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Daniel May

GRÜNE 02.09.2026 Sitzungen 21/74

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Ich finde es sehr gut, dass heute die beiden Gesetzentwürfe zur Novelle des Lehrkräftebildungsgesetzes gemeinsam beraten werden. Auf der einen Seite gibt es einen Gesetzentwurf meiner Fraktion, der die Beseitigung des Mangels an Lehrkräften in den Mittelpunkt stellt. Auf der anderen Seite gibt es einen Gesetzentwurf der Koalition, in dessen Mittelpunkt vor allen Dingen weitere Kürzungen im Bildungsbereich stehen. Daher ist es sehr gut, dass diese beiden Gesetzentwürfe miteinander beraten werden. Der Kollege Promny hat schon sehr deutlich gemacht, was wir in der Bildungspolitik an Herausforderungen haben. Der Mangel an Lehrkräften, den wir zu beklagen haben, ist auf der anderen Seite eine Belastung der Kollegien vor Ort. Lehrkräftemangel und Belastung der Kollegien vor Ort sind zwei Seiten einer Medaille, und die müssen dringend angepackt werden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Mit unserem Gesetzentwurf haben wir einmal geschaut, was die anderen Bundesländer um uns herum machen, um gezielt dort auszubilden, wo der Mangel am größten ist. Wir haben uns Projekte angeschaut, die in ihren Ländern schon Erfolge gezeitigt haben. Daher sollten wir uns einmal anschauen, was uns die Sachverständigen in der schriftlichen Anhörung dazu zurückgemeldet haben. Zum Beispiel aus der Stellungnahme von Dr. Semper aus Thüringen zum dualen Lehramtsstudium. Dort heißt es: „Die bisherigen Immatrikulationszahlen deuten daher darauf hin, dass das duale Studienangebot einen relevanten Beitrag zur Gewinnung zusätzlicher Lehramtsstudierender leisten kann.“ Oder aus der Stellungnahme von Dr. Rösch zu den Erfahrungen vom Quereinstiegsmaster in Berlin: „Der Q-Master erreicht signifikant mehr Männer und signifikant mehr Studierende mit Zuwanderungshintergrund als der reguläre Weg ins Grundschullehramt.“ Weil das eben von der Kollegin Heidt-Sommer angezweifelt wurde: Die wissenschaftliche Untersuchung hat auch herausgestellt, dass es dort eine vergleichbare Kompetenzentwicklung gibt. Davon zu sprechen, dass diese Absolventinnen und Absolventen schlechter qualifiziert seien, entbehrt jeglicher Grundlage. Wir wollen mehr Lehrerinnen und Lehrer schaffen, und Sie verschließen die Augen davor. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Auch die VhU betont, dass unser Gesetzentwurf in die richtige Richtung geht. Ich zitiere aus der Stellungnahme der VhU: „… dass der Gesetzentwurf mit … § 16a HLbG die Erprobung dualer lehramtsbezogener Bachelorund Masterstudiengänge ermöglichen will“, wird einhellig begrüßt. Positiv herausgehoben wird auch, dass die „Bewerbung schulscharf für besonders unterversorgte Ausbildungsschulen erfolgen soll“. Das ist der Kern unseres Gesetzentwurfs, dass wir nämlich Modelle, die an anderem Ort bereits erprobt wurden, auch bei uns implementieren wollen, um dort auszubilden, wo wir den größten Mangel an Lehrkräften haben, um die Schulen, um die Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu entlasten. Das ist der Kern unseres Gesetzentwurfs. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ja, wir haben natürlich auch kritische Stellungnahmen bekommen, die auf Missverständnissen unseres Gesetzentwurfs fußen, aber eben auch weiterdenken und Befürchtungen äußern, was mit solchen Modellversuchen gemeint sein könnte. Wir nehmen diese Stellungnahmen sehr ernst und haben deswegen auch im Ausschuss vorgeschlagen, dass wir zu der schriftlichen Anhörung auch eine mündliche Anhörung machen, um mit den Stakeholdern ins Gespräch zu kommen. Wir haben großes Verständnis für die Stakeholder, dass sie dort Befürchtungen haben; denn bisher war es in dieser Wahlperiode so, dass angebliche Innovationen immer mit Kürzungen im Bildungsbereich verbunden waren. Daher sind diese Befürchtungen, die wir natürlich sehr ernst nehmen, von CDU und SPD selbst gesät worden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zurufe SPD) Wenn man sich den Gesetzentwurf von CDU und SPD anschaut, findet man dort auch diverse Kürzungen, zum Beispiel die Kürzung des Referendariats von 21 auf 18 Monate. (Zuruf Lisa Gnadl (SPD)) Da haben jetzt die Kolleginnen und Kollegen gesagt: Das haben doch andere Bundesländer auch. – Ja, aber dort dauert das Studium deutlich länger als in Hessen. Wir haben bisher immer gesagt: Wir müssen das Studium nicht verlängern, weil dafür unser Referendariat länger ist. – Jetzt wird das Studium nicht länger, weil Sie auch beim Referendariat kürzen. Das heißt, insgesamt wird die Ausbildungsdauer in Hessen noch einmal kürzer. Nur die Kürzung steht im Mittelpunkt Ihres Vorhabens, nicht eine qualitative Aufwertung. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Ingo Schon (CDU): Es kommt nicht auf die Länge an!) Herr Kollege Scholz, der Vergleich mit unserem Gesetzentwurf hinkt da mehr; denn wir haben dort ein zehnsemestriges duales Studium vorgesehen. Daher sollten Sie sich den Gesetzentwurf erst einmal anschauen, bevor Sie darüber urteilen. (Lisa Gnadl (SPD): Schauen Sie sich Ihren an! Da braucht man überhaupt keine Ausbildung mehr!) Wenn wir jetzt noch einmal in den Bereich der Kürzungen von Schwarz-Rot hineinschauen, sehen wir, es wurde ganz generös gesagt: Wir nehmen dort ein paar Unterrichtsbesuche weg. – Was ist denn der Hintergrund dafür? Der Hintergrund dafür ist, dass Sie vor Kurzem den Ausbildungsfaktor reduziert haben. Das heißt, dass die Ausbilderinnen und Ausbilder deutlich mehr Referendare zu betreuen haben und gar nicht mehr diese Unterrichtsbesuche machen können. Auch dort ist der Hintergrund dieser Reduzierung der Unterrichtsbesuche also, dass Sie den Ausbildungsfaktor gekürzt und 4,5 Millionen Euro eingespart haben. Das ist doch der Grund, warum Sie die Unterrichtsbesuche duzieren. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Promny (Freie Demokraten) – Lisa Gnadl Falsch!) Besonders bemerkenswert ist dann auch die wortreiche Begründung dafür, warum man den eigenverantwortlichen Unterricht noch einmal deutlich steigert. Von Training dort die Rede, oder die Kollegin Heidt-Sommer sagt: terrichten lernt man durch Unterrichten. – Ja, aber dann eben zwei bis vier Stunden pro Woche mehr richtet werden und dass man damit zwischen 10.000 15.000 Unterrichtsstunden durch Referendarinnen und ferendare zusätzlich ableisten lassen kann – was zwischen 400 und 600 Stellen entspricht, die man dafür nicht zen muss –, das nimmt man sicherlich auch gerne Auch an dieser Stelle ist also, glaube ich, die Frage Ersparnis, des Kürzens im Bildungsbereich wieder im telpunkt der Überlegungen gewesen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Lisa (SPD): Falsch!) Werte Kolleginnen und Kollegen, wir haben mit Gesetzentwurf mögliche Wege aufgezeigt, wie wir tätsgesichert in die Lehrkräftebildung investieren wo der Mangel am größten ist. Das sind Modelle, die derenorts bereits erprobt worden sind. Wir könnten zielgerichtet etwas für die Kolleginnen und Kollegen die besonders belastet sind. Es ist schade, dass das dieser Stelle keinen Anklang findet. Ich will aber auch deutlich sagen, dass wir uns auf mündliche Anhörung freuen und dann die Gesetzentwürfe weiter gemeinsam beraten können. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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