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Sascha Herr

fraktionslos 21.05.2026 Sitzungen 21/69

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Zunächst einmal fällt heute etwas Positives auf: Dieses Thema scheint jedem hier im Haus wichtig zu sein. Alle heute vorliegenden Anträge benennen reale Probleme: Schlafprobleme, mangelnde Impulskontrolle, Depressionen, Angst und Stresssymptome, Essstörungen und sogar suizidales Verhalten bei Kindern und Jugendlichen. Es geht um Cybergrooming, Cybermobbing, Suchtgefahren, Polarisierung, Hass und gesellschaftliche Folgen. In allen Anträgen finden sich durchaus vernünftige Ansätze: mehr Medienkompetenz, mehr Aufklärung, mehr Unterstützung für Eltern, mehr Verantwortung der Plattformen und mehr Schutz für Kinder und Jugendliche. Aber aus meiner Sicht bleibt dabei genau der Punkt weitgehend außen vor, der möglicherweise der schwerwiegendste von allen ist. Es geht eben nicht nur um Algorithmen, die Nutzer möglichst lange auf einer Plattform halten sollen, es geht um etwas viel Grundsätzlicheres, das aus meiner Sicht in keinem der heute vorliegenden Anträge wirklich konsequent benannt wird: ein Geschäftsmodell, das Aufmerksamkeit, Unsicherheit und sozialen Vergleich systematisch monetarisiert. Wer hat mehr Likes? Wer hat mehr Views? Wer hat mehr Follower? Wer gehört dazu? Wer bleibt unsichtbar? Kinder und Jugendliche befinden sich dort in einem permanenten digitalen Wettbewerb um Aufmerksamkeit, Status und Anerkennung. Genau dieser psychologische Dauervergleich wird heute zwar immer wieder gestreift, aber aus meiner Sicht in keinem der vorliegenden Anträge wirklich konsequent zu Ende gedacht. Das eigentlich Erschreckende: Selbst die Landesregierung agiert hier weitgehend im Blindflug. Das zeigt die Antwort auf eine meiner Kleinen Anfrage zu genau diesem Thema. Deshalb mein Appell an die Landesregierung: Sorgen Sie bitte dafür, dass von dieser Debatte mehr übrig bleibt als die übliche parlamentarische Wunderwaffe der schönen Worte in einem Entschließungsantrag. Soziale Medien zeigen sich von wohlformulierten Landtags-Prosastücken erfahrungsgemäß ziemlich unbeeindruckt. – Vielen Dank. (Vereinzelter Beifall AfD)

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