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Dr. Sylva Rahm-Präger

SPD 10.03.2022 Sitzungen 8/14

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Schüler aus Neubrandenburg! In unserem Antrag „Klimaschutz im Dialog entwickeln“ wird herausgearbeitet, dass die Anpassung an den Klimawandel genauso im Fokus stehen muss wie die Anstrengungen zum Klimaschutz, um eine Überschreitung des 1,5-Grad-Zieles mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern. Das Thema meines Beitrages ist eher die Anpassung an den Klimawandel. Ich möchte an dieser Stelle zwei Beispiele anführen, die eine schon langfristige Befassung mit Anpassungsstrategien in unserem Bundesland aufzeigen. Zum einen ist dies das große Thema Pflanzenbau. Und hier steht im Vordergrund der Anbau von Feldfrüchten, welche für die menschliche Ernährung benötigt werden. Denn es ist bei Weitem nicht selbstverständlich, dass wir seit Jahrzehnten Ernährungssicherheit für unsere Bürger in Mecklenburg-Vorpommern und die Bürger der Bundesrepublik sichern und darüber hinaus einen Beitrag zur Sicherung der Welternährung leisten. Wir leben in einer Gunstregion, in einer klimatisch bedingten Gunstregion, und wir haben die Pflicht, international diesen Beitrag zu leisten. Für den Bereich Bioökonomie im Pflanzenbau wurden in den letzten Jahren circa 6 Millionen Euro für Forschung, vor allem anwendungsbezogene Forschung, im Bereich des Pflanzenbaus aus Bundesmitteln eingeworben. Hier stehen im Fokus angepasste Landbewirtschaftungsmodelle an trockenfallenden Flächen, vor allem auf den leichteren Böden, hier stehen Leguminosen besonders im Fokus und eine erweiterte Fruchtfolge mit Energiepflanzen oder mit Pflanzen, die biogene Wertschöpfung ermöglichen. Die Züchtung trockenresistenter Feldfrüchte als eine wesentliche Anpassungsstrategie erfolgt bei uns in Mecklenburg-Vorpommern. Hervorzuheben wäre hier die Landesforschungsanstalt mit dem Thema Eiweißstrategie Deutschland, gefördert mit 1,4 Millionen durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. (Zuruf von Thore Stein, AfD) Und das große Thema „Physics for Food“, das bedeutet pauschal gesagt der Ersatz, chemische Verfahren durch physikalische Verfahren und mechanische Verfahren zu ersetzen. Und wir freuen uns sehr – unser Minister Backhaus hat es gestern erwähnt –, dass das WIR-Projekt aus dem Plan-3-Verbund zum Thema „Physics for Food“ in die zweite Förderung geht und damit 13,5 Millionen Euro, zuzüglich 3 Millionen Euro für Investitionen, durch das BMBF ausgereicht werden. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an die klugen Köpfe in Greifswald, an die Universität Greifswald, die Hochschule Neubrandenburg, die Hochschule Stralsund und das ZELT! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Ein zweites Beispiel für langfristige Strategien zur Ernährungssicherheit ist die Forschung und Entwicklung zur standortgebundenen Aquakultur. Die Erwärmung der Ostsee führt zu einem starken Rückgang unserer Fischbestände. Vor allem betroffen sind hier der Dorsch und der Hering. Der Bedarf an Speisefisch steigt jedoch kontinuierlich. In der Gastronomie unseres Landes sind Dorsch und Zander die gefragtesten Fische. Schon jetzt stammen 95 Prozent des in Mecklenburg-Vorpommern verzehrten Zanders aus Kasachstan, also aus Importen. Unsere Forschungseinrichtungen – und diese sind in diesem Fall das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie, die LFA und die Universität Rostock mit dem Fischglashaus – haben in den letzten Jahren circa 16 Millionen Euro über das BMBF und den Europäischen Meeres- und Fischereifonds eingeworben. Das Ziel besteht in der Synergie zwischen energie- und wärmeerzeugenden Anlagen – das können auch Biogasanlagen sein – im ländlichen Raum, der standortgebundenen Aquakultur und der Nutzung der nährstoffreichen Abwässer zur Ernährung von Nutzpflanzen. (Thore Stein, AfD: Was hat das mit dem Antrag zu tun?) Versorgungssicherheit der Bevölkerung bedeutet auch in erster Linie Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln. Wir sind ein sehr rohstoffreiches Land, und dies bezieht sich auf die stabilen Erträge, die unsere Bäuerinnen und Bauern auf insgesamt 1,3 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche generieren. Verarbeitet wird in unserem Land derzeit nur ein Bruchteil der Erträge, vor allem bei Getreide- und Ölsaaten. Die Zielstellung unseres Antrages, die hier erzeugten Rohstoffe in einer möglichst vollständigen Kaskadennutzung zu verwerten, ist aus meiner Sicht vollumfänglich zu unterstützen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Aber auch dieses Ziel wird ohne Forschung und Entwicklung nicht zu erreichen sein. Wir haben in unserem Bundesland eine kleine Forschungseinrichtung mit einer beachtlichen Leistung. Schöne Grüße nach Neubrandenburg! Dies ist das Neubrandenburger Zentrum für Ernährung ... (Heiterkeit vonseiten der Fraktion DIE LINKE)

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