Katy Hoffmeister
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Unter anderem im Wissenschaftsausschuss in der letzten Woche haben wir gehört von der Wissenschaftsministerin, warum Mecklenburg-Vorpommern nicht Teil der ersten Ausschreibungsrunde der Exzellenzstrategie des Bundes geworden ist. Im Kern: Wir haben gute Universitäten und Hochschulen – das ist unbestritten – im Land, mit bedeutsamem Potenzial und mit Wissen. Wir sind aber – und das müssen wir einfach anerkennen – im Bundesvergleich mit jeder seiner Einrichtungen klein, per se eben kein Big Player. Und deshalb gilt, um sich überhaupt eine Chance auf den Erhalt eines Stückchens vom Kuchen oder anders, von der Förderung der universitären Spitzenforschung zu bewahren: im Verbund arbeiten. Wer Dinge allein nicht schafft, der kooperiert. Deshalb arbeiten Forscher zusammen, sie kooperieren innerhalb der Hochschulen, deshalb arbeiten Hochschulen zusammen, und diese kooperieren mit anderen Forschungseinrichtungen und vergrößern damit ihre Handlungsoptionen. Und genau dieses Ziel des Vergrößerns von Handlungsoptionen verfolgen auch Transferstrategien. Es geht darum, eigene Stärken weiterzugeben und damit andere Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen und zu erleichtern, um daraus natürlich wieder auch eigene Vorteile generieren zu können. Und der Gedanke von Transferstrategien ist es, das Wissen in der Region gesellschaftlich und wirtschaftlich wirksam werden zu lassen. Um diesen Gedanken handelt es sich bei dem Ihnen vorliegenden interfraktionellen Antrag. Es geht also um Vernetzung, um Optimierung, um Zusammenarbeit, um Synergien und auch um Mut und um neue Blickwinkel. Es geht uns als den den Antrag tragenden Fraktionen – und da danke ich ausdrücklich den Fraktionen BÜNDNIS 90/- DIE GRÜNEN und der FDP – um eine ressortübergreifende, alle Hochschulen, alle Wissenschaftseinrichtungen des Landes einbindende, aber auch berücksichtigende Strategie, mit einem Blick in die Zukunft, mit einem Blick auf innovative Forschung und dabei mit einem Blick auf den wirtschaftlichen Nutzen. Ziel ist es, die Möglichkeiten und Handlungsfelder, in denen unsere Wissenschaft gut ist, herauszuarbeiten, um das dort generierte Wissen in die Wirtschaft einzubringen. Und dafür, meine Damen und Herren, müssen alle an einen Tisch. Ein gutes Beispiel bildet zum Beispiel ein Blick in das Land Brandenburg. Das hat nämlich bereits eine solche Landestransferstrategie. Und dort hat sich der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zunächst mit den Hochschulen des Landes Brandenburg zusammengesetzt und Leitlinien entwickelt. Die Hochschulen konnten dabei ihre eigenen thematischen Schwerpunkte setzen. Und erst dann wurde zusammen mit der Landesregierung eine diese Schwerpunkte aufnehmende und verbindende Landestransferstrategie entwickelt. Oder sehen Sie exemplarisch nach Niedersachsen mit einem klaren Bekenntnis zur gesamtgesellschaftlichen Verantwortung durch Ideen-, Wissens- und Technologietransfer aus den Hochschulen heraus, zwischen ihnen und in die Wirtschaft hinein und zugleich mit einem Positionspapier, das Handlungsbedarfe definiert. Es geht also darum, alle Beteiligten dort zunächst abzuholen, wo sie gut sind, ihre Stärken zu nehmen und zu bündeln und daraus die Potenziale zu ziehen und zu entwickeln. Die Hochschulen müssen – das ist besonders wichtig – weiterhin im Rahmen ihrer Hochschulautonomie handeln können. Sie kennen dann aber die Rahmenbedingungen und sie können sich der Unterstützung durch das Land danach sicher sein. Dieses wiederum schafft für die Hochschulen Planungssicherheit und vor allem Planungsmöglichkeiten. Die Hochschulen im Land zeigen bereits, dass sie diese wichtige dritte Säule für sich erkannt haben. Viele Hochschulen unseres Landes haben eigene Wissenstransferstrategien entwickelt und bereits Projekte gestartet, Unterstützungsnetzwerke geschaffen. Jetzt geht es aber darum, diese zu bündeln und zu koordinieren. Es geht darum, Strukturen, Prozesse, gelebte Praxis und die Kommunikation untereinander abzustimmen. Davon profitieren die Hochschulen und Forschungseinrichtungen durch innovative Projekte, die Studenten durch praxisnahe Lerninhalte und spannende Forschungsaufgaben und die Wirtschaft durch Ausgründungen, Start-ups und neue oder ausgebaute wirtschaftliche Themenfelder. Dahinter steckt für alle Beteiligten, also auch für die Hochschulen im Land, für die Forschungseinrichtungen und für die Wirtschaft, natürlich auch der Kampf um die besten Köpfe, die besten Studenten, die besten Forscher, gute und gesunde wirtschaftliche Unternehmen mit guten Entwicklungschancen. Mit einer Landestransferstrategie können wir auch in diesem Punkt attraktiver werden. Der Kampf um die Köpfe unter den Hochschulen findet nicht mehr nur bundesweit statt, sondern europa- und weltweit. Wenn Mecklenburg-Vorpommern als Gesamtes attraktiv sein will, dann müssen wir das herausstellen, was wir insgesamt können, oder anders, was wir leisten können. Wir müssen zeigen, dass und wie wir nach außen an einem Strang dazu ziehen. Bedanken möchte ich mich nochmals bei den Kollegen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und den Kollegen der FDP, die mit uns zusammen für diesen Antrag werben, und ich würde mir wünschen, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass dieser Antrag eine breite Unterstützung erfährt, und freue mich auf die Debatte. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)
