Harry Glawe
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! „Wir können schwimmen“ – das ist ein Ferien-Schwimmprogramm des Landes aus dem Jahre 2020, das in besonderer Weise durch damalige Diskussionen dazu geführt hat, dass wir die Mittel erhöht haben, um gerade in den Sommerferien den Kindern, die in der Grundschule sind, die Möglichkeit zu eröffnen, schwimmen zu lernen. Das hatte den Grund, wie es damals mein Kollege Manthei, aber auch Herr Renz ausgeführt haben, dass 50 Prozent aller Schüler in der Grundschule nicht schwimmen können oder, man kann es auch anders ausdrücken, nur 50 Prozent können schwimmen. Das andere ist – ich will darauf hinweisen –, dass die DLRG gegründet worden ist nach einem schweren Schiffsunfall in Binz im Jahre, glaube ich, 1912, als die „Kronprinz“ angelegt hat. Auf der Brücke standen bis zu 80 Menschen und 60 Menschen sind ertrunken, auch deswegen, weil die nicht schwimmen konnten. Also eine Lehre aus der Geschichte ist, dass man sehr früh einerseits schwimmen lernen muss und sollte. Da sind natürlich die Eltern genauso gefordert wie die Gesellschaft, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Eben.) aber wichtig ist, dass wir dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren, und deswegen haben wir uns entschlossen, diesen Antrag zu stellen. Wir haben uns auch deswegen entschlossen, weil im jetzigen Haushaltsentwurf – ich gehe davon aus, dass die SPD das wieder ablehnen wird jetzt, diesen Antrag –, im Haushalt stehen 25.000 als Denkansatz. Das ist eine deutliche Reduzierung gegenüber den letzten beiden Jahren, in denen also 130.000 und 225.000 Euro für die verschiedenen Verbände, sagen wir mal DLRG, Rettungswacht, oder auch Kommunen konnten von diesem Programm insgesamt profitieren. Und das Wichtige ist, dass einerseits deutlich mehr Kinder und Jugendliche schwimmen gelernt haben, doppelt so viele wie vor diesem Programm. Sonst waren es – ich sage mal ein Beispiel eines Trägers –, waren es 500 Teilnehmer bis 2019, 2020/2021 jeweils 1.000 Teilnehmer. Und Gruppen zwischen 10 und 15 Kindern sind dann auch vom Nichtschwimmer zum Schwimmer geworden, und das wird ja dann auch zumindest durch die Prämierung, dann auch ein Schwimmabzeichen in Bronze abzulegen, gewürdigt. Meine Damen und Herren, ich will mich natürlich in besonderer Weise bei den Schwimmlehrern bedanken, bei den Pädagogen bedanken, aber andererseits will ich auch sagen, dass die jeweiligen Organisationen, ob das nun die Wasserwacht ist, die Kommunen sind oder auch die DLRG, natürlich mit diesem Programm – ich sag mal ein Beispiel – viele Ortsverbände dann ausstatten können. Nehmen wir mal das Beispiel DLRG, die haben verschiedene Ortsverbände – ich sage mal, Prerow ist einer der bekanntesten Orte –, wo also dann diese 25.000 Euro, die die DLRG zum Beispiel bekommen hat, auf verschiedene, sechs verschiedene Organisationen auf der Ortsverbandsebene weitergereicht werden und dort werden diese Schwimmkurse angeboten. Wichtig ist vielleicht, dass man auch weiß, dass 25 Prozent aller Schulen keinen Zugang zu Schwimmhallen haben und auch nicht zu Seen, das heißt, jede vierte Grundschule etwa hat in dieser Frage gar kein Angebot. Aber wir wollen hier ja darüber reden, dass es ein Ferien-Schwimmprogramm gibt, das eben auch sinnvolle Feriengestaltung anbietet und andererseits dann auch dafür sorgt, dass sicheres Schwimmen erreicht wird. Ich will noch mal ein Wort sagen: „Seepferdchen“ – das ist eine Prämierung, die sagt aber im Kern aus, der oder die, das Mädchen oder der Junge kann nicht sicher schwimmen. Das muss man auch noch mal im Auge haben und im Hintergrund. Eines der wichtigen Dinge – dadurch, dass wir in den letzten zwei Jahren eben auch Corona hatten, also, dass in den Schulen viele Unterrichtsstunden ausgefallen sind, natürlich auch Schwimmen – muss dazu beitragen, dass wir darüber nachdenken, dass die Kinder und Jugendlichen, die die 5. und 6. Klasse jetzt vor sich haben, durchaus auch ein Angebot verdient hätten, schwimmen zu lernen. Und die Einwerbung von Spenden ist ein wichtiges Kriterium, das jetzt durch die verschiedenen Verbände oder Kommunen, die sich darum kümmern, auch besser eingeworben werden kann. Es gibt auch Containerlösungen, dass man an den Stränden oder den Badestellen Containerlösungen hat, wo die Kinder und Jugendlichen, aber eben auch die Schwimmlehrer sich dann erholen können, umziehen können et cetera, eben auch dann WC et cetera aufsuchen können. Die guten Ansätze, die jetzt in den letzten zwei Jahren da sind – ich habe jetzt eine halbe Evaluierung vorgetragen, Frau Drese wird vielleicht noch andere Beispiele haben –, ich bin leicht irritiert, dass ich höre, dass die SPD dieses ablehnen will, die werden es wahrscheinlich dann in der Haushaltsdebatte vielleicht verstärken. Aber der Sinn erschließt sich mir nicht, warum man dieses Schwimmprogramm in den Ferien nicht weiter auf einem relativ hohen Niveau belässt. Und ich will auch eines sagen: Die jeweiligen Anbieter, die Wohlfahrtsverbände oder auch die DLRG, die Wasserwacht, et cetera, die erwarten eigentlich, dass die eingestellten Summen – ich habe sie vorhin genannt – wieder zur Verfügung stehen. Und ich sage noch eins: Es gibt viele Sponsoren, die mittlerweile auch bereit sind, wenn also staatliche Mittel fließen, durchaus auch private Initiativen dann bereit sind, Geld zu geben, um insgesamt bei diesem Mangel, den wir ja haben und beklagen, dann auch Abhilfe zu leisten. (Vizepräsidentin Beate Schlupp übernimmt den Vorsitz.) Meine Damen und Herren, es wird natürlich darauf ankommen, dass viele Ehrenamtler dann auch bereit sind, diese Dinge weiter zu begleiten. Aber bei den genannten Organisationen bin ich mir ganz sicher, dass die darauf warten, dass dieses Programm fortgeschrieben wird, verstetigt wird, und dafür wollen wir ja, denke ich, uns alle einsetzen. Und Sie können ganz sicher sein, dass die CDU das auch in den Haushaltsberatungen begleiten wird, wir werden da nicht Ruhe lassen, auch wenn Sie heute wieder sich hinstellen und sagen, wird alles schon gemacht. Aber im Haushalt stehen nur 25.000 Euro, also da machen Sie relativ wenig. Vielleicht kommen Sie dann auch zu der Erkenntnis, dass dieser Titel mehr aufgestockt werden muss. Im Übrigen will ich darauf hinweisen, dass gerade dieses Programm hier im Plenum durch die regierungstragenden Fraktionen auf den Weg gebracht worden ist. Das, glaube ich, muss man auch der Fairness halber sagen, und es wurde aus dem Schutzfonds finanziert. Jetzt geht es aber darum, dafür zu sorgen, dass eben auch die Organisationen oder die, die sich darauf vorbereiten, dass die Kinder oder die Eltern auch die Gewissheit bekommen, dass weiter Schwimmprogramme in den Sommerferien aufgelegt werden können. Man kann es sogar erweitern, dass man auch im Winter in Schwimmhallen et cetera auch dafür sorgt, dass dort auch Schwimmangebote gemacht werden können. Also Denkverbote sollte es in dieser Frage überhaupt nicht geben. Das ist ein gesellschaftliches Phänomen, dass wir alle uns immer für Kinder einsetzen und in Sonntagsreden immer dafür agieren, aber hier erwarte ich auch, dass Schwimmen eine wichtige Angelegenheit ist, einmal für die Gesellschaft, andererseits für das eigene Leben, und ich sage mal, Schwimmen schadet nicht. Meine Damen und Herren, damit wäre ich erst mal am Ende meiner Einbringungsrede. Ich bin nachher gespannt, was Frau Drese vorträgt. Wir werden das auch mal kritisch kommentieren, aber ich hoffe, Frau Drese, dass Sie in dieser Frage Kurs halten und eine große Mehrheit auch in Ihrer SPD-Fraktion vielleicht in der Lage ist, in acht Wochen anders zu denken. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)
