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Anne Shepley

GRÜNE 28.01.2022 Sitzungen 8/10

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich gebe zu, dass dieser Antrag Erinnerungen an meine eigene Zeit des Schwimmenlernens geweckt hat, damals noch im DDR-Schwimmlager am Greifswalder Bodden. Nicht alle Erinnerungen waren die besten, denn es war oft kalt, die Wellen im Bodden gefühlt meterhoch und der Sprung vom Steg gelang auch nicht auf Anhieb, wie es damals der Schwimmlehrer gefordert hat. Als Mutter einer Tochter, die in diesen Tagen mit sehr, sehr viel Glück einen Platz im Schwimmkurs ergattert hat, weiß ich aber, es ist letztendlich in diesem Land von Seen, Flüssen und Meeren elementar wichtig, dass alle Kinder gut und vor allem früh im Leben Schwimmen lernen. Dazu ist ein breit ausgebautes Angebot an Schwimmkursen für die Jüngsten bereitzustellen, und daher erst mal am Anfang mein ausdrücklicher Dank an die CDU-Fraktion, dass Sie diesem Thema hier mit dem vorliegenden Antrag Raum geben, denn es liegt einiges im Argen. Die Tatsache, dass in den vergangenen zwei Jahren coronabedingt viel Unterricht ausgefallen ist, ist nur ein kleiner Teil der Probleme, die wir in Mecklenburg-Vorpommern mit inner- und außerschulischen Schwimmkursen haben. Wenn man sich mit Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrern unterhält, so berichten diese je nach Region über die verschiedensten Problemfelder. In einigen Landkreisen fehlt es an Schwimmhallen oder geeigneten Badestellen. Generell, das ist heute auch schon angesprochen worden, gibt es zu wenige Lehrerinnen und Lehrer, die sich zu Schwimmlehrer/-innen ausbilden lassen. Und von den wenigen, die wir im Land jetzt noch haben, sind viele älteren Jahrgangs und werden in den kommenden Jahren nicht mehr aktiv Schwimmkurse begleiten können. Auch bei den Verbänden ist es mit der Nachwuchsarbeit im Bereich Rettungsschwimmen müßig. Es ist schwer, junge Menschen für diese anspruchsvolle Aufgabe zu begeistern. Teilweise gibt es auch Fragen der Finanzierung von zusätzlichen Rettungsschwimmer/-innen für die Ferienkurse, und zwar auch im letzten Jahr, wo, wie ich ja in meiner Recherche auch gelesen habe, sehr viel Geld zur Verfügung stand. Mir wurde über einen Fall berichtet, wo schlussendlich der Förderverein einer Schule die Kosten selber übernehmen musste, weil sich Schulträger und Schulamt hier nicht einigen konnten. Es ergeben sich also schon nach relativ kurzer Recherche viele Fragen, auf die der vorliegende Antrag nicht im umfassenden Maße eingeht, denn die Verstetigung von Ferienkursangeboten alleine wird den Kindern nicht helfen, die Kernkompetenz Schwimmen wirklich bis zum Ende der 4. Klasse flächendeckend zu erlernen. Hierzu müssen wir auch an den Schulen zusehen – und auch das ist heute schon angeklungen –, dass der Schwimmunterricht intensiver und in allen Ecken unseres Flächenlandes angeboten werden kann. Um das gewährleisten zu können, müssen wir Antworten auf folgende Fragen finden: Wie können wir Lehrerinnen und Lehrer besser dabei unterstützen, die Ausbildung zu Schwimmlehrer/-innen zu absolvieren? Was können wir tun, um mehr junge Menschen fürs Rettungsschwimmen zu begeistern? Wie sorgen wir dafür, dass wir ausreichend Schwimmbäder und -hallen haben, wenn es in Mecklenburg-Vorpommern keine entsprechende Bedarfsplanung und gut durchdachte Konzepte gibt, dem Hallensterben entgegenzuwirken? Wie stellen wir sicher, dass in allen Regionen flächendeckend entsprechende Schwimmlernangebote für Kinder machbar sind? Der vorliegende Antrag enthält viele sehr gute Ideen. Ich finde es gut, dass die Erfahrungen des „MV kann schwimmen!“-Programms ausgewertet werden sollen, dass Verbände und Kommunen einbezogen werden sollen, dass Kooperationen mit Krankenkassen zu prüfen sind, und auch die Eigenbeteiligung der Eltern soll natürlich so gering wie möglich gehalten werden. Das sind alles Punkte, die aus Sicht unserer Fraktion dringend notwendig sind, denn wie in vielen Feldern werden wir auch in Sachen Schwimmenlernen nur vorankommen, wenn wir viele Akteur/-innen an einen Tisch bekommen und gemeinsam gute Konzepte entwickeln. Den Schulen kommt dabei aus Sicht unserer Fraktion eine Hauptrolle zu. Was jedoch die Erhebung unter geeigneten Lehrer/-innen angeht, so habe ich meine Zweifel, ob es unter der ohnehin schon am Limit arbeitenden Lehrerschaft viel Bereitschaft zu ehrenamtlichen Ferienkursen geben wird, zumal man dafür ja auch noch die Rettungsschwimmerausbildung machen muss, die wiederum Zeit, Geld und auch eine gewisse körperliche Voraussetzung mit sich bringt. Ich habe mir das mal am Telefon erklären lassen. Also ich bin jetzt nicht die Sportlichste, und ich sage mal, ich würde es freiwillig jetzt nicht machen. Die generelle Ausweitung des Teilnehmer/-innenkreises auf die Klassenstufen 5 und 6 sehe ich auch kritisch. Ich finde im Einzelfall, na klar, wenn ein Kind bis zum Ende der 4. Klasse noch nicht die Möglichkeit gehabt hat, ein „Seepferdchen“ zu machen oder Schwimmen sicher zu beherrschen, dann sollte man natürlich auch in den höheren Klassen das einrichten können. Ich denke aber, unser gemeinsames Ziel – und da sind wir uns sicherlich auch alle einig, meine Damen und Herren – sollte es sein, bis zum Abschluss der 4. Klassenstufe muss jedes Kind in diesem Land wirklich solide und sicher schwimmen können. Ende der Ansage! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Bei Punkt II … Gerne. Bei Punkt II unter c) wird es dann auch mit sehr viel Wohlwollen, liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU, ein bisschen abenteuerlich für mich. Sie wollen jedes Jahr die Summe von 225.000 Euro innerhalb des entsprechenden Bereiches umschichten, und da frage ich Sie ganz konkret, welcher Initiative oder welchem Projekt oder welchen sozialen Leistungen wollen Sie das Geld dann wegnehmen, weil wir wissen alle, dass die Töpfe nun mal die Töpfe sind und wir nicht zaubern können und auf einmal 225.000 Euro mehr jedes Jahr bekommen. (Zuruf von Harry Glawe, CDU) Diese Entscheidung überlassen Sie dann anderen Leuten, und ich finde – und so viel Kritik muss ich anbringen –, obwohl ich sehr wohlwollend diesem Antrag mich entgegen oder mich dazu äußern möchte, möchte ich trotzdem sagen, dass diese Anmerkung unter diesem Punkt mir zu flapsig war und einfach zu viele Fragen offenlässt. Das ist für mich keine ernst gemeinte Sozialpolitik, (Harry Glawe, CDU: Das kann doch wohl nicht wahr sein!) und ich möchte Sie bitten, da auch in Zukunft, wenn Sie solche schönen Anträge einbringen, vielleicht ein bisschen genauer hinzugucken, wo wir dann dieses Geld herbekommen. Zusammengefasst kann ich der CDU dennoch danken, dass Sie den Impuls hier gesetzt haben. Es gibt aber zum Thema noch sehr viel zu besprechen, weswegen die Bündnisgrünen-Fraktion anregt, diesen Antrag in den Sozial- und auch in den Bildungsausschuss zu überweisen. Und vielleicht kann ich in den letzten zwei Minuten meines Redebeitrages eingehen darauf, warum wir das als so wichtig empfinden. Wir haben gerade gehört, das Programm soll fortgeführt werden, das finde ich auch super. Wir sind auf dem Standpunkt, dass es beides braucht: Es braucht an den Schulen, genau die Lücken zu schließen, die wir jetzt da haben. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass wir da Arbeit tun müssen, dass wir schauen müssen, wie kriegen wir sowohl ehrenamtliches Engagement, aber wie kriegen wir auch wirklich eine solide Basis an Rettungsschwimmer/-innen unter unseren Lehrern ausgebildet. Und es braucht natürlich auch die Zusammenarbeit mit den Verbänden. Es braucht diesen Ansatz, was braucht die DLRG, was brauchen die Lehrer/-innen, was brauchen die Eltern. Ich glaube, es braucht ein Zusammen von schulischer Schwimmausbildung und von diesen Ferienkursangeboten, denn, wenn wir ehrlich sind, im ländlichen Raum, es wird einfach nicht realistisch sein zu sagen, im Schulunterricht kann alles abgedeckt werden. Es wird nach wie vor Ferienkurse geben müssen, eben auch über die Corona-Pandemie hinaus. Deswegen stimme ich dem Kollegen Albrecht zwar in vielem zu, was er gesagt hat, aber diese Worte „Bremse nach der Pandemie anlegen“ und so, da bin ich nicht bei Ihnen. Und wenn Sie sagen, es braucht jetzt nicht den Rückenwind: Erstens, finde ich, ist es kein Rückenwindantrag, wenn ich den Definitionen diese Woche richtig gefolgt bin, und zweitens glaube ich doch, gerade in diesem Bereich brauchen wir Rückenwind, und zwar von uns allen. Wir brauchen nicht so viel Wind wie auf dem Wasser, weil, das habe ich schon gesagt, dass die großen Wellen beim Schwimmenlernen manchmal ein bisschen Angst einflößen, ich wünsche mir aber, dass es sehr viele Leute hier gibt, die auch Diskussionsbedarf sehen. (Zuruf von Nikolaus Kramer, AfD) Ich möchte, dass wir vielleicht versuchen, gemeinsam Konzepte zu entwickeln und zu schauen, wie können wir die Probleme in diesem Land für alle Kinder und Jugendlichen, die vielleicht noch nicht schwimmen können, lösen, sodass wir weniger Schwimmunfälle haben und mehr Spaß beim Baden. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Sebastian Ehlers, CDU)

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