Katrin Schleenbecker
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Wenn wir heute über den Erhalt und die nachhaltige Nutzung von Kirchen- und Sakralgebäuden sprechen, dann sprechen wir über weit mehr als Steine, Mörtel und Dächer. Wir sprechen über Identität, Kultur und Heimat. Wir sprechen vor allem über Orte, die teilweise seit Jahrhunderten Menschen zusammenbringen und damit einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. Die mehr als 3.300 Kirchen- und Sakralgebäude in Hessen sind prägende Bestandteile unserer Städte und Dörfer, sie sind sichtbare Zeugnisse unserer Geschichte und unseres kulturellen Erbes. Für viele Menschen sind sie Orte des Glaubens, für andere sind sie Orte der Begegnung, der Kultur, der Bildung oder einfach der Ruhe und der Besinnung. Diese Gebäude haben über Generationen hinweg eine integrative Kraft entfaltet. Sie standen und stehen nicht nur Christinnen und Christen offen, sondern allen Menschen, unabhängig von Herkunft, Weltanschauung oder Lebensweg. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Polarisierung zunimmt und viele Menschen nach Orientierung und Gemeinschaft suchen, gewinnen solche Orte an Bedeutung. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und vereinzelt SPD) Kirchen- und Sakralgebäude sind weit mehr als nur Landmarken. Sie vermitteln Kontinuität in einer Welt, die sich immer schneller verändert. Sie schaffen Räume für Begegnung und Austausch, für Kinderbetreuung, zwischen Generationen, Kulturen und Überzeugungen. Sie sind eben Orte, an denen Gemeinschaft gelebt wird. Deshalb ist auch in meinen Augen ihr Erhalt keine rein kirchliche Aufgabe, es ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, und der vorliegende Antrag der Koalition erkennt diese Verantwortung an. Das begrüße ich ausdrücklich. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und vereinzelt SPD) Gleichzeitig dürfen wir die Realität nicht ausblenden. Viele Kirchengemeinden und auch Gemeinden – auch die, in der ich selbst seit vielen Jahren aktiv im Kirchenvorstand und inzwischen im Ortsausschuss mitarbeite – stehen immensen Herausforderungen. Sinkende Mitgliederzahlen, steigende Unterhaltskosten und strukturelle Veränderungen setzen zahlreiche unserer Gemeinden unter Druck. Frage ist nämlich längst nicht mehr, ob wir handeln sen, sondern wie. Deswegen ist es wichtig, neue Nutzungskonzepte zu ckeln, die über die sakrale Nutzung hinausgehen. Es nicht darum, die religiöse Bedeutung von Kirchengebäuden infrage zu stellen. Im Gegenteil, es geht darum, für die Zukunft zu sichern. Kirchen- und Sakralgebäude können Orte des Glaubens bleiben und zugleich Räume Kultur, Bildung, soziales Engagement und bürgerschaftliche Arbeit sein. Es ist positiv, dass die Koalition eine Debatte über Thema eröffnet hat; denn damit bekräftigt sie die wortung des Landes für den Erhalt dieser Gebäude. Antrag betont auch die Bedeutung des engen Austausches zwischen Kirchen, Kommunen, Verbänden und zivilgesellschaftlichen Institutionen. Er fordert die Prüfung von dermöglichkeiten sowie den Abbau rechtlicher Hürden. Das sind richtige und notwendige Schritte; dennoch ich, an einigen entscheidenden Stellen bleibt der ein bisschen zu unverbindlich. Auch wenn Frau Claus rade schon verschiedene Punkte angesprochen hat, die jetzt zu bearbeiten versucht, wird der Dialog alleine ausreichen. Wenn wir den Erhalt dieser Gebäude meinen, brauchen wir ganz konkrete Förderinstrumente für Sanierungen, für energetische Modernisierung und innovative Konzepte; denn viele der Gemeinden diese Aufgaben aus eigener Kraft nicht mehr leisten. wird sich die Koalition auch in Zeiten knapper Haushalte ernsthafte Gedanken machen müssen. Die rechtlichen Hindernisse müssen überprüft und wo es sinnvoll ist, abgebaut werden. Das sehen wir so. Das seien die Fragen des Denkmalschutzes, baurechtlicher Vorgaben oder Eigentumsregelungen. Ein Blick England könnte uns beispielsweise in Bezug auf die tekten, die sich mit dem Umbau sakraler Gebäude tigen, vielleicht noch ein paar Hinweise geben. Wir brauchen einfach vor Ort pragmatische Lösungen, die neue Nutzungen ermöglichen und zugleich den rischen und identitätsstiftenden Charakter der Gebäude halten. Aber die Vernetzung der Akteurinnen und muss wirklich zügig vorangetrieben werden. Die schlagene landesweite Plattform kann ein wichtiger stein sein. Entscheidend wird aber sein, dass sie nicht angekündigt, sondern schnell umgesetzt wird und den Beteiligten konkrete Unterstützung bieten kann. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und ja, wir sollten offen sein für neue Finanzierungsmodelle. Fundraising, Sponsoring, Crowdfunding und lich-private Partnerschaften können Beiträge leisten. die Prüfung eines Stiftungsmodells kann an manchen len sinnvoll sein. Das verdient, glaube ich, allgemein terstützung, wenn sich Stifterinnen und Stifter auf den machen, unsere Gemeinschaft zu unterstützen. Wir werden angesichts der Herausforderungen und vor allem langfristig tragbare Lösungen benötigen. uns ist klar, Kirchen- und Sakralgebäude sind Orte Glaubens, der Kultur und der Gemeinschaft, aber auch unterliegen einem gesellschaftlichen Wandel. Sie vor das Gesicht unseres Landes und stiften Zusammenhalt. Letztendlich sind sie zu wertvoll, um sie dem Verfall preiszugeben. Das sollte klar sein. Wir dürfen die Zukunft Die dieser identitätsstiftenden Gebäude nicht dem Zufall übermüs- lassen. Deswegen können wir uns dem Antrag anschließen und werden ihm zustimmen. Gleichzeitig werden wir aber die Umsetzung sehr aufmerksam begleiten; denn es ist entwinicht entscheidend, was heute auf dem Papier steht, songeht dern ob den Ankündigungen auch konkrete Maßnahmen folgen. diese (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) für Denn es geht nicht um den Erhalt von Gebäuden. Es geht um den Erhalt von Orten, die Menschen verbinden, die Gemeinschaft ermöglichen und Identität stiften. Lassen Sie das uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese besonderen Orte Verant- auch in Zukunft erhalten bleiben – als Zeugnisse unserer Der Geschichte, als Räume der Begegnung und als Orte des gesellschaftlichen Zusammenhalts. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt FörCDU und Nina Heidt-Sommer (SPD)) finde Antrag Präsidentin Astrid Wallmann: geVielen Dank. – Als Nächster hat der Abgeordnete Sebastiman an Sack von der SPD-Fraktion das Wort. nicht ernst
