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Mirjam Glanz

GRÜNE 02.09.2026 Sitzungen 21/74

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Worüber sprechen wir heute? Wir sprechen heute über die Indienreise des Ministerpräsidenten und über die Frage, ob ein einzelner Delegationsbesuch eine Fachkräfte- und Außenwirtschaftsstrategie ersetzt. Der Impuls der Reise war ausdrücklich richtig. Es ist richtig, dass Hessen seine Beziehungen zu Indien ausbaut. Gerade in einer Zeit großer wirtschaftlicher Herausforderungen – die Zollpolitik von Trump, die Verwerfungen im Verhältnis zu Nordamerika, die Sicherung von Lieferketten und die schwierigen Wirtschaftsbeziehungen zu China – sind Veränderungen in der Außenhandelspolitik notwendig. Neue Partner, neue Märkte und die Vertiefung bestehender Kooperationen in diesen schwierigen weltwirtschaftlichen Zeiten sind wichtig für ein wirtschaftsstarkes Land wie Hessen und elementar. Aber ein Impuls ersetzt noch keine Strategie, und genau da gibt es leider eine Fehlanzeige. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Was macht eigentlich der hessische Wirtschaftsminister? Gibt es im Hause Mansoori eine Außenwirtschaftsstrategie? Bislang können wir davon nichts erkennen, genauso wenig wie von Reisen, Initiativen oder Aktivitäten des Wirtschaftsministers in dieser Hinsicht. Wir befinden uns in einer schwierigen Wirtschaftslage. Gerade deshalb sind Außenhandelsbeziehungen so wichtig. Dass nun Ministerpräsident und Europaminister diese Lücke schließen müssen, spricht schon für sich. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Hessen ist das Powerhouse Deutschlands, Indien ist das Powerhouse Asiens. Das passt also. – Mit diesen Worten hat der Ministerpräsident seine Indienreise eröffnet. Ich sage Ihnen ganz offen, Herr Rhein, da vergleichen Sie Äpfel mit Birnen. Dieses Missverständnis zwischen großer Geste und konkretem Inhalt zieht sich leider auch durch den Antrag. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ein „Wir wollen“ allein, das genügt nicht. Damit Fachkräfte tatsächlich nach Hessen kommen und indische Unternehmen sich in Hessen ansiedeln, muss man Voraussetzungen verbessern: bei den Visa-Verfahren, die noch viel zu lange dauern, bei der Bürokratie und vor allem bei der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Genau darüber, so scheint es, wurde in Neu-Delhi kaum gesprochen. Fachkräftegewinnung beginnt nicht bei der Einreise nach Deutschland und endet nicht mit dem Arbeitsvertrag. Sie gelingt erst dann, wenn eine qualifizierte Person ihren erlernten Beruf tatsächlich ausüben kann. Schauen wir uns die Zahlen an. 2025 wurden in Hessen rund 8.700 Anerkennungsanträge für ausländische Berufsqualifikationen gestellt, so viele wie nie zuvor. Rund 1.000 davon betrafen Qualifikationen aus Indien, rund 5.300 Anträge in Gesundheitsberufen, darunter 3.900 von angehenden Pflegefachkräften. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der heute schon dringend im Krankenhaus, im Pflegeheim, im ambulanten Dienst gebraucht wird. Deshalb müssen wir uns fragen, ob wir in Hessen schnell genug sind. Ein Anerkennungsantrag ist noch keine verfügbare Fachkraft. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Da lohnt sich der Blick über die hessische Landesgrenze. Bayern hat mit seiner Fast Lane einen eigenen Schwerpunkt auf beschleunigte Anerkennungsverfahren für ausländische Pflegekräfte gelegt und begreift die Verwaltungsverfahren selbst als Teil seiner Fachkräftepolitik. BadenWürttemberg hat 2025 insgesamt 14.698 Anerkennungsverfahren bearbeitet. Das ist ein neuer Höchststand. Davon allein sind knapp 4.732 für Pflegefachkräfte ausdrücklich verbunden mit der internationalen Fachkräftegewinnung. Andere Bundesländer entwickeln ihr Anerkennungsverfahren also gezielt als Instrument der Fachkräftepolitik weiter. Genau das muss auch unser Anspruch in Hessen sein. Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viele Absichtserklärungen wir in Neu-Delhi unterschreiben, sondern wie schnell aus einer ausländischen Qualifikation eine tatsächlich einsetzbare Fachkraft wird. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Hier komme ich zu einem Punkt, der mich am meisten stört. Reise und Antrag fragen fast ausschließlich, wie viele Fachkräfte aus Indien gewonnen werden können. Die drängende Frage lautet jedoch, wie viele qualifizierte Menschen aus Indien bereits in Hessen leben und nicht oder nicht entsprechend ihrer Qualifikation arbeiten. Zum 31. Dezember 2025 lebten fast 35.000 indische Staatsangehörige in Hessen, davon mehr als 24.500 mit Aufenthaltstiteln. Gleichzeitig weist die Bundesarbeitsagentur darauf hin, dass gerade die Zahl höher qualifizierter Arbeitsloser in Hessen zuletzt überdurchschnittlich stark zugenommen hat. Das ist eine ganz andere politische Fragestellung, als mehr Fachkräfte anzuwerben. Sie könnten einen erheblichen Teil des Fachkräftepotenzials erschließen. Davon steht im Antrag nichts. Ein weiterer blinder Fleck ist, dass Abkommen mit Indien alleine nicht genügen. Man braucht Vermittler, die indischen Unternehmen ein Verständnis vom Wirtschaftsstandort Deutschland vermitteln und umgekehrt. Darin sind Expertinnen und Experten einig. Wie gut verstehen indische Unternehmen eigentlich deutsche Wirtschaft, ihre Regularien, ihre Mentalität? braucht Wissensvermittlung über den deutschen Unterstützung für indische Start-ups beim Markteintritt und Zugang zu physischer Ansiedlungsstruktur und vationsökosystemen. Wie können umgekehrt deutsche ternehmen frühzeitig lokale Partnerschaften in Indien bauen, sich den indischen Markt erschließen, und kommen sie bei der Kontoeröffnung gut durch den your-customer-Prozess? Es braucht auf beiden Seiten einen, der geduldig übersetzt und begleitet, der Schnittstellen baut, statt nur Absichtserklärungen zu unterschreiben, kurz: eine echte Partnerbörse zwischen Hessen und Indien. Solche Strukturen gibt es bereits, etwa den German Innovation Corridor mit Sitz in Berlin, der sich selbst Europas führende mitgliedergetragene Plattform beschreibt und ausdrücklich auch kleinen und mittleren Unternehmen den Marktzugang erleichtern will. Warum werden solche Vermittlungsorganisationen systematisch eingebunden, wenn man doch gerade Mittelstand erreichen will? Während hessische Großkonzerne wie Merck, die Deutsche Bank oder die Kion bereits tief in Indien verwurzelt sind, liegt bei kleinen mittleren Unternehmen noch viel ungenutztes Kooperationspotenzial. Das sollten wir nutzen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir wollen die Indien-Partnerschaft nicht kleinreden, dern größer machen, als es diese Reise war. Maßstab nicht die Zahl der Delegationsreisen, Fototermine oder sichtserklärungen sein, sondern die Beschleunigung des novationsaustauschs zwischen Deutschland und Indien, Vernetzung von Entscheidungsträgern, gemeinsame für Digitalisierung und Wirtschaftswachstum und eine lungene Fachkräftestrategie. Liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und SPD, Antrag ist ein Anfang, aber eben nur ein Anfang – sätzlich richtig, aber in der Umsetzung viel zu halbherzig. Betten Sie Ihre Aktivitäten in eine Außenhandelsstrategie ein. Machen Sie aus der Partnerschaft eine echte Fachkräfte- und Innovationspartnerschaft, nicht nur auf dem sondern auch in der Praxis: eine Partnerschaft, die bei der Anwerbung von Fachkräften beginnt und bei Absichtserklärung endet, sondern den gesamten Weg fasst und auch die Menschen mitdenkt, die bereits bei leben, eine Partnerschaft, die Möglichkeiten für Austausch und Vermittlung schafft und dabei bestehende Strukturen und Verbände mit einbindet, eine Partnerschaft, die in Fläche wirkt und nicht nur die Ballungsräume denkt. Das ist Verantwortung, der sich Hessen in dieser weltwirtschaftlich unruhigen Zeit stellen muss – eine Verantwortung, die mit einer einzelnen Reise beginnt, aber nicht enden darf. Nur dann wird aus dem Anfang Partnerschaft und aus einer Partnerschaft eine gemeinsame Zukunft. – Vielen Dank. (Anhaltender Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sich Präsidentin Astrid Wallmann: Vielen Dank. – Bevor ich mit der Rednerreihenfolge fortfahre, darf ich ganz herzlich einen Gast auf der Besucherdie tribüne begrüßen. Die Generalkonsulin der Republik IndiEs en ist zugegen. Frau Generalkonsulin Kishore, herzlich Markt, willkommen. Schön, dass Sie der Debatte beiwohnen. Inno- (Allgemeiner Beifall) UnDann fahren wir jetzt fort. Als Nächster hat der Abgeordaufnete Lichert der AfD-Fraktion das Wort. wie

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