Katy Hoffmeister
Einen schönen guten Morgen! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kollegen! „Ärzteblatt“, 24. September 2020: „Arztzahlprognosen: Immer mehr Praxen ohne Nachfolger“ SVZ, 1. Juni 2021: „Parchimer Weststadt: Lange Schlange vor der neuen Hausarztpraxis“ „Nordkurier“, 4. Februar 2021: „Trotz Riesen-Bedarfs kein neuer Hautarzt in Sicht“ SVZ, 29.04.2021: „Ärztemangel in Lübz: Plötzlich ist die Arztpraxis zu“. Und die Journalistin beschreibt dieses in ihrem Artikel relativ klar: „Da ist er wieder: der Ärztemangel auf dem Land. Er lässt derzeit die Telefone in den drei Hausarztpraxen in Lübz heiß laufen. Mehr als 800 Patienten suchen in der Eldestadt in diesen Tagen einen neuen Hausarzt.“ Damit könnte ich die Begründung für unseren Antrag quasi schon beenden, denn das beschreibt den Istzustand in vielen Gegenden. Gehen Sie zum Beispiel auf die Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung, dann sehen Sie jeweils tagesaktuell die Bedarfe, die Praxisnachfolge, die gesucht wird – übrigens überall in unserem Land, von Wismar, Schwerin bis Wolgast. Und es ist kein neues Phänomen, sondern wir beschäftigen uns damit seit längerer Zeit. Doch, meine Damen und Herren, die Situation, die verschärft sich, und zwar dynamisch in unserem Flächenland, in Mecklenburg-Vorpommern. Gemäß der 5. Bevölkerungsprognose ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der über 65-Jährigen im Zeitraum von 2017 bis 2040 von rund 388.000 auf rund 498.000 erhöhen wird. Das entspricht einem Zuwachs von 28 Prozent. Dass der medizinische Versorgungsbedarf damit steigen wird, ist jedem von uns klar. Auf der anderen Seite führt der demografische Wandel dazu, dass sich zugleich der Altersdurchschnitt der Ärztinnen und Ärzte weiter erhöhen wird und mehr von ihnen in den Ruhestand gehen werden. In unserem Antrag haben wir diesen Anteil auf etwa 25 Prozent beziffert. Allerdings dürfte er faktisch wirklich höher sein, denn laut Ärzteverband Mecklenburg-Vorpommern geht allein ein Drittel der 1.200 Hausärzte im Land in den nächsten 15 Jahren in den Ruhestand. An den Kliniken in unserem Land sind knapp 300 Arztstellen derzeit schon unbesetzt. Und das Besondere, meine Damen und Herren: Im Gegensatz zu vielen anderen Berufsgruppen mit enormem Fachkräftebedarf fehlt es im Bereich der Humanmedizin nicht an Bewerberinnen oder Bewerbern. Der Deutsche Ärztetag hat ausgeführt, dass bundesweit mehr als 60.000 Bewerbungen auf die 11.000 verfügbaren Studienplätze vorliegen würden. Hier liegt also aus unserer Sicht ein erster, absolut plausibler Ansatz, dem Ärztemangel langfristig entgegenwirken zu können. Der Deutsche Ärztetag hat vorgerechnet, dass bundesweit zwischen 3.000 bis 5.000 zusätzliche Studienplätze ausreichen würden. Auf Mecklenburg-Vorpommern heruntergerechnet sprechen wir also von 200 zusätzlichen Studienplätzen. Andere Bundesländer sind bereits so weit. In Bayern sind zum Beispiel 2.100 zusätzliche Studienplätze in Planung. Doch allein nur die Studienplatzkapazitäten zu erhöhen, das wird nicht reichen, gerade nicht in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern. Als CDU war es uns daher in den vergangenen Jahren ein besonderes Anliegen, das Landarztgesetz auf den Weg zu bringen. Denn, meine Damen und Herren, es braucht nicht immer einen Abiturdurchschnitt von 1,0, um ein guter oder sehr guter Arzt zu sein. (Beifall vonseiten der Fraktionen der AfD und CDU) Es ist zudem ein geeigneter Ansatz, potenzielle Ärztinnen und Ärzte an unser Bundesland zu binden, denn darum geht es ja letztlich neben dem Ausbilden. Wir stehen hier in Konkurrenz zu anderen Bundesländern, und die Einführung des Landarztgesetzes war deshalb wichtig und notwendig. Perspektivisch aber muss diese Landarztquote erhöht werden, um nicht nur mehr Ärztinnen und Ärzte auszubilden, sondern zugleich auch ihnen eine Tätigkeit im ländlichen Raum anbieten zu können. Wer aus dem Land kommt, der bleibt auch wahrscheinlich und eher im Land. Das Gleiche gilt auch für die Stipendienprogramme, die ebenfalls auszubauen sein werden. Mit all diesen Punkten hat sich in den vergangenen Legislaturperioden – und vor allem in der letzten – bereits die Enquete-Kommission „Zukunft der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern“ beschäftigt. Und, meine Damen und Herren von der Regierungskoalition, umso enttäuschender ist es daher, dass sich davon nichts oder nur sehr Unkonkretes im Koalitionsvertrag findet. (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU: Sebastian Ehlers, CDU: Sehr richtig! – Julian Barlen, SPD: Haben Sie mal reingeschaut?) Sicher! (Heiterkeit bei Julian Barlen, SPD: Aber nicht gelesen, ne?) Insbesondere vor diesem Hintergrund – insbesondere, Herr Barlen, vor diesem Hintergrund! – ist es uns ein wichtiges Anliegen gewesen, dieses hier auf die Tagesordnung zu setzen. Und, meine sehr verehrten Damen und Herren, und gerade, weil die SPD-Fraktion darauf hinweist, möchte ich gerne die Einbringungsrede mit einem Zitat schließen, nämlich mit einem Zitat des SPD-Mitgliedes des Landtages der vorherigen Legislaturperiode und gleichzeitig Vorsitzendem der Enquete-Kommission, nämlich Herrn Heydorn. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Der hat in seinem Abschlussbericht formuliert: (Zuruf vonseiten der Fraktion der SPD: Sehr guter Mann!) „Meinen Appell richte ich aber vor allem auch an den im Herbst neu“ gewählten „Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ...“, also an uns, meine sehr geehrten Damen und Herren und Kollegen, „denn die Umsetzung der skizzierten Lösungsansätze zur Aufrechterhaltung einer guten und flächendeckenden medizinischen Versorgung in unserem Bundesland ist dringlich geboten.“ Meine Damen und Herren, ich bitte Sie, das als Einladung zu verstehen, diesem Antrag zuzustimmen. (Heiterkeit bei Sebastian Ehlers, CDU) Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU)
