Martina Feldmayer
Nächster Redner ist der Abgeordnete Pürsün von der FDPFraktion. Bitte schön. Yanki Pürsün (Freie Demokraten): Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! „Rekord für den Sport“, das klingt nach Goldmedaille und Ehrenrunde. Doch die Landesregierung läuft zu früh mit Siegerpose durchs Rund; denn ein Rekord in der Pressemitteilung ist noch kein Rekord auf dem Sportplatz oder am Beckenrand. (Beifall Freie Demokraten) Mehr Geld ist richtig, aber keine wirksame Sportpolitik, wenn Förderbedingungen, Eigenanteile und Verfahren Projekte ausbremsen. Aber genau darum geht es. Kommt das Geld dort an, wo Kinder schwimmen lernen, Vereine trainieren und Ehrenamtliche Verantwortung übernehmen? Gerade bei Schwimmbädern zeigt sich die ganze Wahrheit hinter der „Rekord“-Überschrift. Viele Kommunen wollen ihre Bäder erhalten, kämpfen aber mit maroder Technik, hohen Energiekosten, Personalmangel und nicht stemmbaren Eigenanteilen. Dann scheitert das Bad nicht am Willen der Kommune, sondern an realitätsferner Förderlogik. Schwimmbäder sind keine Luxuseinrichtungen. Sie sind Bildungs-, Gesundheits- und Sicherheitsorte. Wer schwimmen kann, gewinnt Freiheit und im Ernstfall Überlebensfähigkeit. (Beifall Freie Demokraten) Fast 60 % der Kinder am Ende der 4. Klasse können nicht sicher schwimmen. Das ist eine Warnlampe für Bildung, Familien und Gesundheit. Hessen hat Programme wie SWIM und SWIMplus. Diese Ansätze begrüßen wir. Ich erinnere aber auch an unsere Kritik. Ich glaube, es war die erste Sitzung des Gesundheitsausschusses, in der wir kritisierten, dass die Rahmenbedingungen noch nicht passen. Was Sie heute verkünden, ist ein wenig auch eine Antwort auf unsere Kritik von damals. (Beifall Freie Demokraten) Wenn jede fünfte Sportstätte in kritischem Zustand ist und der Sanierungsstau über 2 Milliarden Euro beträgt, reden wir nicht über Schönheitsreparaturen, sondern über die Substanz unserer sportlichen Infrastruktur. Was fehlt, ist ein erkennbarer verzahnter Plan zwischen Land, Bund und Kommunen, der Sanierung, Schwimmfähigkeit und Vereinsinfrastruktur gemeinsam priorisiert. (Beifall Freie Demokraten) Darum sagen wir Freie Demokraten, wir brauchen einen echten Schwimmbad- und Sportstätten-Turbo für Hessen: Erstens. Förderpolitik muss wirken und zur kommunalen Realität passen. Wir brauchen adäquate Eigenanteile, insbesondere dort, wo Sportstätten für Schulschwimmen, Vereine und ganze Regionen unverzichtbar sind. Zweitens. Die Förderung muss die Betriebskosten dauerhaft senken durch Energieeffizienz, Wärmerückgewinnung und moderne Wassertechnik. Davon hängt ab, ob Sportstätten nach der Sanierung offen bleiben. Drittens. Wir brauchen digitale Anträge, schnellere Entscheidungen und klare Prioritäten. Erst unverzichtbare Basisinfrastruktur für Kinder, Schulen und Vereine, dann Projekte mit Breitenwirkung. Viertens. Wir brauchen Transparenz. Welche Sportstätten sind gefährdet? Wo scheitert die Sanierung am Eigenanals auch in Kleinen Anfragen ist immer wieder deutlich geworden, dass die Landesregierung gar nicht so genau weiß, wie groß der Sanierungsstau wo in Hessen ist. (Beifall Freie Demokraten) Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, heute beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft. Millionen Kinder werden Trikots tragen, Tore nachspielen und davon träumen, selbst auf dem Platz zu stehen. Das ist die Kraft des Sports. Er begeistert, verbindet und bringt Menschen in Bewegung. – Ich weiß nicht, ob hier bereits die ersten Fußballspiele angeschaut werden. Genau deshalb müssen wir die Orte fit machen, an denen Sport in Hessen beginnt: die Bolzplätze, die Turnhallen, die Vereinsheime und die Schwimmbäder. Darum sagen wir: weniger „Rekord“-Rhetorik, mehr Sport vor Ort. Sorgen Sie dafür, dass er ankommt bei Kindern, Vereinen und Kommunen. (Beifall Freie Demokraten)
