser abgraben, um die gleichen Fördermittel buhlen und am Ende die gleichen Start-ups vielleicht irgendwie abwerben und am Ende vielleicht sogar auch schlecht beraten, weil sie ganz eigene Interessen haben, weil sie natürlich auch irgendwie ihren eigenen Fundus irgendwie da stärken wollen. Dann haben wir noch den Punkt „Stärkung der Wissenschaftskommunikation“. Ich hatte es eingangs gesagt, wie bekommen wir Forschungsergebnisse in die Unternehmen. Und der Punkt Wissenschaftskommunikation ist gerade in der Pandemie noch mal besonders hochgegangen. Dafür haben die Universitäten gar kein Budget, dafür haben die gar keinen richtigen Auftrag. Und wenn wir es schaffen würden, das, was wirklich so hervorragend geforscht wird – Frau Drese, Sie hatten das in Ihrem Statement eingangs gesagt –, das, was da wirklich so hervorragend geleistet wird in diesem Land, das braucht eine richtige Wissenschaftskommunikationsstrategie und richtig Feuer mal dahinter, damit die Leute da draußen sehen, was hier entsteht, damit die Leute sagen, oh, tolles Ergebnis, das brauche ich für mein Unternehmen, das brauche ich, um hier zu wachsen, das brauche ich, um groß zu werden und dieses Land voranzubringen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Und da brauchen wir auch ein Regelwerk für die Übertragung von geistigem Eigentum. Wenn ich als Mitarbeiter in einer Hochschule bin, dann ist das natürlich, das, was ich da erforsche, Eigentum der Hochschule. Das gehört nicht mir. Ich kann das, was ich da erforscht habe, nicht rausnehmen, ein Unternehmen gründen und groß werden. Das sorgt regelmäßig für ganz, ganz große Probleme. Und wenn wir da wenigstens mal in der Lage wären, in so einer Transferstrategie aufzuzeigen, was ist der klassische Standardweg, ich habe was erforscht, ich will das rausholen aus der Hochschule, ich will das kommerziell verwerten, ich will daraus ein Unternehmen gründen – da brauchen wir eine Strategie dafür. Die haben wir nicht, und da braucht mir auch keiner was zu erzählen, das existiert nicht. Und dann müssen wir noch weitergehen mit den Ökosystemen, Anker an den Hochschulen. Wir fördern jetzt hier Gründerzentren, das dauert alles ewig. Aber genau das brauchen wir. Die Gründerlehre wird an den Hochschulen auch relativ kleingeschrieben. Und das ist etwas ... (Zuruf von Andreas Butzki, SPD) Ja, ich hätte mir gewünscht, hier noch ein bisschen mehr Zeit zu haben. Ich komme zum Schluss. (Michael Noetzel, DIE LINKE: Danke!) Das, was wir als Letztes noch mit drin haben wollen, gerade für Studierende, ein Urlaubssemester für Gründungen. Wer gründet, soll die Möglichkeit haben, ein Urlaubssemester einzulegen. Und damit schaffen wir ein Ökosystem, damit bekommen wir …
